BERLIN. Die Spitzelaffäre der Telekom weitet sich aus: Sowohl von DGB-Chef Michael Sommer als auch von Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder wurden Telefondaten erfasst. Beide Gewerkschafter sitzen im Aufsichtsrat der Telekom. Die Betroffenen wurden von dem Konzern selbst informiert.Sommer bestätigte der Zeitung Financial Times Deutschland, Telekom-Chef René Obermann habe ihn in der vergangenen Woche über entsprechende Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft informiert. "Er wirkte betroffen, aber das würde ich nicht als Entschuldigung werten", sagte Sommer. "Es ist ein Skandal, dass man nicht einmal vor dem DGB und dessen Vorsitzenden Halt macht."Die Spitzeleien seien eine schwere Belastung für die Mitbestimmung und die Sozialpartnerschaft. "Ich erwarte nun, dass die Staatsanwaltschaft Schritte unternimmt", so der DGB-Chef. "Und ich erwarte nicht nur, dass die Telekom sich entschuldigt, sondern dass sie glaubhaft macht, dass dies keine Mittel in einem Unternehmen sind", sagte Sommer weiter.Die beiden Gewerkschafter Sommer und Schröder sind vermutlich nicht die einzigen Betroffenen: "René Obermann hat mit mehreren Arbeitnehmer-Vertretern im Aufsichtsrat telefoniert und ihnen mitgeteilt, dass ihre Daten erfasst worden sind und bei der Staatsanwaltschaft vorliegen", sagte ein Telekom-Sprecher der Berliner Zeitung. Der Sprecher wies darauf hin, dass Obermann die Betroffenen ausdrücklich um Entschuldigung gebeten habe.Neben Sommer und Schröder sitzen noch acht weitere Vertreter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat des Konzerns. Sommer hatte mit zwölf weiteren aktiven und ehemaligen Arbeitnehmervertretern Ende Mai Strafanzeige gestellt, um Einblick in die Akten zu bekommen. Parallel hatte sich die Telekom selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt.Der Bonner Konzern hatte eingeräumt, dass es 2005 und womöglich auch 2006 zu Fällen missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen war. Ziel sei es gewesen, Kontakte zwischen Aufsichtsratsmitgliedern und Journalisten zu ermitteln, um die Veröffentlichung vertraulicher Informationen in den Medien zu verhindern.Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden die Telefonate jedoch nicht abgehört, sondern nur die Verbindungsdaten zwischen den Aufsichtsräten und den Journalisten nachträglich ermittelt. Da die Telefonate unmittelbar nach brisanten Aufsichtsratssitzungen stattfanden, ließen sich dadurch dennoch wertvolle Rückschlüsse für das Unternehmen ziehen.Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt unter anderem gegen den damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sowie den Chef einer Berliner Sicherheitsfirma, die die Daten im Auftrag der Telekom ausgewertet haben soll.------------------------------"Ich erwarte nun, dass die Staatsanwaltschaft Schritte unternimmt." DGB-Chef Michael Sommer