Öffentlich-Rechtliche

ZDF in der Kritik wegen Bürgergeld-Doku: Jetzt reagiert der Sender

Der ZDF-Intendant Norbert Himmler verteidigt „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ nach Programmbeschwerden. Das sind die Streitpunkte.

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ZDF-Intendant Norbert Himmler

ZDF-Intendant Norbert Himmler

© Kristina Schäfer/epd

ZDF-Intendant Norbert Himmler hat Vorwürfe gegen die Dokumentation „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ zurückgewiesen. Der Verein Sanktionsfrei kündigte an, den Fernsehrat mit der Beschwerde zu befassen und zeigte sich mit der Reaktion des ZDF unzufrieden.

Keine Wertung im Bürgergeld-Beitrag?

Ziel des Films sei es nicht gewesen, Bürgergeldbezieher pauschal zu bewerten oder zu stigmatisieren, sondern unterschiedliche Perspektiven und Konfliktlinien sichtbar zu machen und journalistisch einzuordnen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme Himmlers. Dazu seien verschiedene Lebensrealitäten gezeigt worden.

Gegen die am 14. Mai ausgestrahlte Sendung waren beim ZDF-Fernsehrat zahlreiche Programmbeschwerden eingegangen. Der Berliner Verein Sanktionsfrei, der Bürgergeldempfänger bei Sanktionen unterstützt, erklärte, die Doku verstoße in mehreren Punkten gegen die Anforderungen an sachliche, ausgewogene und diskriminierungsfreie Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie zeichne ein verzerrtes Bild von Bürgergeldbeziehern und arbeite mit außergewöhnlichen Einzelfällen.

ZDF-Intendant bleibt bei Einordnung allgemein

Der Film unterscheide zwischen amtlich belegbaren Zahlen und Erfahrungen aus der Praxis, führte Himmler aus. Er erhebe nicht den Anspruch, das tatsächliche Ausmaß möglicher Fehlentwicklungen exakt zu beziffern, sondern frage nach Schwachstellen und Graubereichen in der Praxis. Moderatorin Sarah Tacke weise zudem darauf hin, dass es Belastungen gebe, die für den Staat finanziell schwerer wögen, etwa Schäden durch Cum-Ex-Geschäfte und Steuerhinterziehung. Die von Jobcenter-Mitarbeitern besuchten Leistungsempfänger seien umfänglich anonymisiert worden.

Sanktionsfrei-Geschäftsführerin Helena Steinhaus bezeichnete Himmlers Stellungnahme auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) als oberflächlich und ungenügend. Auf zahlreiche Einwände gehe sie nicht oder nur sehr allgemein ein. Nach der ZDF-Satzung kann ein Beschwerdeführer binnen Monatsfrist eine Behandlung im Fernsehrat fordern.

Vorwürfe im Detail und Kündigungsfall in Bremen

In seiner Beschwerde führt der Verein Sanktionsfrei fünf zentrale Kritikpunkte an, darunter eine verzerrte Darstellung von Sozialleistungsbetrug ohne statistische Einordnung, die wiederholte Nutzung des Begriffs „Totalverweigerer“, eine Bagatellisierung von Erkrankungen sowie einen fehlenden Kontext bei Aussagen zu Migration. Laut Bundesagentur für Arbeit gab es 2025 rund 110.000 Verdachtsfälle bei etwa 5,5 Millionen Bürgergeldbeziehern. Weder Sozialverbände noch Vertreter der Bundesagentur oder des Bundesarbeitsministeriums seien in der Sendung zu Wort gekommen.

Im Zuge der Debatte um die Doku soll die Stadt Bremen einem 60-jährigen Jobcenter-Mitarbeiter fristlos gekündigt haben. Der Mann hatte in der Sendung geschätzt, zwischen 30 und 40 Prozent der Bürgergeldempfänger machten unzutreffende Angaben, ohne belastbare Zahlen zu nennen. Die Stadt wirft ihm vor, das Jobcenter diffamiert zu haben.

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