Nach jahrelangem Streit um das iranische Atomprogramm deutet sich jetzt eine Lösung des Konfliktes an. Am Freitag arbeiteten die Vertreter der Weltmächte und Irans an einem Fahrplan. Im Laufe des Freitag waren überraschend die Außenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens und Chinas nach Genf gereist, um sich in die Verhandlungen einzuschalten.

US-Außenminister John Kerry sagte, es werde hart an einer Übereinkunft gearbeitet. Am Freitagabend wurde bekannt, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow nun am Samstag doch zu offensichtlich verlängerten Verhandlungen nach Genf fliegen will.

Am Freitagnachmittag hieß es, Teheran sei bereit, Teile seines Atomprogramms auszusetzen. Im Gegenzug sollen einige der Wirtschaftssanktionen, die den Iran schwer belasten, gelockert oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden. Eine für Montag angekündigte Reise des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, in den Iran wurde als positives Signal gewertet.

„Wir haben eine delikate und sehr komplizierte Phase erreicht und müssen nun das schriftliche Abkommen vorbereiten“, sagte Irans Vizeaußenminister Abbas Araghchi. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, es gebe Bewegung, aber es sei „noch ein Weg zu gehen“.

Schon beim Treffen im Oktober sollen die Iraner ein weitreichendes Kompromissangebot vorgelegt haben. Insider sagten damals langwierige Verhandlungen voraus. Eine Einigung, wie sie sich am Freitag in Genf abzeichnete, käme einer Sensation gleich: Seit über zehn Jahren schwelt der Atomstreit. Der Iran wird verdächtigt, nicht nur sein ziviles Nuklearprogramm auszubauen, sondern insgeheim eine Atombombe entwickeln zu wollen. Teheran muss und will offenbar beweisen, dass das Land tatsächlich nur eine zivile Nutzung anstrebt, und der Westen nutzt diese Chance.

Parallel zu diesem Prozess hat Irans Präsident Hassan Ruhani nach seinem Amtsantritt im August eine politische Kursänderung gegenüber den USA eingeleitet, US-Präsident Barack Obama hat sich dem nicht verschlossen. Zwischen beiden Ländern besteht seit der Islamischen Revolution 1979 eine tiefe Feindschaft; eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen gilt als Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Abmachung im Atomstreit.

Israels Premier Netanjahu äußerte sich ablehnend: Eine solche Vereinbarung sei ein monumentaler Fehler. Sein Land fühle sich nicht verpflichtet, sich an ein solches Abkommen zu halten. Von anderen Kritikern wie den Golfstaaten oder Ägypten gab es noch keine Reaktion. Die BBC-Sendung „Newsnight“ berichtete, Saudi-Arabien könnte sich mit Hilfe Pakistans umgehend nuklear bewaffnen. (mit dpa, AFP)