Thomas Grafenberg, Berlin-BuckowMit Verwunderung las ich den Teil der Begründung von Herrn Holstein, "meine Kinder sollen Goethe, Schiller und Karl May lesen" und werden dann "wohl nie in den alten Büchern blättern".Dazu möchte ich nur sagen, daß jetzt schon die meisten Kinder und auch Erwachsene arge Probleme haben, in den Büchern vor 1945 zu lesen, da sie die Frakturschrift nicht beherrschen oder sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Die Bücher vor der Jahrundertwende sind ohne die Rechtschreibreform von etwa 1901 für viele ein Greuel, und doch sind es gerade diese, die interessant sind. Findet man dort doch die Originaltexte, insbesondere bei Autoren wie Karl May ein Muß, da alle seine Bücher nach seinem Tod stark bearbeitet worden sind.Wer kann heute noch Sütterlin lesen, mittelhochdeutsch verstehen oder den Balladen eines Walther von der Vogelweide lauschen?Nicht, daß die Rechtschreibreform der Weisheit letzter Schluß wäre, viel zuwenig ist getan. Aber der Ansatz ist da, und unsere Kinder werden es leichter haben. Nur wir Erwachsenen tun uns schwer, denn wir wollen uns nicht ändern.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de