Zeit fürs Kind

Miriam Müller
4 Min

Für viele Frauen ist es schwer, Kinder und Beruf zu vereinen. Dabei rechnet sich Familienfreundlichkeit für die Unternehmen - gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung in Deutschland. Betriebe können es sich zum Teil einfach nicht mehr leisten, auf junge und hoch qualifizierte Mütter zu verzichten."Es ist eine Trendwende zu beobachten", sagt Ute Brutzki, verantwortlich für die Frauen-und Gleichstellungspolitik bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Vor allem in den Branchen Banken und Versicherungen sowie dem Einzel- und Fachhandel versuchen die Firmen ihre Mitarbeiter zu halten, wenn diese Nachwuchs haben.Gespräch mit dem Chef führenDamit die Gründung einer Familie nicht in die Karrierefalle führt, kommt es nach Angaben von Ute Brutzki auf drei Erleichterungen für Frauen an: "Vor und während der Schwangerschaft sollten mit dem Chef und der Personalabteilung Strategien besprochen werden, wie man während des Mutterschaftsurlaubes oder der Elternzeit weiter in die betrieblichen Abläufe eingebunden bleibt. So kann die Mutter durchaus Urlaubsvertretungen übernehmen oder an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen", erklärt Ute Brutzki. Wenn die Mitarbeiterin vor ihrer Schwangerschaft beispielsweise im Betriebsrat tätig war, könne sie auch während ihrer Elternzeit an Sitzungen teilnehmen, so die Verdi-Vertreterin. Auch beteiligten sich schon viele Unternehmen an der Kinderbetreuung, indem sie zum Beispiel Kindergarten-Kontingente für die Eltern kaufen.Ute Brutzki gibt jungen Müttern einen dringenden Rat: "So schnell wie möglich wieder zurück in den Beruf kommen." Denn bei mehrjähriger Auszeit drohen selbst hoch qualifizierte Frauen gerade in innovativen Branchen, dass sie den Anschluss verlieren.Nach Ansicht der Präsidentin des Frauennetzwerkes Business and professional Women Club Deutschland, Bettina Schleicher, reichen die Anstrengungen der Politik aber bei Weitem nicht aus: "Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Job und Kinder sind noch viel zu schlecht. Dabei spielen sie eine Schlüsselrolle, damit die Geburtenrate wieder steigt." Es müsse für Frauen endlich möglich sein, die Betreuung von Geburt an abzusichern, so Schleicher. Die Unternehmen sind nach Ansicht der Verbandspräsidentin durchaus flexibler geworden, aber die Bundesregierung betreibt eine Familienpolitik, die längst nicht mehr zum hoch entwickelten Standort Deutschland passt. Neben den finanziellen Anreizen wie dem Elterngeld und mehr Betreuungsplätzen braucht es das Engagement der Arbeitgeber: Dem Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie" des Bundesfamilienministeriums und des Deutschen Industrie-und Handelskammertages gehören rund 850 Unternehmen an. Die Webseite der Initiative ist ein guter Job-Kompass für Mütter und Frauen mit Kinderwunsch.Gute Beispiele gibt es in allen Bundesländern. In Berlin etwa bietet das Medienunternehmen Landau Media AG seinen Mitarbeitern, von denen nach Konzernangaben 70 Prozent Frauen sind, Teil- und Gleitzeit und einen monatlichen festen Kita-Zuschuss von 50 Euro. Und der Arzneimittel-Hersteller Berlin Chemie unterstützt die Kinderbetreuung etwa durch die Vermittlung von Senioren-Nannys.Auch außerhalb des Unternehmensnetzwerkes gibt es positive Beispiele, wie sich Beruf und Familie miteinander verbinden lassen: In dem Architekturbüro Dan Pearlman beispielsweise sind in dem 25-köpfigen Team momentan drei Mitarbeiterinnen schwanger, darunter auch die Geschäftsführerin Nicole Srock-Stanley. "Wir bieten allen ein Höchstmaß an Flexibilität", sagt die 37-Jährige, die schon eine vier Jahre alte Tochter hat. Selten müssen junge Mütter und Väter nach 18 Uhr arbeiten, in Notfällen können die Mitarbeiter an den Projekten auch von zu Hause aus arbeiten.------------------------------ARBEITSVERBOTMutterschutz: In den ersten acht Wochen nach der Geburt des Kindes gilt der Mutterschutz und damit gleichzeitig ein absolutes Beschäftigungsverbot für die Mutter.Elternzeit: Nach dem Gesetz können Frauen und Männer bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes Elternzeit nehmen. Jeder Elternteil kann seine Elternzeit in zwei Zeitabschnitte aufteilen. Bis zu zwölf Monate der Elternzeit können bis zum achten Geburtstag des Kindes aufgeschoben werden. Der Arbeitgeber muss aber zustimmen.Unterrichtung: Der Arbeitgeber muss spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit schriftlich unterrichtet werden. Das Bundesfamilienministerium empfiehlt, sich die Anmeldung bestätigen zu lassen.Weitere Informationen sind in dem Ratgeber "Schwanger! Und was mache ich mit meinem Job?" zu finden: www.bmfsfj.de/bmfsfj/static/broschueren/erziehungsgeld/elternzeit.htmVielen Frauen fällt es schwer, Karriere und Familie zu verbinden. Manche Unternehmen bieten daher Betreuungsplätze an, damit Beruf und Erziehung vereinbar werden

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