Wohnungsbau in Berlin

2017 werden nicht halb so viele Häuser wie versprochen fertig

Der Wohnungsbau liegt weit hinter Plan zurück. Sozialmieter haben das Nachsehen.

Ulrich Paul
4 Min

Die landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen zwar laut rot-rot-grünem Koalitionsvertrag jedes Jahr 6000 Wohnungen neu bauen, um den angespannten Immobilienmarkt in Berlin zu entlasten – doch im Jahr 2017 werden sie noch nicht einmal die Hälfte schaffen. Das geht aus der Antwort des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) auf Fragen der Berliner Zeitung hervor.

Gerade einmal 2852 Wohnungen werden Degewo, Howoge, Gewobag, Gesobau, Stadt und Land sowie die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) in diesem Jahr fertigstellen. Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist damit zunächst kaum zu erwarten. Denn laut früheren Senatsprognosen werden jährlich rund 20.000 neue Wohnungen in Berlin benötigt.

Private bauen mehr

„Die Zahlen zeigen, dass der Großteil der neuen Wohnungen durch Private errichtet wird“, sagt Thomas Groth, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der privaten Immobilienwirtschaft (BFW) in Berlin-Brandenburg und Chef der Groth-Gruppe. Und dabei werde es zumindest in den Jahren 2017 und 2018 auch bleiben. Die Privaten bauen allerdings derzeit kaum Sozialwohnungen, sondern meist Wohnungen mit Mieten von zehn Euro je Quadratmeter und mehr. Doch selbst bei den landeseigenen Neubauten ist der Anteil der preisgünstigen Wohnungen gering.


Große Pläne

Die landeseigenen Wohnungsunternehmen besitzen rund 300.000 Wohnungen. Sie sind für den rot-rot-grünen Senat die „wichtigste Säule“ der sozialen Wohnraumversorgung. In der vergangenen Legislaturperiode haben die Unternehmen nach langer Pause mit dem Wohnungsneubau begonnen.

Von 2014 bis 2016 stellten die Unternehmen 2799 Wohnungen fertig. Im Jahr 2014 waren es 124, im Jahr 2015 folgten 1375 und im Jahr 2016 weitere 1300 Wohnungen. In diesem Jahr werden die Unternehmen 2852 Wohnungen fertigstellen, 2018 sollen es weitere 6 381 Wohnungen sein.

In Bau waren am 31. Dezember 2016 insgesamt 7875 landeseigene Wohnungen. Im Jahr 2017 sollen die Arbeiten für 6979 Wohnungen starten, im Jahr 2018 sollen sie für 7093 Wohnungen beginnen. Seit dem Jahr 2012 wurden 36.625 Wohnungen fertiggestellt, befinden sich in Bau oder sind geplant.


Nach den bisherigen Vorgaben der Politik mussten die landeseigenen Vermieter nur 30 Prozent der Unterkünfte als Sozialwohnungen errichten – mit Mieten von durchschnittliche 6,50 Euro kalt je Quadratmeter. Rot-Rot-Grün hat den Anteil der Sozialwohnungen im Neubau zwar auf 50 Prozent erhöht, nur bringt das erst einmal nichts. Denn bis diese Umstellung wirksam wird, werden ein bis zwei Jahre vergehen. So lange dauert der Bau neuer Wohnungen eben.

Wer keine neue Sozialwohnung bekommt, muss auch bei den kommunalen Vermietern sehr viel mehr Miete bezahlen. Die landeseigenen Unternehmen bieten ihre freifinanzierten Neubauwohnungen hauptsächlich für Kaltmieten von 8 bis 10,50 Euro je Quadratmeter an, einige kosten sogar noch mehr.

Da in Berlin gut jeder zweite Haushalt Anspruch auf eine Sozialwohnung hätte, werden sich viele Bewerber um die wenigen Sozialwohnungen bemühen – häufig vergebens. Für Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, ist der bisherige Anteil von 30 Prozent Sozialwohnungen deswegen zu niedrig. Es ergebe keinen Sinn, dass der Anteil so gering sei, wenn doch gut 50 Prozent der Haushalte Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, sagt er.

Zwar bleiben die Neubauzahlen der landeseigenen Vermieter noch 2017 hinter den gesteckten Zielen zurück, doch gegenüber den Zahlen der vergangenen Jahre sind 2852 fertige Wohnungen noch viel. Laut BBU wurden im Jahr 2015 insgesamt nur 1 375 Wohnungen durch die landeseigenen Unternehmen fertiggestellt, 2016 waren es nur 1300.

Besserung ist jedoch in Sicht. Im Jahr 2018 sollen bereits 6381 landeseigene Wohnungen bezugsfertig werden, also erstmals mehr als politisch verlangt werden.

Lompscher: Langer Vorlauf

„Man sieht, wie lange der Vorlauf ist“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) dazu. Sie verweist zugleich darauf, dass niedrige Mieten nicht nur durch die vom Land geförderten Sozialwohnungen garantiert werden. Günstigere Mieten seien zudem durch Verrechnungen nach der kostenlosen Übertragung landeseigener Grundstücke und durch die Erhöhung des Eigenkapitals der landeseigenen Unternehmen möglich.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen ist mit der Bilanz der kommunalen Vermieter zufrieden. „Die weiter steigenden Zahlen bei Baubeginnen und Fertigstellungen bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften zeigen die große Leistungskraft der Unternehmen“, sagt BBU-Sprecher David Eberhart.

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