Zum Tod des großen Soulsängers Solomon Burke

Ein König ist von uns gegangen

Jens Balzer
3 Min

Er war ein König, und er pflegte daran keinen Zweifel zu lassen. Bei seinen Konzerten ließ Solomon Burke sich stets auf einem rot-samtenen Thronsessel auf die Bühne tragen: zu allen Seiten heiter umringt von Hofstaat und Familienangehörigen, von einigen seiner einundzwanzig Kinder und - nach letzten Schätzungen - rund neunzig Enkel. Solomon Burke war der König des Soul, eine imposante Figur mit einem gewaltigen Körper und einer noch gewaltigeren Stimme: mit einem schmeichelnden, zart gurrenden Bariton, den niemand vergisst, der ihn jemals zum Lobpreis Gottes, der Liebe und des Lebens sich hat emporheben hören.1940 in Philadelphia geboren, sang Burke schon als Kind in der Kirchengemeinde seiner Familie. In den 1950ern tingelte er als "wonder boy preacher" durch die Gospelzelte der Südstaatengemeinden, doch seine ersten Platten floppten zunächst. Erst als er 1960 beim Label Atlantic unter Vertrag genommen wurde, gelang ihm mit "Just Out Of Reach" ein erster Hit. In den Radiohitparaden der USA avancierte er danach zu einem der ersten erfolgreichen Soulsänger überhaupt. Von seinen Songs aus den frühen 1960er-Jahren haben nicht nur die ersten Rolling-Stones-Alben gezehrt. Dass Gospel und Soul in dieser Zeit zum popmusikalischen Allgemeingut gerieten, ist wesentlich Solomon Burke zu verdanken.Doch je größer das Publikum wurde, das diese Musik erreichte, desto stärker verschwanden ihre kirchenmusikalischen Wurzeln in weltlicheren Stilen: im Motown- und Philly-Sound und dann später in HipHop und R 'n'B. Burke machte diese Entwicklung nicht mit, Anfang der 70er-Jahre verschwand er daher aus den Hitparaden. Dennoch spielte er auch in den folgenden Jahrzehnten unbeirrt ein Album nach dem anderen ein. Und wenn er nicht auf Schallplatte sang, war er eben in seiner Kirche "House of God for All People" in Los Angeles zu hören. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich seit den 80er-Jahren mit einem eigenen Bestattungsunternehmen.Im letzten Jahrzehnt entdeckte die Popwelt ihn dann plötzlich wieder. "Don't Give Up On Me" hieß das Comeback-Album, auf dem sich 2002 allerlei nachgeborene Fans vor dem Meister verneigten. Bob Dylan, Tom Waits, Elvis Costello schrieben Songs für Solomon Burke - und er sang sie so, wie sie nur Solomon Burke singen konnte: zärtlich, schmeichelnd, lebensfroh - und doch so verdammnisgewiss und gottesfürchtig, dass noch der Ungläubigste sich vor dieser Musik ganz klein vorkommen musste.Wer ihn danach noch einmal auf der Bühne erlebte - etwa im Jahr seines Comebacks im Spiegelzelt auf dem Berliner Schlossplatz -, der weiß, wie glücklich Solomon Burke über diesen zweiten Frühling gewesen ist. Eric Clapton schrieb ihm neue Songs; auf seinem 2008er-Album "Nashville" duettierte er mit Dolly Parton und Emmylou Harris.Gerade war er wieder auf Europa-Tournee, um seine neue Platte "Nothing's Impossible" vorzustellen. Morgen hätte er in Amsterdam auftreten wollen. Bei der Ankunft auf dem Flughafen dort ist Solomon Burke am Sonntag im Alter von 70 Jahren gestorben.------------------------------Foto: Solomon Burke (1940-2010)

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