Zu Recht unbescheiden: Michael Flatley als "The Lord Of The Dance": Er ist seine Show wert

Er hat stahlblaue Augen, einen perfekten Körper, Sex-Appeal und sogar Talent. Er ist ausgestattet mit Sympathie, Ehrgeiz, Selbstbewußtsein und Exhibitionismus. Michael Flatley hat alles, was ein Star braucht. Michael Flatley ist ein Star.Der Tänzer, der sich mit 28 Anschlägen pro Sekunde schon ins "Guinnessbuch der Rekorde" steppte, ist seit einem Jahr weltweit mit seiner neuen Bühnenshow unterwegs. Der Erfolg liest sich etwa so: "Flatley hat für den irischen Tanz das gemacht, was Nurejew für das Ballett tat." (The Sunday Times) oder "Niemand widersteht dem hypnotischen Takt seiner fliegenden Füße." (The Guardian). Flatleys Produktion füllte im vergangenen Jahr in den USA und Kanada die größten Arenen. Anfang dieses Jahres umjubelte ihn das Londoner Publikum: 18(!)mal strömten jeweils 11 000 Zuschauer in die Wembley-Arena. Da dürfen die Berliner jetzt dankbar sein für drei Vorstellungen im ICC.Der Titel seines Programms steht für die gehörige Portion Unbescheidenheit, wie man sie von Stars erwartet. Mit "The Lord Of The Dance" ("Herr des Tanzes") meint Flatley niemanden anders als sich selbst. So ist auch das gesamte Spektakel auf den Meister ausgerichtet: Während die 38 Tänzerinnen und Tänzer durch gleiche Kleidung, gleiche Frisuren und uniforme Choreographie auf ein Ensemble reduziert werden, glänzt Flatley durch Soloauftritte in exzentrischen Kostümen. Gleich ist allen lediglich der Tanzstil, der durch extreme Beweglichkeit der Beine und einen starren Oberkörper geprägt ist. Das beschert den Damen und Herren recht kräftige Schenkelchen, tut der Bewunderung aber keinen Abbruch. Dieser steppend-stampfende Stil, der sich choreographisch zwischen Michael Jackson und Joaquin Cortés bewegt, ist sogar Gema-geschützt. Was nicht nur zeigt, daß irische Folklore in den 90er Jahren angekommen ist, sondern auch Michael Flatley. Der Herr des Tanzes ist auch ein Mann des Showgeschäfts.Seine "Lord"-Produktion ist eine wahre Unterhaltungsmaschine. Für das phantastische Bühnenbild, die Pyrotechnik und Lichteffekte hat er Jonthan Park und Patrick Woodroffe engagiert jenes Designerteam, das auch von den Rolling Stones, Pink Floyd, U2 oder Luciano Pavarotti gebucht wird.Flatley hat jedoch nicht nur in optische, sondern auch in akustische Effekte investiert: Damit die Stepeinlagen richtig wahrgenommen werden, sind neben, über und unter der Bühne Mikrophone angebracht. Das "Klacken der Killerhacken" ist dadurch gut hörbar, so daß sich die Musiker, die den Raum mit einem satten Sound füllen, nicht zurücknehmen müssen. Überhaupt sind die Musiker nur arbeitslos, wenn die zwei Geigerinnen die Bühne betreten. Cora Smyth und Maired Nesbitt sehen nicht nur äußerst attraktiv aus, sie spielen ebenso. Das Publikum rast, wenn sie sich ein musikalisches Saiten-Duell liefern. Nur die Sängerin Anne Buckley, die irische Balladen interpretiert, erreicht nicht das Niveau der lebhaften Show. Sie soll wohl in den Tanzpausen die hochgepeitschten Emotionen des Publikums herunterfahren, was sie tatsächlich auch tut zu gut.Ihre wehmütigen Lieder sind typisch irisch, vielleicht das irischste der ganzen Show. Aber reine Folklore, frei vom Entertainment-Anspruch, hat es schwer auf internationalen Bühnen. Dies muß auch der Grund sein, weshalb Michael Flatley den Rest seiner Show nach allen Regeln der amerikanischen Unterhaltungskunst konzipiert hat: mit Pomp, Amüsement, Happy-End. Und einem Helden.Michael Flatley ist einer. Steppt er auf die Bühne, ist es, als telegrafiere er an die Erde, endlich die Schwerkraft aufzuheben. Auch wenn er dieselben Kostüme tragen würde wie sein Ensemble, auch wenn er inmitten dieser leistungsstarken Tänzer steppen würde jeder Zuschauer in der letzten Reihe kann sehen, daß er der beste ist, der Held.Die Show ist eine große Inszenierung seiner Person. Und Flatley ist seine Show wert. Auch, wenn die Geschichte etwas zu kurz kommt: Eigentlich soll eine alte irische Legende dargestellt werden, wo die guten Kräfte gegen den Herrn der Finsternis kämpfen. Doch schnell ist das Geschichtchen erzählt und klar, wer den Guten tanzt und am Ende siegt. Halten wir es mit den Worten des Meisters: "The story is very simple, but the entertainment ist very high".Lord Of The Dance, Mo/Di mit Flatley, Mi mit Flatleys Zweitbesetzung und Originalensemble, ICC, 20 ...

BLZ
10 Min

Er hat stahlblaue Augen, einen perfekten Körper, Sex-Appeal und sogar Talent. Er ist ausgestattet mit Sympathie, Ehrgeiz, Selbstbewußtsein und Exhibitionismus. Michael Flatley hat alles, was ein Star braucht. Michael Flatley ist ein Star.Der Tänzer, der sich mit 28 Anschlägen pro Sekunde schon ins "Guinnessbuch der Rekorde" steppte, ist seit einem Jahr weltweit mit seiner neuen Bühnenshow unterwegs. Der Erfolg liest sich etwa so: "Flatley hat für den irischen Tanz das gemacht, was Nurejew für das Ballett tat." (The Sunday Times) oder "Niemand widersteht dem hypnotischen Takt seiner fliegenden Füße." (The Guardian). Flatleys Produktion füllte im vergangenen Jahr in den USA und Kanada die größten Arenen. Anfang dieses Jahres umjubelte ihn das Londoner Publikum: 18(!)mal strömten jeweils 11 000 Zuschauer in die Wembley-Arena. Da dürfen die Berliner jetzt dankbar sein für drei Vorstellungen im ICC.Der Titel seines Programms steht für die gehörige Portion Unbescheidenheit, wie man sie von Stars erwartet. Mit "The Lord Of The Dance" ("Herr des Tanzes") meint Flatley niemanden anders als sich selbst. So ist auch das gesamte Spektakel auf den Meister ausgerichtet: Während die 38 Tänzerinnen und Tänzer durch gleiche Kleidung, gleiche Frisuren und uniforme Choreographie auf ein Ensemble reduziert werden, glänzt Flatley durch Soloauftritte in exzentrischen Kostümen. Gleich ist allen lediglich der Tanzstil, der durch extreme Beweglichkeit der Beine und einen starren Oberkörper geprägt ist. Das beschert den Damen und Herren recht kräftige Schenkelchen, tut der Bewunderung aber keinen Abbruch. Dieser steppend-stampfende Stil, der sich choreographisch zwischen Michael Jackson und Joaquin Cortés bewegt, ist sogar Gema-geschützt. Was nicht nur zeigt, daß irische Folklore in den 90er Jahren angekommen ist, sondern auch Michael Flatley. Der Herr des Tanzes ist auch ein Mann des Showgeschäfts.Seine "Lord"-Produktion ist eine wahre Unterhaltungsmaschine. Für das phantastische Bühnenbild, die Pyrotechnik und Lichteffekte hat er Jonthan Park und Patrick Woodroffe engagiert jenes Designerteam, das auch von den Rolling Stones, Pink Floyd, U2 oder Luciano Pavarotti gebucht wird.Flatley hat jedoch nicht nur in optische, sondern auch in akustische Effekte investiert: Damit die Stepeinlagen richtig wahrgenommen werden, sind neben, über und unter der Bühne Mikrophone angebracht. Das "Klacken der Killerhacken" ist dadurch gut hörbar, so daß sich die Musiker, die den Raum mit einem satten Sound füllen, nicht zurücknehmen müssen. Überhaupt sind die Musiker nur arbeitslos, wenn die zwei Geigerinnen die Bühne betreten. Cora Smyth und Maired Nesbitt sehen nicht nur äußerst attraktiv aus, sie spielen ebenso. Das Publikum rast, wenn sie sich ein musikalisches Saiten-Duell liefern. Nur die Sängerin Anne Buckley, die irische Balladen interpretiert, erreicht nicht das Niveau der lebhaften Show. Sie soll wohl in den Tanzpausen die hochgepeitschten Emotionen des Publikums herunterfahren, was sie tatsächlich auch tut zu gut.Ihre wehmütigen Lieder sind typisch irisch, vielleicht das irischste der ganzen Show. Aber reine Folklore, frei vom Entertainment-Anspruch, hat es schwer auf internationalen Bühnen. Dies muß auch der Grund sein, weshalb Michael Flatley den Rest seiner Show nach allen Regeln der amerikanischen Unterhaltungskunst konzipiert hat: mit Pomp, Amüsement, Happy-End. Und einem Helden.Michael Flatley ist einer. Steppt er auf die Bühne, ist es, als telegrafiere er an die Erde, endlich die Schwerkraft aufzuheben. Auch wenn er dieselben Kostüme tragen würde wie sein Ensemble, auch wenn er inmitten dieser leistungsstarken Tänzer steppen würde jeder Zuschauer in der letzten Reihe kann sehen, daß er der beste ist, der Held.Die Show ist eine große Inszenierung seiner Person. Und Flatley ist seine Show wert. Auch, wenn die Geschichte etwas zu kurz kommt: Eigentlich soll eine alte irische Legende dargestellt werden, wo die guten Kräfte gegen den Herrn der Finsternis kämpfen. Doch schnell ist das Geschichtchen erzählt und klar, wer den Guten tanzt und am Ende siegt. Halten wir es mit den Worten des Meisters: "The story is very simple, but the entertainment ist very high".Lord Of The Dance, Mo/Di mit Flatley, Mi mit Flatleys Zweitbesetzung und Originalensemble, ICC, 20 Uhr.

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