Zwei Kaulsdorfer Kaufleute wegen Betruges angeklagt

Kohlenhändler betrogen ihre Kunden

Sabine Deckwerth
2 Min

Um das Vorstrafenregister von Rudolf H. zu verlesen, benötigte die Richterin fast genau so viel Zeit wie der Staatsanwalt zum Vortragen der Anklageschrift. Der 59-jährige Kaufmann hat schon gegen zahlreiche Paragraphen des Strafgesetzbuches verstoßen: Betrug, versuchter Betrug, Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit im Straßenverkehr, Amtsanmaßung, Steuerhinterziehung. Am Montag stand der Kohlenhändler zusammen mit einem 51-jährigen Geschäftspartner erneut wegen Betruges vor dem Landgericht. Beide sollen in den Jahren 1992 und 1993 über ihre Kohlenhandlung in Kaulsdorf mit gefälschten Quittungen ihren Kunden mehr Kohlen in Rechnung gestellt haben als sie tatsächlich geliefert hatten. Wurden beispielsweise 27 Tonnen Brennstoff bestellt, schütten sie nur 24 Tonnen ab. Zum vereinbarten Preis. Der Staatsanwalt listete 97 Einzelfälle auf. Binnen zwei Jahren soll so ein Schaden von mindestens 90 000 Mark entstanden sein. Beide Angeklagte sind geständig. Er hätte nicht gedacht, dass "die Sache mal rauskommt", sagte Rudolf H. Privat bereichert haben will er sich nicht. Das gesamte Geld sei in die Firma geflossen, sagte er. Sein Geschäftspartner fügte hinzu, sie hätten die Verluste wettmachen wollen, die ihnen beim Umladen der Kohlen entstanden seien. Urteil am DonnerstagBeide Angeklagten standen schon einmal im Mai 1996 wegen illegaler Geschäfte gemeinsam vor Gericht, weil sie kurz nach der Wende mehr als 2,5 Millionen Mark Fördergelder zu Unrecht vom Staat kassierten. Beide hatten subventionierte Kohle, die damals im Osten ausschließlich für Privathaushalte gedacht war, auch an Firmen geliefert, die Geschäfte aber beim Finanzamt als "privat" deklariert. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte beide Kohlenhändler damals wegen Betruges zu Bewährungsstrafen von zwölf und 22 Monaten. Das Urteil im gestrigen Prozess soll am Donnerstag fallen. (sd.)

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