Sozialpolitik

Weniger Kinder erhalten Grundsicherung: Was die neuen Regierungszahlen wirklich verraten

Die Zahl der Kinder, die von Grundsicherung leben, ist gesunken. Während bei deutschen Kindern nur gut sieben Prozent betroffen sind, ist es bei ausländischen mehr.

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Die Zahl der Kinder mit Anspruch auf Grundsicherung ist gesunken.

Die Zahl der Kinder mit Anspruch auf Grundsicherung ist gesunken.

© Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Die Zahl der Kinder in Deutschland mit Anspruch auf Kinder-Grundsicherung ist gesunken. Innerhalb eines Jahres ging sie von 1,75 auf 1,64 Millionen Minderjährige zurück. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor, die sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit stützt. Die Antwort liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Kinder erhalten Grundsicherung in der Regel dann, wenn ihre Eltern das Existenzminimum nicht selbst decken können. Was zunächst wie eine reine Erfolgsmeldung klingt, ist bei genauem Blick vielschichtiger. Denn hinter der sinkenden Gesamtzahl verbergen sich sehr unterschiedliche Quoten – je nach Staatsangehörigkeit der Kinder.

Wie viele Kinder betroffen sind – und wie hoch die Quote ist

Insgesamt lag die Quote der Minderjährigen mit Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II im Dezember 2025 bei 11,7 Prozent. Rund jedes achte Kind in Deutschland ist damit betroffen.

Von den 1,64 Millionen leistungsberechtigten Minderjährigen hatten im Dezember 2025 fast 860.000 die deutsche und mehr als 780.000 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit entfielen rund 52 Prozent auf Kinder mit deutschem Pass, rund 48 Prozent auf Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Die Anteile blieben gegenüber dem Vorjahr auf ähnlichem Niveau, mit einem leichten Anstieg beim Anteil der Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit.

Quote bei ausländischen Kindern deutlich höher

Die Betroffenheit unterscheidet sich stark nach Staatsangehörigkeit. Bei Kindern mit deutschem Pass lag die Quote im Dezember 2025 bei 7,2 Prozent. Bei Kindern mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren es 36,8 Prozent.

Damit war mehr als jedes dritte ausländische Kind auf Grundsicherung angewiesen. Ein wesentlicher Grund liegt in der Einwanderung: Viele Zugewanderte finden oft erst nach Jahren eine Arbeit, mit der sie ihre Familie selbstständig finanzieren können.

Wichtig für die Einordnung der Statistik: Kinder mit mehreren Staatsangehörigkeiten zählen ausnahmslos als Deutsche.

Was die Zahlen über alle Altersgruppen zeigen

Auch bei Erwachsenen sinkt die Zahl der Betroffenen. Über alle Altersgruppen hinweg gab es im März 2026 laut einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rund 180.000 weniger ausländische Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung als ein Jahr zuvor.

Die SGB-II-Hilfequote der ausländischen Bevölkerung lag im März 2026 bei 19 Prozent – 1,4 Punkte weniger als im März 2025.

Gleichzeitig stieg die Beschäftigung: Laut IAB gab es im April rund 190.000 mehr beschäftigte ausländische Staatsangehörige als im Vorjahresmonat (plus 2,9 Prozent), während die Beschäftigung in Deutschland insgesamt leicht sank.

„Einwanderung in die Sozialsysteme“? Die politische Deutung

Der sozialpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, René Springer, zog aus den Zahlen ein deutliches Fazit: „Mehr als jedes dritte ausländische Kind bezieht in Deutschland Bürgergeld.“ Springer, zugleich Brandenburger AfD-Chef, kritisierte „Ausgaben von rund 23,8 Milliarden Euro allein für ausländische Minderjährige seit 2015“ und forderte, „Anreize zur Einwanderung in die Sozialsysteme“ zu beseitigen.

Fachleute widersprechen dieser Deutung. Experten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung stellten in einer Analyse fest, es gebe „keinen Anhaltspunkt dafür, dass Migration primär durch Sozialleistungen motiviert“ sei.

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