Alhambra“ heißt das neue Violinkonzert von Peter Eötvös. Ausweglos erscheint der von musikalischen Klischees umstellte Assoziationsraum, über alle Maßen abgenutzt die musikalischen Formeln, die ihn besetzen. Aber der ungarische Komponist hat die Herausforderung angenommen und balanciert mit seinem Stück, einem Auftragswerk der Berliner Philharmoniker und des Granada-Festivals, raffiniert an der Grenze zur Gefälligkeit, ohne sie zu übertreten.
Die bekannten Topoi der spanisch-maurischen Musik kommen alle vor, die harten Flamenco-Rhythmen, die ausdrucksvollen chromatischen Verzierungen, die auf einer Tonhöhe lauernd pendelnden Ostinati. Aber Eötvös’ fein gewebte Partitur bricht sie im Detail. Durch seltsam surreale Klangmischungen, vor allem zwischen Melodie-Instrumenten und teilweise exotischem Schlagzeug, durch Ausdünnung, durch eine Präzision, in der Verinnerlichung und geistige Distanz genau kalkuliert sind.
Der Solovioline wird grundsätzlich sehr viel Raum gegeben. Ein lyrisch getönter Anfangsmonolog erscheint in Varianten immer wieder und verbindet die unterschiedlichen Episoden, die der Komponist als eine Art Rundgang durch die Architektur der Alhambra versteht. Die Violine gelangt dabei in fast schon schwelgerische Zwiegesänge mit der Klarinette oder spiegelnden Soloviolinen aus dem Orchester. Andererseits hat sie sich auch mit einer Art Klangschatten herumzuschlagen, einer leicht verstimmten Mandoline, deren Rhythmen sich ausgeklügelt mit denen der Solostimme verhaken, mal eigenwillig, mal folgsam, eine Art Sancho Pansa.
„Alhambra“ ist bereits das dritte Violinkonzert des Komponisten. Es scheint direkt die besonderen Qualitäten des Spiels von Isabelle Faust aufzugreifen, die feinen Nuancen des Tons, eine kammermusikalisch geschulte Reaktionsfähigkeit, die stets ins Ganze eingebundene Expressivität. Zusammen mit den Philharmonikern und Eötvös als Dirigent war dies eine Uraufführung von exemplarischer Genauigkeit.
Außerdem Xenaki und Varèse
Klarheit und Plastizität der Klangvorstellung und der musikalischen Gestik prägten auch die Interpretationen der folgenden Orchesterwerke. Ein großer Spannungsbogen entwickelte sich aus den Glissandi, Clustern und pulsierenden Klängen in Iannis Xenakis’ Streicherstück „Shaar“. Und die rund 140 Mitwirkenden, darunter allein 16 Schlagzeuger, in „Amériques“ von Edgard Varèse, ließen zwar auch die schiere Klanggewalt dieser Besetzung fühlbar werden, aber diese erschien gebunden an die Vorstellung eines in subtil gezeichneten Sphären zusammenschwingenden Universums, in dem noch der Klang einer einzelnen Flöte seine Bedeutung besitzt.
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