Wien - Der Iran hat seine Uran-Anreicherung gedrosselt und damit das vorläufige Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Kraft gesetzt. Die Veredlung auf mehr als fünf Prozent sei am Montag gestoppt worden, heißt es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Außerdem werde bereits auf 20 Prozent angereichertes Uran wieder verdünnt. Derart konzentriertes Material ist unter bestimmten technischen Voraussetzungen zum Bau von Atomwaffen geeignet. Als Gegenleistung sieht das Abkommen in einem nächsten Schritt vor, dass der Westen einen Teil seiner Wirtschaftssanktionen lockert. Darüber wollen unter anderem die EU-Außenminister noch am Montag beraten. Die Nachricht vom Inkrafttreten des Atomabkommens und die Aussichten auf Lockerung der Öl-Sanktionen sorgten auf den internationalen Märkten für fallende Ölpreise.

Iran hofft auf rasche Lockerung der Sanktionen

Inspektoren der IAEA waren am Wochenende in die Islamische Republik gereist, um die Einhaltung des Abkommens zu überprüfen. Sie sollen auch die Atomanlagen besuchen. In dem Bericht bestätigen die Inspektoren, dass die Hochanreicherung von Uran in den Anlagen Natanz und Fordow gestoppt wurde.

Die dortigen Anreicherungskaskaden bestehen aus einem Netz von Zentrifugen zur Uranbearbeitung. Seit Anfang 2010 reichert der Iran dort Uran auf einen 20-prozentigen Anteil des spaltbaren U-235-Isotops an. Dies hatte im Westen Sorgen ausgelöst, der Iran arbeite unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Kernenergie am Bau einer Atombombe. Der Iran bestreitet dies und hat erklärt, sein Programm diene lediglich zivilen Zwecken.

In dem im November vereinbarten vorläufigen Abkommen verpflichtet sich der Iran zudem, während der sechsmonatigen Laufzeit der Vereinbarung auf dem Bau weiterer Anreicherungsanlagen zu verzichten. In der Zeit soll eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Der Iran stoppe auch Arbeiten an seinem im Bau befindlichen Schwerwasserreaktor Arak, heißt es im IAEA-Bericht. Dort könnte als Alternative zu hochangereichertem Uran Plutonium hergestellt werden.

Im Gegenzug zur Einschränkung des iranischen Atomprogramms sollen die internationalen Sanktionen etwas abgeschwächt werden. Das finanzielle Volumen dieser Zusage umfasst nach US-Schätzungen rund sieben Milliarden Dollar. 4,2 Milliarden davon würden sich aus der Freigabe iranischer Auslandsguthaben ergeben.

Der größte Teil der Sanktionen bleibt allerdings in Kraft, und die USA verwiesen darauf, dass die Lockerungen jederzeit zurückgenommen werden könnten. Sie warnten daher vor Versuchen, die Sanktionen zu unterlaufen. Die Wirtschaft des Iran leidet schwer unter den Auswirkungen der Strafmaßnahmen.

Über eine Lockerung der Sanktionen wollten am Nachmittag die EU-Außenminister in Brüssel beraten. Deren Außenbeauftragte Catherine Ashton führt für die sechs Weltmächte die Verhandlungen mit dem Iran.
Ermöglicht wurde die Vereinbarung durch die Wahl des gemäßigten Hassan Ruhani zum iranischen Präsidenten im vergangenen Jahr. Er beendete Jahre der Konfrontation und feindseliger Rhetorik mit dem Westen. Israel, von dem angenommen wird, dass es als einziges Land im Nahen Osten über Atomwaffen verfügt, hat das vorläufige Abkommen als historischen Fehler kritisiert. Der jüdische Staat sieht seine Existenz bedroht. (Reuters)