Es gab eine Zeit, da war es Rachel Brooker aus South Carolina egal, wer im November neuer Präsident ihres Heimatlandes USA werden würde. Denn eines war - und ist - ja definitiv: George W. Bush wird es nicht mehr sein. Zum Glück, dachte Rachel Brooker. Doch vor zwei Monaten reifte in der 30-Jährigen ein Gedanke. Was wäre, wenn sich auch nach der Wahl gar nicht so viel ändern würde, wenn also Bushs Nachfolger Bushs Politik fortsetzen würde? Heute sagt Rachel Brooker, die seit zwei Jahren in einer WG in Berlin-Friedrichshain lebt: "Hauptsache, es wird ein Demokrat."Damit das ein bisschen wahrscheinlicher wird, hat Rachel Brooker mit ein paar Freunden eine Diskussionsrunde mit Berliner Amerikanern auf die Beine gebracht. Heute Abend, am Super Tuesday, dem Tag der Vorwahlen in den USA (mehr dazu auf Seite 2), sollen Vorzüge und Nachteile der einzelnen Kandidaten diskutiert werden. Man möchte aufrütteln, politisches Wissen verbreiten, aktiv sein. "Worldvote" nennt sich dieses öffentliche Diskussionsforum. Es trifft sich heute Abend in der Bar "Wahlkreis".Die Bar eignet sich für solche Veranstaltungen. Hiesige Parteienvertreter treffen sich dort zu Hintergrundgesprächen mit Journalisten oder zu Kungelrunden beim Feierabendbier. Das Ambiente erinnert mit seinen Plakaten aus den vergangenen Jahrzehnten an ein Polit-Museum - ein bisschen vermieft und insgesamt wenig aufregend.Rachel Brooker aus South Carolina und Friedrichshain wird's egal sein. Sie hat ihre Wahl getroffen: Barack Obama. Als Tänzerin und Choreografin rackert sie sich vielfältig an den USA ab. Aktuell arbeitet sie an dem Solostück "Oh Beautiful: My Patriot Act", das sie dieses Jahr auf eine Bühne bringen will. Anschließend hofft sie auf eine Tournee, auch in die USA. Schließlich hat sie ihrer Heimat etwas zu sagen, auch wenn es böse klingt: "Mein Land betreibt eine imperialistische Außenpolitik, das muss anders werden." Viele Landsleute im Ausland seien ihrer Meinung. Doch anders als sonst wolle man das jetzt ganz offen sagen und zeigen. "Und heute ist dafür ein ganz wichtiger Tag."Das mit dem wichtigen Tag sieht Stephan Prystawik ähnlich, das mit der Außenpolitik nicht. Der Mann ist Generalsekretär der republikanischen Partei in Deutschland. Deren zentrale Primary-Veranstaltung findet ebenfalls im "Wahlkreis" in Mitte statt. Geplant ist eine Testabstimmung: McCain, Romney oder Huckabee - wen lieben Deutschlands Republikaner mehr? "Wir Republikaner wollen uns einfach zeigen und auf diese Art Freunde mobilisieren", sagt er. Zu diesen Freunden gehört die Junge Union. So hat etwa eine Abordnung der JU angekündigt, die amerikanischen Freunde durch die Berliner Super-Tuesday-Nacht zu begleiten. Und anschließend gucken alle CNN: Demokraten, Republikaner, Jungunionisten.Der Fernseher wird heute Abend auch im Wirtshaus Max und Moritz in der Oranienstraße in Kreuzberg heißlaufen, wo die Auslandsdemokraten sogar mitwählen wollen. "Seit vier, fünf Jahren sind die Amis regelmäßig zu einem Stammtisch bei uns", berichtet Wirt Michael Kuhlmann. Normalerweise gebe er keiner politischen Partei eine Plattform, hier mache er eine Ausnahme, so Kuhlmann. "Das sind schließlich Stammgäste." Die wollen sich ein Wahllokal mit Trennwänden, improvisierten Urnen und einigem Pipapo basteln, Wimpel und Plakate inklusive.So etwas spricht sich herum unter Berlins Exil-Amerikanern. So plant auch Irvin Collier einen Abstecher nach Kreuzberg. Der Professor am Institut für Nordamerikastudien der FU ("Ich bin Demokrat") lebt seit 14 Jahren in der Stadt. Nun ist der Professor gespannt, wie der Wahlabend im Max und Moritz abläuft. Er mag nicht sagen, wen er favorisiert. "Obama und Clinton haben beide ihre Stärken."Bar Wahlkreis: Reinhardtstr. 37, Mitte. Diskussion der Demokraten (19-22 Uhr). Treffen der Republikaner (ab 22.30 Uhr).Wirtshaus Max und Moritz: Oranienstr. 162, Kreuzberg. Wahl nur für Mitglieder der Demokraten.------------------------------Foto: "Es ist sehr wichtig, dass ein Demokrat neuer Präsident wird" - Rachel Brooker aus Friedrichshain, beziehungsweise South Carolina.