Zukunft von Air Berlin

Was Reisende jetzt wissen müssen

Große Teile der insolventen Linie Air Berlin werden von Lufthansa übernommen.

Stefan Sauer
4 Min
Die Lufthansa (LH) hat angekündigt, viele der bisher von Air Berlin bedienten Verbindungen übernehmen zu wollen.

Die Lufthansa (LH) hat angekündigt, viele der bisher von Air Berlin bedienten Verbindungen übernehmen zu wollen.

© imago/Sven Simon

Klarheit hat dieser Donnerstag nur bedingt gebracht. Wohl erfuhr die Öffentlichkeit, was Luftfahrtexperten schon vor Wochen vorausgesagt haben. Große Teile der insolventen Linie Air Berlin – genauer: 81 von 134 Flugzeugen – werden von Lufthansa übernommen. Der Kaufpreis soll bei 1,5 Milliarden Euro liegen.

Viele und durchaus bedeutsame Fragen aber bleiben vorerst offen. Ob der britische Billigflieger Easyjet weitere 30 Maschinen der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft übernimmt, ob es nur 20 werden und ob ein Kaufvertrag mit den Briten überhaupt zustande kommt, ist zum Beispiel weiterhin unsicher. Vor allem für Kunden und Belegschaft von Air Berlin stellen sich bange Fragen. Wir versuchen, die wichtigsten zu beantworten.

Was passiert mit den bisherigen Air-Berlin-Strecken?

Die Lufthansa (LH) hat angekündigt, viele der bisher von Air Berlin bedienten Verbindungen übernehmen zu wollen. Dies soll sowohl für inländische Strecken, etwa zwischen Köln und München, als auch für Fernflüge gelten. So nimmt LH Flüge von Berlin nach New York, die bisher Air Berlin durchführte, vom 8. November an wieder auf.

Eine Übersicht aller Strecken, die LH weiter führt, liegt bisher zwar nicht vor. Allerdings liegt eine möglichst lückenlose Weiterführung des Flugbetriebs im ureigenen Interesse der Lufthansa, weil daran die wertvollen Start- und Landerechte (Slots) geknüpft sind, die die Kranichlinie von Air Berlin übernehmen möchte. Letztlich sind die Slots für Lufthansa zumindest ebenso wertvoll wie die Flugzeuge selbst. Ein stabiler Flugbetrieb ist laut LH-Vorstandschef Carsten Spohr gleichwohl erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Bleibt der Name Air Berlin?

Nein, Air Berlin wird vom 28. Oktober an den Flugbetrieb mit eigenen Flugnummern komplett einstellen. Die Flugzeuge werden dann zunächst als Dienstleister für die LH-Billigtochter Eurowings unterwegs sein und erst nach Zustimmung der Kartellbehörden komplett übernommen. Die nicht insolvente Air-Berlin-Tochter Niki ist Teil des Lufthansa-Deals und dürfte über kurz oder lang ebenfalls in Eurowings aufgehen. Der Flugplan von Niki bleibt bis auf weiteres unverändert in Kraft, die Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Was passiert mit Air-Berlin-Tickets?

Air-Berlin-Tickets für Flüge nach dem 27. Oktober werden ungültig. Nach Angaben der LH sind davon allein auf der Kurzstrecke rund 100.000 Flugtickets betroffen. Hinzu kommen etwa gleich viele Langstrecken-Tickets, die ebenfalls verfallen. Auf der Langstrecke wird der Air-Berlin-Flugbetrieb bereits am 15. Oktober eingestellt. Passagieren, die infolge dessen ohne gültige Ticket im Ausland festsitzen, will die LH Rückflugmöglichkeiten zu einem „fairen Preis“ anbieten – sofern Kapazitäten vorhanden sind.

Geld zurück erhalten zunächst nur Kunden, die nach dem Insolvenzantrag am 15. August gebucht haben: Ihre Zahlungen wurden auf einem Sonderkonto geparkt, um es vor Gläubigeransprüchen im Zuge des Insolvenzverfahrens zu schützen und so den Kunden eine Rückzahlung gewährleisten zu können. Tickets, die gebucht wurden, bevor der Insolvenzvertrag bei Gericht einging, begründen zwar Ansprüche auf Erstattung. Diese werden im Insolvenzverfahren aber kaum zum Zuge kommen, da andere Gläubiger Vorrang haben.

Was bedeutet die Entwicklung für Pauschalreisende, die eine Reise inklusive eines Air-Berlin-Flugs gebucht haben?

Sie sind fein raus: Für die Flüge haftet der Veranstalter, der sich also um Ersatz kümmern oder den Reisepreis erstatten muss. Reiseveranstalter buchen bereits seit einiger Zeit entsprechende Verbindungen um. Dies gilt auch für den Sommer 2018. Allerdings können sich die Flugzeiten durch die Umbuchungen ändern. Gehen den Kunden dadurch Urlaubstage verloren, können sie den Reisepreis anteilig mindern. Geht bei einer zehntägigen Reise zum Pauschalpreis von 1000 Euro ein Urlaubstag durch die Umbuchung verloren, erhält der Kunde 100 Euro zurück.

Was bedeutet der Verkauf für die Beschäftigten von Air Berlin?

Mit der Übernahme der 81 Jets werden auch 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Niki direkt vom LH-Konzern übernommen. Weitere 1500 Arbeitsplätze will die LH ausschreiben, auf die sich vornehmlich ehemalige Air-Berlin-Bedienstete bewerben dürften. Ob allerdings 80 Prozent der insgesamt 8000 Köpfe starken Air-Berlin-Belegschaft bei der LH unterkommen werden, wie Air Berlin jüngst andeutete, erscheint doch ziemlich unsicher. Belegschaftsvertreter und Gewerkschaften haben sich bereits für die Gründung einer Auffanggesellschaft ausgesprochen, um die Entlassungen abzufedern.

Werden die Preise für ein Flugticket steigen?

Durch die Übernahme wächst die Marktmacht der Lufthansa erheblich. Auf manchen Strecken hat sie mit Eurowings künftig sogar ein Monopol. Eine derart starke Stellung birgt normalerweise die Gefahr steigender Preise. Allerdings ist der internationale Wettbewerb im Flugverkehr extrem hart. Billigflieger wie Easyjet und Ryanair setzen den etablierten Fluglinien bereits seit Jahren mit Kampfpreisen beträchtlich zu. Insofern sind Preiserhöhungen der LH auf breiter Front nicht zu erwarten. Ob es allerdings zu weiter sinkenden Ticketpreisen kommt, wie Spohr am Donnerstag voraussagte, ist höchst ungewiss. Es dürfte sich bei Spohrs Äußerungen vor allem um den Versuch handeln, Bedenken der Wettbewerbsbehörden gegen die Übernahme zu zerstreuen.

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