Die Werbeaktion der Village Cinemas in der Kulturbrauerei haben die Betreiber des Lichtblick-Kinos mit ein wenig Schadenfreude verfolgt: 40 000 Freikarten hatte das Multiplex im Oktober verteilt und Ärger mit der Cinemaxx-Konkurrenz an der Schönhauser Allee bekommen. Die beiden Großkinos kämpfen um Zuschauer. Torsten Frehse, einer der Betreiber des Kinos Lichtblick an der Kastanienallee hat das Problem nicht. Das Lichtblick wird fast immer voll. Das kleinste Kino der Stadt hat nur 32 Plätze.Die zehn Kinomacher sind zwischen 23 und Mitte 30. Sie arbeiten in ganz anderen Berufen oder studieren. Ihr Kino läuft nebenbei mit. - manchmal auch aus ganz praktischen Gründen. Denise Himburg, eine 28-jährige Jura-Studentin, will sich ins Medien- und Urheberrecht einarbeiten. Sebastian Paul, einem 23-jährigen Philosophie-Student, geht es darum, "gutes und politisches Kino zu machen".Vor zweieinhalb Jahren bauten die Lichtblick-Leute die ehemalige Fleischerei in der Kastanienallee 77 zum Kino um. Im Vorführraum steht jetzt ein Filmprojektor für 35-Millimeter-Filme, an der Decke hängt ein Videobeamer. Der nur 50 Quadratmeter große Kinosaal ist bunt beleuchtet. Was seit der Eröffnung im Lichtblick läuft, zeigen nur wenige Kinos der Stadt: "Wir bieten einen Mix aus Filmkunst, Retrospektive, Dokumentar- und Kurzfilm", sagt Torsten Frehse. Manche Filme sind schwer zu bekommen, manche gar nicht mehr im Angebot. "Wenn wir Retrospektiven im Programm haben, zeigen wir alle Filme eines Regisseurs und nicht nur die zwei besten, wie es manche andere Kinos tun." Im Vorjahr liefen Fassbinder, Bu uel und Pasolini.Reich werden die Macher mit diesem Programmangebot und Kartenpreisen von acht, ermäßigt sieben Mark nicht. Das würde auch gegen die politischen Prinzipien der Lichtblick-Gruppe verstoßen: keine Werbung vor Filmbeginn, keine staatliche Förderung, Konsensprinzip und Vetorecht statt hierarchischer Entscheidungen. Anfangs arbeiteten die zehn Kinomacher umsonst, seit zwei Jahren zahlen sie sich einheitliche Löhne aus. 12 Mark pro Stunde für den Abenddienst, der oft bis weit nach Mitternacht geht. "Wir sind ein Kollektiv und wollen beweisen, dass kollektives Arbeiten auch funktioniert", lautet ihr Grundsatz.Es scheint zu funktionieren: 8 000 Besucher kamen in der ersten Jahreshälfte 2000 ins Kino - dreißig Prozent mehr als im Vorjahr. Die Leser eines Stadtmagazins haben das Lichtblick-Kino 1999 zum "Besten Programmkino" gewählt.Anerkennung kam nun auch von staatlicher Seite: Im Oktober erhielten die Kino-Betreiber den mit 20 000 Mark dotierten Kinoprogrammpreis von Bundeskulturminister Michael Naumann. Liegt alles am engagierten Programm, meinen die Lichtblick-Leute. "Auf Dauer zahlt sich das eben aus", sagt Frehse.
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