Zensur im West-Berliner Ausgehviertel? Es geht um ein Bild, auf dem ein Mann mit erigiertem Penis einer Frau an die Brust fasst. Auf einem anderen Bild haben Mann und Frau miteinander Sex. Der Künstler Wilhelm Peters (61) hat sie gemalt und sie in das Schaufenster seines Ateliers am Savignyplatz gehängt. Das Amt verbot den künstlerischen Aushang. Peters musste alle kritischen Stellen abdecken – und ist entsetzt.
Er fühlt sich in seinen persönlichen Rechten beschnitten und hilflos, sieht die Kunstfreiheit verletzt. Der Maler Wilhelm Peters, der in der Bleibtreustraße am Savignyplatz seit 15 Jahre sein Atelier hat, wendet sich nun an die Öffentlichkeit, weil er nicht mehr weiter weiß.
Das war passiert: Der Künstler hat im vergangenen Jahr zwei Aktbilder ausgestellt, beide zeigen sexuelle Handlungen und haben die recht eindeutigen Titel „Offene Begegnung. Silvesterübergriff“ und „familienwirksame Leistung.“ Wilhelm Peters blickt zurück: „Ich habe viel Lob bekommen, sogar von Familien mit Kindern.“
Der Maler Wilhelm Peters wurde anonym angezeigt.
© Gerd Engelsmann
Aber dann wurde erst sein Schaufenster mit Joghurt beschmiert, anschließend kamen nach seiner Aussage zwei Leute von Ordnungsamt. Sie kamen einmal und ein zweites Mal. Beim dritten Mal sei ein Mann vom Ordnungsamt erschienen und habe ihm ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen „Grob anstößiger und belästigender Handlung“ angedroht. Die Begründung: Jemand habe sich beschwert. Nach langem Hin- und Her deckte Peters die Geschlechtsteile auf den Malereien mit Malläppchen ab. Jetzt hängen die Bilder wieder im Fenster – aber zensiert.
Peters sagt: „Ich habe mein Geld immer selbst verdient. Jetzt fällt man mir in den Rücken. Das Land der Dichter und Denker – kannst du doch vergessen!“ Das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf bestätigt seine Darstellung, glaubt, die Bilder seien an der Grenze zur Pornografie. Es gab Beschwerden. „Wo Menschen sich gestört fühlen, können die Grenzen der Kunstfreiheit überschritten werden“, so Stadtrat Arne Herz (CDU).
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