Das war ein Bohei. Freitagnachmittag wurde bei uns in der Berliner Zeitung die Yucca-Palme abgegeben, die in einem Zimmer in einem U-Bahnschacht entdeckt worden war. Um ihr Schicksal hatten wir uns gesorgt. Abgegeben wurde sie von einem Taxifahrer, der sie angeblich an der Charité in Empfang genommen hatte – und nach Abgabe umgehend wieder verschwand. Sehr obskur, das Ganze. Wie es sich für Guerillakunst gehört.
Eine genaue Inspektion durch botanisch erfahrene Kollegen erbrachte: Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die gleiche Pflanze wie jene auf den bereits bekannten Fotos der Kunst-Installation. Aber nach Auskunft der BVG haben deren Mitarbeiter die gesamte Installation nach ihrer Entdeckung abgeräumt. Die Yucca-Palme kann also kein Werbegeschenk der BVG sein. Also muss das Bäumchen schon vor der Entdeckung des Zimmers wieder an die frische Luft gebracht worden sei.
Das verrät uns, dass die Urheber der Installation sich nicht nur um die Mietenfrage, Flüchtlinge, Star Wars und Kulturvergleiche, sondern auch um das physische Schicksal ihrer Umwelt kümmern. Und der Zustand der Yucca spricht für einen grünen Daumen – wir werden versuchen, diesem Vorbild zu folgen. Versprochen.
In der Palme hing ein Umschlag, sauber beschriftet mit künstlerisch akkurat in der Mitte gedoppeltem Unterstrich des Adressaten. Einen Absender gibt es selbstverständlich nicht – man legt als Guerillakünstler wert auf Anonymität. In dem Umschlag eine Fotografie, auf der Rückseite nüchtern in Großbuchstaben beschriftet mit: „Hier bin ich! MfG“. Wieder ohne Name. Jetzt haben wir schon vier Fotos der Installation. Zu sehen ist das Detail der Ecke der U-Bahn-Installation, mit besagter Palme, einem Bürowagen, wie man ihn in billigen Studentenzimmern bis heute findet – allerdings im Unterschied zu den anderen Fotos mit aufgezogenen Schubladen.
Darauf liegend einige CD, eine weitere Grünpflanze und eine Kerze. Kerzen und zumal solche Friedhofskerzen sind Symbole des sich selbst verzehrenden Lebens, das uns allen nur durch sein Verschwinden Licht geben kann. Eine zart melancholische Metapher. Aber wie passt sie mit der Palme zusammen, dem Symbol des Feierns? Wir rätseln noch.
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