ZDF-Serie „Fett und Fett“

Was ein Münchener Tagträumer in Berlin erlebt

Serie ist sechs Monate lang in der Mediathek und eine Nacht lang im ZDF zu sehen.

Torsten Wahl
4 Min
Ein Münchener in Berlin in der ZDF-Serie „Fett und Fett“. Der Serienheld Jaksch (Jakob Schreier, l.) liebt Hanna (Isabella Wolf, r.).

Ein Münchener in Berlin in der ZDF-Serie „Fett und Fett“. Der Serienheld Jaksch (Jakob Schreier, l.) liebt Hanna (Isabella Wolf, r.).

© ZDF/J. Brugger

„Wer will so etwas hören? Wer will so etwas sehen?“ Die ehrgeizige Psychotherapeutin (Katrin Röver) hat genug von wehleidigen Typen um die 30. Jaksch (Jakob Schreier) ist der Prototyp eines Ex-Studenten, der den Schritt ins Arbeitsleben scheut. Doch wie er sich durch die Münchener Tage und Nächte treiben lässt oder wie er getrieben wird, das wollten bislang schon einige sehen.

Die fünfteilige Miniserie „Fett und Fett“, in Szene gesetzt von Absolventen der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen, lief im Netz und war auf Festivals ein Hit. Das Kleine Fernsehspiel des ZDF gab weitere sechs Folgen in Auftrag und stellt nun beide Staffeln zunächst ins Netz, bevor am kommenden Montag alles in einer Nacht versendet wird.

Jakob, der stets Jaksch genannt wird, erklärt in der ersten neuen Folge in der Kneipe noch mal den Serientitel „Fett und Fett“: In seinem Alter komme es im Wesentlichen noch auf vier Dinge an: Essen und Trinken, Sex und Geld.

Doch da er weder eine feste Freundin noch eine berufliche Stellung in Aussicht hat, bleiben ihm nur Essen und Trinken. Selbst den Gang zum Friseur scheut er. So wächst ihm sein Wuschelkopf in die Höhe – allein die schräge Frisur sorgt dafür, dass man ihn so schnell nicht vergisst.

Was ein Münchener in Berlin erlebt: Schwulenbar und eine arabische Rappergruppe 

Nun sind im Kino schon einige gleichgesinnte Tagträumer aufgetaucht. Am bekanntesten wurde der von Tom Schilling gespielte Niko in Jan-Ole Gersters „Oh Boy“. Verglichen mit dem Berliner Herumtreiber wird der Münchener Boy zwar nicht mit so coolen Bildern, dafür mit mehr Milde und mehr Mitgefühl begleitet.

Das dürfte daran liegen, dass der Darsteller Jakob Schreier seinem Helden nicht nur seinen Vornamen gegeben hat, sondern neben der Regisseurin Chiara Grabmayr auch Hauptautor der Serie ist. Vor allem aber ist „Fett und Fett“ witzig-gut zu erleben in der Szene, in der sich Jaksch verkatert als Regie-Assistent bei Matthias Lilienthal, dem Intendanten der Münchner Kammerspiele bewirbt.


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Die episodische Struktur ist im Serienformat bestens aufgehoben. In jeder Folge zieht es Jaksch zu einer besonderen Person oder in ein spezielles Milieu. So führt ihn in der Episode „Voll nett“ der bedrohlich sinkende Akkustand seines Smartphones in eine Schwulenbar.

In der Folge „Gib ihm“ wird ihm das Handy am S-Bahnhof Sonnenallee von einem gewissen Issa aus der Hand gerissen – zusammen mit seiner Freundin Hanna (Isabella Wolf) erlebt der Berlin-Besucher eine besondere Neuköllner Nacht und lernt im Schlepptau einer arabischen Rappertruppe den Unterschied zwischen „Halal“-Geld und „Haram“-Geld.

Auch in der zweiten Berliner Episode „Spürst du’s?“ wird ein Milieu spöttisch überzeichnet – diesmal die sich selbst feiernde Startup-Szene. Zwar kreiste schon die ZDFneo-Serie „Nix Festes“ um das Dauerscheitern mit immer neuen Ideen in Berlin.

Doch „Fett und Fett“ schafft es immer wieder, den Zuschauer nicht über seine Helden zu erheben, sondern ihn hineinzuziehen, bevor das überraschende Finale alle komplett aus der gewohnten Szenerie herausschleudert.

Fett und Fett sechs Monate lang in der ZDF-Mediathek, am Montag, den 14. 10. im ZDF.

Neue Staffel (sechs Folgen) ab 00.15 Uhr

Erste Staffel (fünf Folgen) ab 02.30 Uhr

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