Es ist schon ein kleines Wunder, dass der Iran nun endlich einem strikten Abkommen zur Begrenzung seines Atomprogramms zustimmt. Immerhin muss das Land erhebliche Zugeständnisse machen und sich strengen Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde unterwerfen. Andererseits darf Iran damit rechnen, dass die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden. Das wird dem Land Milliarden Dollar an Einnahmen bescheren, was angesichts der verheerenden ökonomischen Lage sicher das wichtigste Argument gewesen ist, sich auf das Abkommen einzulassen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Vereinbarung kritisierten erwartungsgemäß Israelis, Saudis und die rechten Republikaner im US-Kongress die vereinbarten Regelungen – obwohl zahlreiche Details noch gar nicht bekannt sind. Im Gegenzug werben vor allem die Deutschen und die USA für das Abkommen.

So schreibt Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einem Gastbeitrag für die FAZ: „Auch in den schwierigsten Konflikten sind politische Verhandlungslösungen möglich. Unser Einsatz für Abrüstung und gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ist aller Mühen wert und hat in Lausanne einen wichtigen Erfolg erzielt. Dabei war die Ausgangslage alles andere als gut: Chancen für die Diplomatie bieten sich in der von Krisen und Krieg geplagten Region des Nahen und Mittleren Ostens in diesen Tagen wahrlich nicht oft. Die Verhandlungen mit Iran liefen bereits mehr als ein Jahrzehnt ohne greifbare Erfolge. Dass es uns gelingen kann, in den tage- und nächtelangen Verhandlungen der E3+3-Staaten mit Iran in Lausanne den seit mehr als zwölf Jahren schwelenden Konflikt um das iranische Atomprogramm friedlich zu lösen, kann man in seiner Bedeutung für die Region und darüber hinaus gar nicht hoch genug einschätzen.“

In einem Gespräch mit Thomas Friedman von der New York Times formuliert US-Präsident Barack Obama eine Doktrin, die für seine Politik gegenüber Kuba, Birma oder eben auch Iran gilt.

Amerika könne aufgrund seiner Macht kalkulierte Risiken in seiner Außenpolitik eingehen. Das schienen jedoch viele nicht zu verstehen: „Nehmen wir einmal das Beispiel Kuba. Wenn wir unsere Beziehungen zu dem Land verbessern, kann das für die Menschen dort sehr positiv sein. Und für uns ist es nicht riskant. Kuba ist ein kleines Land, das uns nicht bedroht. Wenn diese Annäherung zu keinem guten Ergebnis führt, passen wir unsere Politik entsprechend an. Das gleiche machen wir mit dem Iran – einem größeren Land, einem gefährlichen Land, dessen Handlungen dazu beigetragen haben, dass US-Bürger gestorben sind. Doch die Wahrheit ist: Iran gibt 30 Milliarden im Jahr für sein Militär aus, wir fast 600 Milliarden. Iran weiß, dass es uns nicht bekämpfen kann. (...) Meine Doktrin ist: Wir engagieren uns, wahren aber alle unsere Möglichkeiten.“ Deshalb werde man so oder so verhindern, dass Iran eine Atombombe bekommt. Das habe er stets klar gemacht.