Berlin hat rund 100 Kilometer Busspur. Und immer wieder dasselbe Problem: Autofahrer, die sie zuparken. Damit die großen Gelben zügig durchrollen können, beschäftigt die BVG 16 Busspurbetreuer. Jeden Tag pünktlich um 14 Uhr sorgen die Spur-Sheriffs an der Karl-Liebknecht-Straße dafür, dass die Piste frei ist.
Auf der Busspur, die auf Höhe der Marienkirche beginnt, besteht zwischen 7 und 9 und zwischen 14 und 19 Uhr Halteverbot. Als wir an diesem Mittwoch kurz vor zwei die 400 Meter bis zur S-Bahnbrücke am Alex ablaufen, stehen noch 20 Autos falsch. Viele Kennzeichen weisen auf Fahrer aus Polen und Brandenburg hin, aber auch genügend Berliner pfeifen auf das Halteverbot.
19.000 Verstöße auf Busspuren wurden 2015 angezeigt. Die Dunkelziffer ist naturgemäß weit höher.
Auf der stark befahrenen Karl-Liebknecht-Straße müssen Busse ausscheren.
© camcop media / Andreas Klug
An der Karl-Liebknecht-Straße fahren vier Buslinien im Minutentakt, 200er, 100er, TXL und M48. Wenn es hier im Berufsverkehr eng wird, stecken Hunderte Passagiere im Bus fest.
Spur-Sherriff Andy Fischer kennt die Taktung der Busse, er war selber bis 2015 auf der Strecke als Busfahrer unterwegs. Aus gesundheitlichen Gründen sitzt er nicht mehr hinterm Steuer, aber den Weg für die Kollegen frei machen, ist ebenso wichtig. Fischer, wie auch Kollege Roland Schiller, weiß genau, wie nervenaufreibend es ist, von der Busspur in den fließenden Verkehr zu wechseln. Von Verspätung bei Stau ganz zu schweigen.
„Die Fahrpläne rechnen mit der schnellen Busspur“
„Die Fahrpläne rechnen mit der schnellen Busspur“, sagt Fischer. Beide Männer wollen ihre richtigen Namen lieber nicht nennen, nicht alle Autofahrer haben Verständnis für ihren Job. Schließlich notieren die Spur-Sheriffs täglich Falschparker und informieren die Polizei. Dann kommt der Abschleppwagen und nimmt an der Karl-Liebknecht-Straße oder an der Schöneberger Hauptstraße, einem weiteren Schwerpunkt, täglich fünf bis zehn Autos mit.
Auch heute geben Fischer und Schiller 10 bis 12 Kennzeichen durch. Bis etwas passiert, das man getrost als Nullnummer bezeichnen kann.
Die Abschlepper haben alle Hände voll zu tun.
© camcop media / Andreas Klug
Zwischen die parkenden Autos hat sich ein Mercedes mit Diplomatenkennzeichen gestellt. Der Fahrer ist unbemerkt davon gehuscht. Und Andy Fischer entgleisen kurz die Gesichtszüge. Denn Diplomatenwagen – das heißt, der Abschlepper kann wieder umkehren. Nach Gerichtsstreitigkeiten mit Fahrern, die sich ungerecht behandelt fühlten, gilt eine interne Regel. Bei Nullnummer: Nullnummer. Wird der Diplomat wegen Immunität nicht abgeschleppt, kommen alle davon. Dass heute ein Glückstag ist, wissen die Falschparker nicht. Doch morgen sind die Spur-Sheriffs wieder unterwegs.
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