Die Praktikantin mit Hochschulabschluss organisierte in der Fachabteilung eines Verlags Konferenzen und Workshops -ein halbes Jahr lang. Andere Bereiche des Unternehmens bekam sie nicht zu Gesicht. Sie erhielt dafür 375 Euro pro Monat. Sittenwidrig wenig, urteilte das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Az. 5 Sa 45/07). Nicht der Ausbildungszweck habe hier im Vordergrund gestanden, das Praktikum sei stattdessen ein ganz normales Arbeitsverhältnis gewesen. Der Verlag musste der 26-Jährigen 7000 Euro Lohn nachzahlen. Auch wenn ein Praktikant wochenlang zwölf Stunden täglich Lkw fährt, lernt er nicht bloß den Betrieb kennen, sondern leistet Arbeit, die zu bezahlen ist (Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Az. 4 Sa 11/05)."Gerade bei Praktika nach dem Studium ist das Risiko groß, dass der Praktikant nur als Arbeitskraft eingesetzt wird", sagt Andreas Schackert, Berater im Projekt "Students at work" des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Praktische Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln, das muss bei Praktika deutlich im Vordergrund stehen, egal ob sie vor, während oder nach einem Fachhochschul- oder Universitätsstudium geleistet werden. Daher sollte zu Beginn eines Praktikums klar sein, wie die Tätigkeit in der Firma genau aussieht, und dies auch in einem schriftlichen Vertrag festgehalten werden.Während das Unternehmen frei bestimmen kann, ob es eine Vergütung zahlt und wie hoch diese ist, gibt es eine Reihe von Rechten und Schutzregeln, die grundsätzlich auch für Praktikanten gelten. So muss der Arbeitgeber genau wie für regulär Beschäftigte auch die Unfallversicherung für Arbeitsunfälle und Wegeunfälle sicherstellen. Die Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten oder muss durch Freizeit ausgeglichen werden -unbezahlte Überstunden muss also kein Praktikant ableisten. Wer an einem Sonntag praktiziert, muss innerhalb von zwei Wochen einen Ersatzruhetag erhalten. Gesetzliche Pausen von mindestens 30 Minuten nach spätestens sechs Stunden Arbeit sind ebenso einzuhalten wie die Pflicht des Arbeitgebers, am Schluss ein qualifiziertes, wohlwollendes Arbeitszeugnis auszustellen. Dies ist ja schließlich eines der Hauptanliegen solch einer praktischen Ausbildung: in späteren Bewerbungen die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse belegen zu können.Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum, das nicht im Rahmen eines Studiums von der Prüfungsordnung vorgeschrieben ist, haben Praktikanten auch einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit und mindestens 24 Tage bezahlten Erholungsurlaub. Zwar kann er den Urlaub kaum am Stück nehmen, weil nach Arbeitsbeginn eine Wartezeit von einem halben Jahr gilt. Zwei Tage Urlaub pro Monat stehen dem Praktikanten dennoch zu."Eine Sondersituation liegt bei Pflichtpraktika während des Studiums vor. Da ist der Praktikant stärker darauf angewiesen, die Konditionen des Praktikumsgebers zu akzeptieren", sagt Experte Schackert von der DGB-Jugend. Weil sie als Teil des Studiums angesehen werden, gibt es bei Pflichtpraktika weder ein Recht auf Vergütung noch auf Urlaub. Einigen sich der Betrieb und der Praktikant dennoch auf eine Geldzahlung oder auf die Gewährung von Urlaubstagen, sollte im Vertrag klar geregelt sein, ob bei Krankheit weitergezahlt wird. Schackert warnt davor, dass manchmal Urlaubstage von den Praktikumspflichttagen abgezogen werden. Im Prüfungsamt kann der Student dann nicht die von der Studienordnung verlangten Zeiten nachweisen.Nicht genug, dass Praktikanten sich in die neue Arbeitswelt einfinden müssen. Sie bekommen auch gleich einen Schnelllehrgang darüber, wie undurchschaubar das deutsche Steuer- und Versicherungsrecht ist. Muss man sich für den Zeitraum selbst kranken- und pflegeversichern? Gilt die Pflicht zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung? Das hängt von drei Umständen ab: Ist das Praktikum in der Studienordnung vorgeschrieben, oder ist es freiwillig? Findet es vor oder nach dem Studium statt -oder währenddessen? Beträgt der monatliche Verdienst mehr als 400 Euro? Letztlich zahlen Praktikanten keine Sozialabgaben, wenn sie ein Pflichtpraktikum während des Studiums absolvieren. In freiwilligen Praktika sind sie versicherungsbefreit, wenn die Vergütung unterhalb von 400 Euro liegt. Ansonsten werden Praktikanten wie Arbeitnehmer behandelt und müssen in die Versicherungen einzahlen. Ist ein Student aber noch in der Krankenkasse seiner Familie mitversichert, kann er sich diese Beiträge sparen.Ist das alles geklärt, können die jungen Menschen eintauchen in die Arbeitswelt. Im Idealfall haben sie einen festen Ansprechpartner im Betrieb und ein Praktikumsziel vor Augen. Dennoch sind manche Praktikanten überrascht, wie der Alltag in einer Firma aussieht. "Teilweise sind sie noch nicht so gut mit der Arbeitswelt vertraut und haben andere Ansichten als die Arbeitgeber", sagt Schackert. Bei Enttäuschung sollte man nicht vorschnell das Weite suchen, rät er. "Besser ist es, das Gespräch zu suchen und die Argumente abzuwägen." Ausnutzen lassen muss sich jedoch kein Praktikant.------------------------------Hilfe für PraktikantenBuchtippAlles über Rechte und Pflichten im Praktikum, Hilfe beim Suchen eines Praktikumsplatzes und Infos zu Trainee-Programmen und Volontariaten.Frank Schneider, Bettina König, Susanne Rinecker: Vom Praktikum zum Job. Rudolf Haufe Verlag, 213 S., 16,80 Euro.BeratungsforumAuch die Gewerkschaften haben die Not der Praktikanten im Visier. Informationen zu allen arbeitsrechtlichen Fragen im Praktikum für Studierende und Absolventen bietet das Online-Forum der DGB-Jugend "Students at work". www.dgb-jugend.de/studiumVereinDie Fairwork e.V. Interessenvertretung von Hochschulabsolventen unterstützt Praktikanten, die sich von Arbeitgebern ausgebeutet fühlen. Der Verein tritt für die Rechte der jungen, freiwilligen Mitarbeiter ein. Erfahrungsdatenbank, Gerichtsurteile und eine Übersicht der Praktikantenrechte.www.fairwork-verein.deInformationsportalInformationsplattform mit Online-Workshops, EU-Recht und Studien.www.planetpraktika.de------------------------------Foto: Praktikanten werden oft mit einfachen Aufgaben wie Kopieren betraut.