Zeltplatz soll zu moderner Badestelle ausgebaut werden / Ultimatum der Gemeinde endet heute

Camper bleiben trotz drohender Zwangsräumung

Elke Kaldasch
3 Min

Heute läuft für die Dauercamper auf dem Zeltplatz am Stolzenhagener See die vierwöchige Frist des Amtes Wandlitz ab, das vier Hektar große Areal freiwillig zu räumen. Das ultimative Ansinnen ist von den Betroffenen mehrfach zurückgewiesen worden. Für den Fall der Nichträumung hat das Amt die Zwangsräumung angekündigt.Anlaß für die Auseinandersetzung, bei der die Fronten mittlerweile völlig verhärtet sind, ist der geplante Ausbau des Zeltplatzes. Die Gemeinde als Eigentümerin will das Gelände zwischen dem Stolzenhagener und dem Wandlitzer See für 2,5 Millionen Mark zu einer modernen Badestelle mit Bootsverleih, Gaststätte und Parkflächen ausbauen. Am 15. März wurde den bisherigen Zeltplatznutzern gekündigt die hatten allerdings bereits im vorigen Jahr ihre Pacht in Höhe von rund 2 000 Mark für 1999 bezahlt. Camper in Unkenntnis gelassenDie Zelturlauber haben unterdessen den Berliner Rechtsanwalt Dietrich Maskow mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt. Nach seiner Auffassung entbehrt eine Zwangsräumung jeglicher Rechtsgrundlage. Er spricht sogar von einem "sittenwidrigen und schadensersatzpflichtigen Verhalten" der Gemeinde. Die Camper seien in Unkenntnis darüber gelassen worden, daß der Vertrag mit dem damaligen Betreiber nicht verlängert werde. "Im Gegenteil, die Camper wurden beruhigt. Ihnen wurde zugeraten, die Pacht für 1999 zu bezahlen", sagt Maskow.Trotz der widrigen Umstände hat die Saison am Stolzenhagner See begonnen. Die rund 140 Familien harren ohne Strom, ohne Wasser, ohne Müll- und Fäkalienabfuhr aus und hoffen auf einen einvernehmlichen Kompromiß mit der Gemeinde für dieses Jahr. "Ich habe mir eine Tasche voll Kerzen mitgebracht. Geheizt und gekocht wird mit Propangas", sagt die Berlinerin Birgit Stache, die seit 1996 gemeinsam mit ihrer Familie jedes Wochenende und den Urlaub hier verbringt. Auf dem Platz sind Spruchbänder und Plakate mit Aufschriften wie "Wir brauchen die Natur!" oder "Hier ist unser Mallorca!" angebracht. "Wir würden Baumaßnahmen durch unsere Mobilität innerhalb des Campingplatzes unterstützen", sagt Roswitha Labs, Vorstandsmitglied des Vereins "Stolzenhagener Campingfreunde e. V.". Rückendeckung erhält der Verein vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) und vom PDS-Landtagsabgeordneten Ralf Christoffers, der sich bislang vergeblich um eine Vermittlung zwischen Amt und Campern bemüht. Anfang der Woche wandte sich der Campingverein mit einem Brief an die Einwohner und Geschäftsleute von Stolzenhagen und bat um Unterstützung. "Wir können nicht glauben, daß uns die Stolzenhagener nicht wollen", sagt Christine Anders, eine Camperin.Ein Sinneswandel der Stolzenhagener Gemeindevertreter ist nicht in Sicht. "Wir gehen von einer ungenehmigten Nutzung des Campingplatzes aus", sagt Amtsdirektor Reinhold Dellmann. Sein Problem ist, daß weder Namen noch Adressen der Camper bekannt sind, so daß eine Räumungsklage derzeit nicht zustellbar ist. "Der politische Wille der Gemeinde ist eindeutig. Das Areal soll auch künftig touristisch genutzt werden, jedoch nicht ausschließlich als Dauercampingplatz." 100 000 Mark will Stolzenhagen noch in diesem Jahr für die Planung ausgeben. Dellmann fordert bereits jetzt sofortige Baufreiheit. Auf der Sitzung der Stolzenhagener Gemeindevertreter gestern abend stand eine mögliche Aussetzung der Räumung nicht zur Debatte, wie der ehrenamtliche Bürgermeister Falk Hennersdorf sagte. "Wir haben aber Hinweise dafür, daß einige Dauercamper den Platz bereits verlassen haben und neue Camper hier ihr Domizil aufschlagen. Die Gemeinde hat Angst vor der Entwicklung", so Hennersdorf. Das "Feriencenter Stolzenhagener See" wird seit Jahrzehnten vorrangig von Dauercampern genutzt. Dem letzten Betreiber Olaf K. war auf Beschluß der Gemeindevertretung am 11. März 1999 der Vertrag wegen nicht gezahlter Pacht nicht mehr verlängert worden. Olaf K. wurde am 26. März tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Von den gezahlten Geldern der Zelturlauber fehlt jede Spur.

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