Um die Pandabärin Yan Yan, die vergangene Woche im Berliner Zoo starb, trauern nicht nur die Berliner, sondern auch die Chinesen. Schließlich ist der Panda ihr Nationalsymbol. Dass alle Welt den pummeligen Bambusfresser liebt, erfüllt sie mit dem Gefühl, diese Liebe gelte auch ihnen. Yan Yans Tod bedeutet daher einen schmerzhaften Verlust.In chinesischen Medien kursieren diverse Verschwörungstheorien für das plötzliche Ableben der Bärin. So wird spekuliert, die Deutschen hätten Yan Yan vorwiegend mit Schokolade und Bier gefüttert. Dass solche Ideen aufkommen, ist kein Wunder, denn Chinesen stellen sich einen deutschen Tierpark wahrscheinlich ähnlich vor wie einen chinesischen. Im Pekinger Zoo etwa leben die meisten Tiere nicht nur in trostlosen Waschbetonpferchen, sondern sind auch Freiwild für den Schabernack der Besucher. Diese füttern sie mit Zuckerwatte, Popcorn oder Würstchen, gießen ihnen Limonade ins Maul und werfen ihnen dann noch die leere Flasche in den Rachen. Obwohl auf großen Schildern "Füttern verboten!" steht, beschützt niemand die Tiere. So brauchten die Wärter des Pekinger Bärengeheges Monate, um herauszufinden, warum die Tiere an Verätzungen litten. Ein Student hatte deren Lernfähigkeit erforschen wollen. Regelmäßig schüttete er ihnen Schwefelsäure aufs Fell, um zu sehen, wann sie es sich verkneifen würden, ihre Wunden abzulecken und sich damit auch noch das Maul zu verätzen. Im Dezember machte auch der Zoo im nordchinesischen Fushun Schlagzeilen. Dort waren zwei Delfine sterbenskrank geworden, nachdem sie große Mengen Plastik vom Beckenrand abgeknabbert hatten. In einer von den Medien gefeierten Rettungsaktion rückte Bao Xishun, mit 2,36 Metern größter Mann der Welt, an, um den Tieren die Mägen auszuräumen. Die Frage, warum die Delfine in einem Becken aus Weichplastik lebten, ging im Spektakel unter.Der Theorie, dass Yan Yan einer Diät aus Süßigkeiten und Alkohol erlegen sei, dürften wohl trotzdem nur wenige Chinesen Glauben schenken. Verbreiteter ist dagegen der Vorwurf, die Deutschen hätten ihren Panda häufiger untersuchen lassen müssen. Von einem Arzt aus der Volksrepublik, versteht sich. Denn Pandas sind eben nur in zweiter Linie Bären. In erster Linie sind sie Chinesen.------------------------------Foto: Yan Yan lässt China trauern.