Humboldt-Forum

Rechtsradikaler Spender? „Wir haben auf bürgerliche Reputation geachtet“

Das Humboldt-Forum steht wegen seines Umgangs mit einem fragwürdigen Großspender in der Kritik. Wie wurden Spender ausgewählt?

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Westseite des Humboldt-Forums mit der Kuppel über dem Eosanderportal. 

Westseite des Humboldt-Forums mit der Kuppel über dem Eosanderportal. 

© imago/Michael Kneffek

Bödeckers privates Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau

Texte und Aufsätze von Ehrhardt Bödecker und auch Interviews mit ihm finden sich unter anderem in der rechtsnationalen Zeitung Junge Freiheit. In diesen behauptete er den Recherchen Oswalts zufolge etwa, das „nationale Selbstbewusstsein Deutschlands“ werde durch die kritische Erinnerungspolitik untergraben, das Land leide unter einem angeblichen „talmudischen ‚Niemals vergessen‘“ der Juden, die Deutschen seien nach 1945 von den Alliierten einer nationalen „Gehirnwäsche“ unterzogen worden. Bödecker habe die Diskriminierung von Juden im Kaiserreich als Versuch verteidigt, ein „homogenes“ Deutschland zu erhalten. All dies sind fest etablierte Muster rechtsnationaler Argumentationen.

Seine Einstellung zur deutschen Geschichte offenbarte auch die zu Unrecht oft belächelte Ausstellung in Bödeckers privatem Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau, die seit 2001 ein radikal heroisierendes Bild des Militärstaats Preußen und des Kaiserreichs zeigte. Die Ausstellung ist allerdings seit 2013 umgestaltet worden, trotz der grundlegend anderen Perspektiven auf die Geschichte übrigens durchaus mit Zustimmung von Bödecker, wie das Museum der Berliner Zeitung bestätigte.

Dass das Schlossfassaden-Nachbau-Projekt gerade für konservative Nationalisten und Alt-Preußen-Fans auch politisch wichtig ist, war immer klar. Aber wie kam es zur Annahme der Spende von Bödecker? Wilhelm von Boddien, der nach Oswalts Recherchen 2001 und 2005 mit Bödecker zusammen publiziert hat, teilte der Berliner Zeitung im Telefongespräch mit: „Wir haben auf bürgerliche Reputation geachtet, nicht auf politische Einstellungen.“ Die bürgerliche Reputation des Chefs einer der größten Berliner Privatbanken habe nie jemand infrage gestellt. Die Form der Ehrung orientiere sich an der Höhe der Spenden.

In der Satzung von Boddiens Förderverein Berliner Schloss wird auf die Richtlinien für die Entgegennahme von Spenden in der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss verwiesen. Diese teilte nun der Berliner Zeitung mit, man habe bisher keine Kenntnisse über Bödeckers Engagement in „rechtsradikalen Kreisen“ gehabt. Allerdings stehe das Humboldt-Forum „gegen jede Form von Gewaltverharmlosung, Diskriminierung, Ausgrenzung oder Rassismus“. Auch wenn in ihm „ein breites Spektrum von Meinungen“ zu Wort kommen solle, sei eine Würdigung von Spendern nur denkbar, wenn deren Positionen nicht mit dem Grundgesetz in Konflikt kamen. Man werde also die Vorwürfe gegen Bödecker „prüfen und auf Basis dieser Bewertung“ weiter entscheiden.

Der Großspender und das Eosanderportal

Nach Angaben der Stiftung finanzierten Bödecker und seine Frau den Nachbau eines Teils des prachtvollen Eosanderportals; auf der Internet-Seite des Fördervereins Berliner Schloss wird generell von „Mitgliedern“ gesprochen, die die Kosten übernommen hätten. Im Detail geht es um die Kosten für die große „Kartusche“ im Zentrum des Portalschmucks. Das war und ist der politisch bedeutendste Teil dieses Portals: Erstmals entstand es um 1710, wurde in den 1840er-Jahren zugunsten des Baus der Schlosskapelle unter der triumphal hohen Kuppel zerstört, 1902 nach Plänen Otto Lessings für Wilhelm II. neu geschaffen.

Dieses 1950 zerstörte kaiserzeitliche Original verkündete den Ruhm der Hohenzollern als Königshaus, als Sieger über die Revolution von 1848 und als 1871 gekürtes deutsches Kaiserhaus. Im Katalog des Fördervereins ist noch eine deutlich abstrahierte Version abgebildet, entstanden ist aber die Kartusche in der ganzen Pracht von 1902 – offenkundig dank der Spende von Bödecker und seiner Frau.

Deren Schwiegertochter Elvira Tasbach wehrt sich in einem der Berliner Zeitung vorliegenden Leserbrief vehement gegen den Vorwurf, ihre Schwiegereltern seien Rechtsradikale gewesen. Ehrhardt Bödecker sei sicherlich „streitbar, oft polemisch, bisweilen auch unerträglich provokativ“ gewesen. Doch sei es charakteristisch für eine männerorientierte Debatte, dass Anneliese Bödecker als Stifterin ignoriert werde: Sie habe sich nämlich für Geflüchtete eingesetzt, 2015 dagegen protestiert, dass diese in Deutschland so ungastlich aufgenommen würden. „Eine gegen Kritik immunisierte, rechtsradikale, gar antisemitische Gesinnung“ habe keiner der beiden Bödeckers gehabt.

Der Förderverein Berliner Schloss sichert bisher jedem der insgesamt 40.000 Spender die Anonymität zu. Diese Regel wird nun mit Sicherheit neu debattiert werden müssen.

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