Eine Kombination aus Radreise, Badeurlaub und Kreuzfahrt "durch die Inselwelt des Mittelmeeres", preist der Konstanzer Veranstalter ZeitReisen auf seiner Internet-Seite Inselhuepfen.de an. "Während der Touren wohnen die Reisenden auf einem nostalgischen Motorsegler, der sie jeden Morgen nach dem Frühstück zu einer anderen Insel bringt." Da wird dann ein bisschen geradelt, "und am Abend wartet das Schiff schon im Hafen mit dem Abendessen, das der mitreisende Koch in der Kombüse aus einheimischen Zutaten nach mediterraner Art zubereitet hat". Eine Woche kombiniertes Inselhüpfen klingt gut. Es kommt noch besser."Wir gewähren auf unseren Reisen einen Journalistenrabatt von 100 Prozent", lockt die Firma im Internet. Kostet sonst eine Woche kombinierte Kreuzfahrt bis zu 890 Euro, segeln, radeln und baden Journalisten für lau, Vollpension nach mediterraner Art inklusive. Nur die Anreise ins kroatische Split muss selbst organisiert werden.Ganz so selbstlos ist das Entgegenkommen freilich nicht. "Um einen Journalistenplatz auf unseren Reisen zu bekommen, sollten Sie uns davon überzeugen, dass Sie eine Chance haben, in einem für uns interessanten Medium einen Bericht über diese Reise zu veröffentlichen." Mit derartigen Verlockungen, sie müssen ja nicht immer so ungeniert dargeboten werden, haben Journalisten hin und wieder zu kämpfen. Bootsfahrt auf der ThemseWobei die Bandbreite der unmoralischen Angebote enorm variiert. Als es den privaten Fernsehsendern noch so richtig gut ging und die gar nicht wussten, wie sie all ihr Geld ausgeben sollten, kam es vor, dass RTL Journalisten in mehreren Durchgängen nach London lud, weil der Sender zum ersten Mal Tennis aus Wimbledon übertrug. Von exklusiven Fahrten auf der Themse wird berichtet, mit dicken Teppichen auf dem Oberdeck und Kellnern, die Champagner reichten. Oder Ibiza. Damals stopfte Sat 1 Heerscharen von Journalisten in einen Airbus und flog sie zur Vorstellung des neuen Programms für ein paar Tage auf die Ferieninsel. Von einer Pressekonferenz im engeren Sinne konnte nur bedingt die Rede sein, wie dem satirischen Bericht der "tageszeitung" zu entnehmen war. Unter der Schlagzeile "Meine allererste Pauschalreise - Super! Alles war umsonst" hatte die Medienredakteurin eine Bilderfolge von Urlaubsfotos abgedruckt. Eine elegante Variante, die aber nicht immer funktioniert. Wenn beispielsweise Autoredakteure zur Präsentation eines neuen Modells von den Herstellern sonst wohin eingeladen werden, haben die Journalisten kaum eine Wahl. Entweder sie fliegen mit - oder sie haben eben keinen Testbericht vom neuen Wagen. Von den kleinen und großen Aufmerksamkeiten vor Ort muss ihre Berichterstattung dann nicht zwangsläufig beeinflusst sein. Um jedes Missverständnis auszuschließen, könnten natürlich sämtliche Kosten auch von den Redaktionen übernommen werden - das allerdings leisten sich angesichts sinkender Etats nur noch die wenigsten.Hans Leyendecker, der für den "Spiegel" oder die "Süddeutsche Zeitung" manchen Korruptionsskandal und Bestechungsversuch aufgedeckt hat, bestätigt diese Entwicklung. In einer Studie über "Korruption und Journalismus" berichtet er nicht nur von den eindeutigen Fällen, in denen Journalisten gegen üppiges Honorar für Wirtschaftsbosse Reden schreiben oder Moderatoren auf Firmenpartys das Unterhaltungsprogramm bestreiten. Er weiß auch von Vertretern dieser Zunft, die auf Einladung eines Schiffsunternehmens unterwegs waren, das Dinner an Bord zu Gunsten eines Stadtbummels ausließen, um anschließend der Firma eine "Rechnung aus einem der besten Restaurants mit einem exorbitanten Betrag" zu überreichen. Das Unternehmen habe bezahlt. Gleiches gilt für jenen Hersteller von Bad-Armaturen, an dessen Pressestelle Journalisten ihre Be-schwerden adressierten, weil zu Hause der Duschkopf tropft. Die neue Handbrause kam prompt. Und kostenlos.In eine ähnliche Kategorie fällt das Verhalten von Rolf Töpperwien. Der ZDF-Sportreporter geriet in die Schlagzeilen, als er eine Bordell-Rechnung von knapp 4 000 Mark nicht zahlen wollte und sich beschwerte - auf einem Briefbogen der ZDF-Chefredaktion. Später trat derselbe Mann als Ansager im CDU-Wahlkampf auf, wofür er 15 000 Mark kassiert haben soll. Dagegen war die Werbung für den Werder Bremen-Sponsor am Jackett, mit der Töpperwien im "Sportstudio" erschien, schon fast dezent. Um in Versuchung zu geraten, muss man kein bekannter Sportreporter sein. Jeder Reise- und Autoredakteur könnte die eine oder andere Geschichte beisteuern. Wenn es auf Weihnachten zugeht, ähneln nicht nur Wirtschaftsressorts einer Weinhandlung - selbst in rezessiven Zeiten wie diesen. Und das ist nur der sichtbare Ausdruck der einen oder anderen Gefälligkeit. Der nicht so augenscheinliche Teil, die Privilegien für Journalisten, sind im Internet fein säuberlich aufgelistet. Auf Seiten, die journalistenrabatt.de heißen, presserabatte.de oder pressekonditionen.de, kann auch der letzte noch rechtschaffene Inhaber eines Presseausweises zum gnadenlosen Schnäppchenjäger werden. Hier gibt es nichts, was es nicht billiger gibt, wahlweise sortiert nach Anbietern oder Rubriken. Von Ayurvedischen Produkten, minus zehn Prozent, bis zum Zoologischen Garten in Berlin, der bei Vorlage des Presseausweises freien Eintritt verschafft. Von Autos, 15 Prozent weniger ist durchaus üblich, bis Unterhaltung und Sonstiges in Form von Matratzen oder Microfasertüchern der Firma Böhringer. Air Berlin fliegt auch Großfamilien zum halben Preis, wenn wenigstens einer einen Presseausweis vorzeigen kann. Nur nach Split fliegt Air Berlin leider nicht. Man sollte sich beschweren.