MARIENDORF/KARLSHORST. Die Zukunft der beiden Pferderennbahnen in Berlin steht wieder in den Sternen: Der Senat werde einer Änderung des Flächennutzungsplans für die Rennbahn Mariendorf nicht zustimmen, sagte gestern Petra Reetz, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Damit sind die Verkaufspläne des Berliner Trabrennvereins (BTV) für das Gelände nicht mehr realistisch. Der BTV wollte das vereinseigene Areal am Mariendorfer Damm an einen französischen Handelskonzern verkaufen. Mindestens 25 Millionen Euro aus dem Erlös wollte der Verein einsetzen, um die Rennbahn Karlshorst zu erwerben und zur modernsten Pferdesportanlage Europas auszubauen.Doch der Bezirk Tempelhof-Schöneberg widersetzte sich dem Projekt. Denn auf der Sportfläche in Mariendorf sollte großflächiger Einzelhandel angesiedelt werden. Weil der Bezirk ablehnte, den Flächennutzungsplan dementsprechend zu ändern, hatte sich der BTV an den Senat gewandt. Dieser sollte das Verfahren im gesamtstädtischen Interesse an sich ziehen: "Es geht um die Rettung des Pferdesports in Berlin", sagt BTV-Geschäftsführer Dimitros Vergos. Denn langfristig habe in der Stadt lediglich eine Rennbahn Überlebenschancen."Wir sehen keine Notwendigkeit, hier in die bezirklichen Belange einzugreifen", sagt die Strieder-Sprecherin. Weder für großflächigen Einzelhandel noch für Wohnbebauung gebe es Bedarf in Mariendorf. Das bringt den BTV jetzt in große Schwierigkeiten. Denn in Karlshorst läuft der Pachtvertrag mit dem Eigentümer der Rennbahn, der TLG Projektentwicklung Karlshorst GmbH, zum Jahresende aus. Das Unternehmen hat deshalb zum 31. Dezember bereits rund 40 Trainern und Pferdebesitzern mit etwa 200 Pferden die Ställe gekündigt.Der Rennbetrieb in Karlshorst solle auf jeden Fall weitergehen, sagt Jochen Reiter, der Geschäftsführer der TLG Projektentwicklung Karlshorst. Die Kündigung der Verträge sei "fristgemäß". Diese seien erforderlich gewesen, da derzeit mit dem BTV über die künftige Weiternutzung der Bahn verhandelt wird. Der Verein könne dabei Eigentümer oder wieder Pächter werden. Zudem seien etliche Stallnutzer mit Mietzahlungen im Rückstand. "Gebraucht wird eine Mieterklientel, die sich Ställe auf dem Gelände auch leisten kann", sagt Reiter.Für Dimitros Vergos ist das noch das geringste Problem. Denn der Verein hat seit Jahren mit Finanzproblemen zu kämpfen. Die Wettumsätze und die Besucherzahlen sind dramatisch eingebrochen. Im vergangenen Jahr gab es ein Minus von 1,1 Millionen Euro. 2003 wollte der BTV die Verluste bei 500 000 Euro stabilisieren. "Seit August sind die Umsätze wieder im Keller", sagt Vergos. Wahrscheinlich werde das Defizit 2003 zwischen 600 000 und 700 000 Euro betragen.Wird Mariendorf nicht verkauft, kommt für Vergos nur noch "eine kleine Lösung" infrage: Dann müsse gespart, die Zahl der Renntage verringert und Trainingszeiten gekürzt werden. "In Karlshorst könnten wir nur noch Rennen veranstalten, wenn die TLG einen neuen Pachtvertrag abschließt." Der müsse wie bisher eine Unterstützung durch das Unternehmen vorsehen: die Übernahme der BSR-Kosten und Geld für die Pflege der Anlage.Zwei Bahnen // Geschichte: In Karlshorst gab es 1884 die ersten Rennen, in Mariendorf gingen erstmals 1913 Traber an den Start.Der Verein: Nach dem Konkurs des Rennvereins Trabrennpark Karlshorst im Jahr 1999 betreibt seit dem 1. Juli 2000 der Berliner Trabrennverein (BTV) beide Bahnen. In diesem Jahr gab es in Mariendorf 57 Renntage, in Karlshorst 37. Noch vor zwei Jahren gab es in Mariendorf 81 Renntage, in Karlshorst 46.Finanzen: Die Wettumsätze sinken seit Jahren. 2001 lagen die Verluste des BTV bei 1,6 Millionen Euro, ein Jahr später betrugen sie trotz Sparkurs noch 1,1 Millionen Euro. In diesem Jahr werden sie voraussichtlich zwischen 600 000 und 700 000 Euro betragen. Der BTV hatte im August angekündigt, 2004 pleite zu sein, wenn ihm der Verkauf der Bahn in Mariendorf nicht gestattet werde.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Hofft auf bessere Tage für den Pferdesport: Joana Klein (17) aus Karlshorst, jüngste Amateurfahrerin Deutschlands.
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