Iran-Krieg

Asien spürt es zuerst: Energiekrise treibt Lebensmittelpreise weltweit nach oben

Asien reagiert mit Notmaßnahmen, im Iran wird Nahrung für viele Familien unbezahlbar. Über Dünger und Transport könnten Folgen Deutschland später erreichen.

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Steigende Treibstoff- und Lebensmittelpreise belasten Millionen Menschen in Asien.

Steigende Treibstoff- und Lebensmittelpreise belasten Millionen Menschen in Asien.

© kyodo/dpa

Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs treffen Asien und den Iran nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) immer härter. Rund 8,8 Millionen Menschen in der Region Asien-Pazifik seien in Gefahr, in Armut abzurutschen, der Konflikt könne dort wirtschaftliche Verluste von 299 Milliarden Dollar verursachen, berichtete die Nachrichtenagentur AP an diesem Montag unter Berufung auf das UNDP.

Im Iran spitzt sich unterdessen die Versorgungslage zu. Lebensmittel seien auf den Märkten zwar noch verfügbar, doch viele Familien könnten sich Grundnahrungsmittel kaum noch leisten, berichtete der Sender Al Jazeera. „Die Preise steigen weiter, während die Gehälter gleich bleiben“, zitierte der Sender eine Bewohnerin aus Teheran. Als Gründe nennt der Bericht eine hohe Inflation, den Absturz der iranischen Währung sowie die Folgen des Krieges.

Asien reagiert mit Notmaßnahmen

Asiatische Regierungen hätten ihre Haushalte mit einem Ölpreis von rund 70 Dollar je Barrel kalkuliert, berichtete AP. Durch den Krieg sei der Preis für Brent-Rohöl zeitweise auf etwa 120 Dollar gestiegen. Indiens Premierminister Narendra Modi rief seine Bürger laut AP dazu auf, lokal einzukaufen und auf Auslandsreisen zu verzichten. Landwirte sollten den Düngereinsatz halbieren. Die Philippinen führten eine Vier-Tage-Woche ein, Thailand habe seine Preisobergrenze für Diesel weniger als einen Monat nach Kriegsbeginn aufgegeben.

„Länder mit den geringsten Möglichkeiten zu reagieren und Verbraucher, die sich höhere Preise am wenigsten leisten können, bekommen die Folgen als Erste zu spüren“, sagte Samantha Gross von der US-Denkfabrik Brookings Institution der AP. Henning Gloystein von der Beratungsfirma Eurasia Group bezeichnete Südostasien als derzeit „größten Schmerzpunkt“.

Düngerpreise treiben weltweite Lebensmittelkosten

Auch der globale Lebensmittelmarkt gerät unter Druck. Die Weltbank rechnet für das kommende Jahr mit einem Anstieg der Energiepreise um 24 Prozent und einem Plus von 31 Prozent bei Düngemitteln. Beim Stickstoffdünger Harnstoff, der mit hohem Erdgaseinsatz hergestellt wird, prognostiziert die Weltbank sogar einen Anstieg um 60 Prozent.

Die Welternährungsorganisation FAO erwartet, dass Landwirte wegen der hohen Düngerpreise und der Störungen rund um die Straße von Hormus ihre Anbauentscheidungen ändern. Bei Weizen rechnet die FAO bereits mit einer geringeren Anbaufläche. Nach Angaben des Forschungsinstituts IFPRI liefen 2024 bis zu 30 Prozent des weltweiten Düngerhandels und 27 Prozent des weltweit gehandelten Öls durch die Meerenge. Der FAO-Lebensmittelpreisindex, mit dem die UN-Ernährungsorganisation die Weltmarktpreise für wichtige Lebensmittelgruppen wie Getreide, Pflanzenöle, Milchprodukte, Fleisch und Zucker misst, stieg im April zum dritten Mal in Folge.

Auswirkungen auch in Deutschland möglich

Europa werde mit etwa vier Wochen Verzögerung ähnliche Auswirkungen spüren wie Asien, berichtete AP unter Berufung auf Fachleute. Für Verbraucher in Deutschland sei die Versorgungslage deutlich stabiler als im Iran, da viele Preise über Verträge und Lagerbestände nur verzögert weitergegeben würden. Steigen Energie, Transport und Dünger jedoch gleichzeitig, könne sich dies später auch auf deutsche Lebensmittelpreise auswirken.

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