Lira Alushi, 27, ist neben Annike Krahn, Josephine Henning, Linda Bresonik und Ann-Katrin Berger eine von fünf deutschen Spielerinnen bei Paris St. Germain. In der französischen Hauptstadt wird ein Starensemble beschäftigt, das mit dem erstmaligen Gewinn der Women’s Champions League international für Aufsehen sorgen will. Gegner am Donnerstag ist der 1. FFC Frankfurt – jener Klub, für den die 79-fache Nationalspielerin zwischen 2011 und 2014 spielte.
Lira Alushi, Sie sind der gefragteste Gesprächspartner für das Finale der Women’s Champions League. Denn am Donnerstag geht es gegen Ihr ehemaliges Team, den 1. FFC Frankfurt. Ist das Ihr persönliches Traumendspiel?
Ja, ich habe mir tatsächlich solch ein Finale gewünscht. Ich treffe jetzt auf viele Freunde. Nichtsdestotrotz ist es ein perfektes Endspiel: Es geht um einen ganz, ganz großen Titel, den ich nach vielen Jahren mal wieder in den Händen halten möchte. Ich habe das ein Mal mit Turbine Potsdam erleben dürfen.
Mehren sich bei Ihnen im Mannschaftskreis die Nachfragen, was den Jahnsportpark als Endspielort betrifft? Ihre Mitspielerin Kosovare Asllani hat von einem unwürdigen Schauplatz gesprochen.
Ich habe mir das auch zuerst im Internet angesehen und auch erst gedacht: mein Gott! Ich kannte das Stadion nicht, und es gibt in Berlin bestimmt schönere Stadien ohne Tartanbahn. Leider werden wir Frauen in dieser Hinsicht nicht genügend wertgeschätzt. Immerhin soll es ausverkauft sein, worüber viele meiner Mitspielerinnen schon mal gestaunt haben.
Hätten sich lieber das Olympiastadion gewünscht?
Na klar. Oder das von Union Berlin, wo die Zuschauer näher dran sind. Schließlich bekommen die Zuschauer ein hammergeiles Finale zu sehen.
Was hat man denn von den PSG-Frauen zu erwarten?
Im französischen Frauenfußball wird die Technik, das Zusammenspiel, sehr betont. Aber unser Team scheut sich auch nicht, hart dagegenzuhalten. Wenn es sein muss, dann wird auch mal der Ball auf die Tribüne geschlagen. Sonst hätten wir nicht das Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg überstanden. Dieser tolle Mix hat uns weit gebracht.
Wie gefällt es Ihnen sportlich?
Die Frauen-Abteilung ist hier sehr professionell aufgestellt. Und es stimmt auch nicht, dass wir hier nur in drei, vier Spielen richtig gefordert werden. Klar ist die Frauen-Bundesliga stärker, aber wir und Lyon sind mindestens auf dem Niveau der Topteams.
Werden Sie am Donnerstag spielen?
Gegen Wolfsburg hatte ich noch mit meiner Verletzung zu tun, aber wenn ich jetzt beschwerdefrei bleibe und trainiere, dann werde ich auch spielen. Da bin ich mir sicher.
Nationalmannschaftskapitänin Nadine Angerer hat harte Kritik an den Zuständen beim 1. FFC Frankfurt geübt. Sind Sie auch deshalb weggegangen?
Der 1. FFC Frankfurt ist ein super Verein mit super Spielerinnen, aber in einigen Punkten gibt es dort noch professionellen Nachholbedarf. Das ist ja alles hinlänglich bekannt und nicht mehr meine Sache. Das wissen die Leute dort auch selbst und versuchen das zu ändern – vielleicht klappt es irgendwann.
Zu welchen Ihrer ehemaligen Mitspielerinnen haben Sie noch regelmäßig Kontakt?
Zu vielen: Simone Laudehr, Ana-Maria Crnogorcevic, Peggy Kuznik, Dzsenifer Marozsan oder Celia Sasic. Das sind einige Spielerinnen, denen ich regelmäßig schreibe und teils sind es enge Freunde von mir. Ana, Simone und Dzseni hatten mich für ein paar Tage über Silvester besucht, und wir hatten ’ne tolle Feier in Paris.
Vergangenes Jahr haben Sie mal berichtet, das größte Problem in Frankreich sei das Einparken.
Das stimmt. Mittlerweile parke ich aber wie die Franzosen ein – das ist am einfachsten. Ich kann wirklich sagen, dass ich mich hier sehr wohlfühle.
Was machen denn Ihre Sprachkenntnisse?
Ich habe das Gefühl, dass mein Französisch immer besser wird. Wenn unser Trainer eine Ansprache hält oder die Mitspielerinnen mit mir reden, dann verstehe ich alles – zumindest wenn sie langsam sprechen. Antworten fällt mir schwerer, aber nach acht Monaten kann noch nicht alles klappen.
Ihr Mann Enis spielt noch beim FC St. Pauli. Wie oft können Sie sich denn besuchen?
Wir sehen uns schon oft. Entweder er kommt mich in der Woche besuchen oder ich fliege rüber. Bisher läuft das ganz gut.
Nach dem Champions-League-Finale bleibt nicht viel Zeit für Privatleben. Bereits am 18. Mai trifft sich die deutsche Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung in der Schweiz. Mit welchen Zielen gehen Sie dann nach Kanada?
Ich gehe da mit großen Erwartungen hin, aber es wird auch die schwierigste WM, die ich je erlebt habe. Dass auf Kunstrasen gespielt werden muss, halte ich weiter für unglaubwürdig. Wir haben zwar in der Gruppenphase leichte Gegner, aber in der K.-o.-Phase können echte Brocken auf uns zukommen. Unter anderem Frankreich.
Sie haben einige Male betont, dass Sie sich vorstellen könnten, nach der WM den Wunsch nach Kindern zu erfüllen. Steht der Entwurf noch?
Keine Ahnung, ich bin ja ein sehr spontaner Typ, deshalb weiß ich gerade nicht, was ich darauf antworten soll. Lassen wir das doch einfach mal offen.
Das Gespräch führte Frank Hellmann.
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