Auf dem Alexanderplatz ist es am Sonntagabend erneut zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Nach Angaben von Zeugen waren gegen 21.20 Uhr zwei Jugendgruppen mit jeweils zehn Personen in Streit geraten. "Bei der anschließenden Schlägerei sollen Einzelne unter anderem mit Flaschen aufeinander losgegangen sein", sagt Polizeisprecherin Kerstin Ismer. Einer der Männer soll ein Fahrrad auf einen Kontrahenten geworfen haben.
Berlins gefährlichster Ort
Wer die rund 20 Angreifer waren, konnte die Polizei nicht ermitteln. "Alle Beteiligten waren noch vor dem Eintreffen alarmierter Polizisten geflohen", erklärt Ismer. Bei einer anschließenden Suche trafen die Beamten auf sechs Personen, die sich in der Nähe des Tatorts aufhielten. Sie sollen in die Masserschlägerei nicht verwickelt gewesen sein. Die Polizeisprecherin. "Ein Tatverdacht konnte sich nicht erhärten."
So eine Auseinandersetzung ist Alltag am Alexanderplatz. Denn Deutschlands größter Platz ist der gefährlichste Ort Berlins. Die Polizei führt ihn auf Platz Eins einer Liste von zehn „kriminalitätsbelasteten Orten“. 7820 Straftaten zählte die Polizei dort im vergangenen Jahr, vor allem Diebstähle, Körperverletzungen und Raub. Das sind fast doppelt so viele Straftaten wie im Jahr 2008. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden bereits 3492 Delikte gezählt, darunter eine Rekordzahl an Körperverletzungen.
Immer wieder Massenschlägereien
Zuletzt gab es auf dem Alexanderplatz wieder vermehrt Gewalttaten, darunter mehrere Massenschlägereien. Erst Mitte September hatten mehrere Gruppen an einem Wochenende aufeinander eingeprügelt. Bei der ersten Auseinandersetzung waren waren nach Polizeiangaben Afghanen und Syrer beteiligt gewesen.
Acht Verdächtige wurden festgenommen, nachdem ein 18-Jähriger mit einem Messer niedergestochen wurde. Ein 13-Jähriger, der zwischen die Fronten geriet, wurde leicht verletzt. In der Nacht darauf gerieten laut Polizei Männer aus Afghanistan, Pakistan und Syrien aneinander. Nur wenige Tage zuvor war ein 21-jähriger Afghane und sein Begleiter von etwa 20 Unbekannten angegriffen worden. Der 21-Jährige kam Stichverletzungen in ein Krankenhaus.
Mehr Präsenz und Kameraüberwachung
Durschnittlich 360.000 Menschen laufen täglich über den Alexanderplatz. Der Senat und die Polizei wollen ihn ebenso wie einige andere Orte mit viel Kriminalität in Zukunft zeitweise mit Videokameras besser überwachen. Die Testphase dazu läuft bereits. Außerdem wird nahe der Weltzeituhr eine kleine Polizeiwache auf dem Alex gebaut, um die ständige Präsenz von Polizisten zu gewährleisten.
Je nach Verfügbarkeit sollen zudem vermehrt Einsatzhundertschaften mit Unterstützung von Spezialisten für das Ausländerrecht auf dem Platz Streife laufen und Personen überprüfen. Bei einem solchen Einsatz wurden am 20. Oktober über 125 Personen überprüft und 15 Anzeigen geschrieben.
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