Wutanfall des nordkoreanischen Diktators

Kim Jong Un und der Hummer

In Nordkorea kann es gefährlich sein, keinen Hummer zu haben - zumindest wenn dies einher geht mit dem Wutanfall eines Diktators.

Philipp Fritz
3 Min
Dieses Bild zeigt den Diktator Kim Jong Un in einer Schildkrötenfarm in der Nähe von Pjöngjang.

Dieses Bild zeigt den Diktator Kim Jong Un in einer Schildkrötenfarm in der Nähe von Pjöngjang.

© REUTERS Lizenz

Der Hummer gilt als beliebte Delikatesse. Wie diese zubereitet wird, macht jedoch nicht nur Tierschutzorganisationen Sorgen. Auch einige Liebhaber von Meeresfrüchten und Krebsfleisch haben zumindest Bedenken, wenn sie sehen, wie ein Hummer lebendig in kochendes Wasser geworfen oder das Wasser, in dem der so genannte Großkrebs sich befindet, langsam zum Kochen gebracht wird. Über den Verzehr von Hummer kann man also streiten.

Eine Gefahr für den Menschen

In Nordkorea hingegen beginnt das Ungemach in Sachen Hummer bereits früher. Dort nämlich kann es für den Menschen, nicht etwa für das Tier, durchaus gefährlich werden, wenn kein Hummer vorhanden ist. Wie die britische Boulevardzeitung Daily Mail am Dienstag berichtete, habe der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un beim Besuch einer Schildkrötenfarm in der Nähe der Hauptstadt Pjöngjang einen Wutanfall darüber bekommen, dass die Farmarbeiter es nicht geschafft haben, einen Hummer zu züchten.

Warum das eine Meldung wert ist? Erst kürzlich berichteten mehrere Medien darüber, dass Kim Jong Un angeblich seinen einstigen Verteidigungsminister Hyon Young Choi habe hinrichten lassen. Die südkoreanische Presseagentur, die sich auf Geheimdienstkreise berief und als erste von der angeblichen Hinrichtung berichtete, ruderte kurz darauf zurück.

Ob Hyon Young Choi nun tatsächlich nicht mehr lebt, ist weiterhin unklar. In jedem Fall konnte Kim Jong Un zumindest im Westen weiter sein Profil als Schlächter und unberechenbarer Autokrat schärfen. Dieser angeblichen Bluttat waren die Arbeiter der Schildkrötenfarm sich vielleicht gewahr, vielleicht auch nicht. Kim Jong Un hat bereits genug Mitglieder der nordkoreanischen Machtelite verschwinden lassen. Wer dessen fähig ist, dürfte auch keine Skrupel haben, Arbeiter hinzurichten, die keine Hummer züchten.

Hummer als Armeleuteessen

Hinzu kommt: Es muss einem übel aufstoßen, dass ein großgesichtiger, offenbar wohlgenährter Herrscher in einem Land, in dem weite Teile der Bevölkerung chronisch mangelversorgt sind, eine Schildkrötenfarm besichtigt und Hummer verlangt. Vielleicht aber auch war Kim Jong Un einfach bestrebt, die Grundversorgung seines international weitgehend isolierten Landes zu sichern. Zumindest an der amerikanischen Ostküste galt Hummer im 19. Jahrhundert als Armeleuteessen und nicht als Delikatesse. Viele Menschen mit geringem Einkommen konnten mehr als einmal in der Woche Hummer essen. Was Kim Jong Un mit Blick auf die Agrarwirtschaft seines Landes in der Hinterhand hat, weiß wahrscheinlich niemand. Vielleicht aber haben Amerikaner und Nordkoreaner mehr gemein, als den Eliten beiderseits des Pazifik bewusst sein mag.

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