Wetterexperte über Xavier

"Solche Stürme sind eher typisch für den Hochwinter"

Diplom-Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst über Xavier.

Juliane Meißner
3 Min
Äste und umgestürzte Bäume im Park von Sanssouci.

Äste und umgestürzte Bäume im Park von Sanssouci.

© dpa

„Xavier“ fällte Bäume, deckte Dächer ab, brachte den Verkehr durcheinander und forderte mehrere Menschenleben. Diplom-Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst beantwortet Fragen zum Sturm. 

Herr Leyser, war „Xavier“ ein außergewöhnlich starker Sturm?

Nein, da waren beispielsweise die Orkane „Kyrill“ und „Lothar“ deutlich heftiger. Ungewöhnlich an „Xavier“ ist aber der große Schaden, den er angerichtet hat. Zum Beispiel wurden zahlreiche  Bäume entwurzelt, denn sie sind noch voller Blätter und stürzen deshalb leicht um. Bemerkenswert an „Xavier“ ist auch, dass er bereits früh im Herbst auftrat. Solche Stürme sind eher typisch für den Hochwinter. 

Wie entstehen Herbststürme?

Das sind außertropische Tiefdruckgebiete. Sie entstehen an der Polarfront. Das ist der Bereich, in dem warme Luftmassen der mittleren Breiten aus Richtung des Äquators auf kühle Polarluftmassen aus dem Norden treffen. Gerade im Herbst kühlen sich die Luftmassen in den hohen Breiten deutlich ab, wodurch sich der Temperaturgegensatz verschärft.  Je größer der Temperaturunterschied zwischen der kalten und warmen Luftmasse ist, desto stärker wird der Sturm. Die entstehenden Sturmtiefs sind der Versuch der Natur, diese Temperaturgegensätze auszugleichen. Sie ist immer um ein Gleichgewicht bemüht. 

Wie lange ist noch mit solchen Stürmen zu rechnen?

Prinzipiell können solche Stürme  im gesamten Winterhalbjahr auftreten. Im Sommerhalbjahr sind sie deutlich seltener und schwächer. 

Adrian Leyser ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.

Adrian Leyser ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.

© DWD

Mitte September zog Sturm „Sebastian“ bereits über den Norden Deutschlands, auch „Xavier“ wütete vor allem in dieser Region. Ist das Zufall?

Nein, der Norden Deutschlands ist prädestiniert für solche Stürme.  Denn auf diese Region greift die Polarfront bevorzugt über. Das bedeutet aber nicht, dass es im Süden Deutschlands keine Stürme geben könnte. Beispielsweise wütete Orkan „Lothar“ im Jahr 1999 in der Mitte und im Süden Deutschlands. 

„Xavier“ hat auch innerhalb von Städten stark gewütet. Ist es dort nicht geschützter?

Nein, in der Stadt ist es nicht sicherer als draußen auf dem Land. In den Häuserschluchten kommt es vermutlich zu einem Kanalisierungseffekt. Dadurch wird der Wind noch verstärkt. An den Häuserkanten können sich zudem Wirbel und Turbulenzen bilden. Darüber hinaus geht von umherfliegenden Gegenständen wie Dachziegel eine große Gefahr aus. 

Auch in Berlin sorgte „Xavier“ für große Schäden.

Im Berliner Stadtgebiet und in Brandenburg wurden verbreitet orkanartige Böen gemessen. Die Windgeschwindigkeiten lagen bei 105 bis 120 Kilometern pro Stunde.

Das Gespräch führte Juliane Meißner.

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