KAPSTADT. Neil van Schalkwyk klingt wie der Manager eines Weltkonzerns, Verwunderung und Kritik verpackt er in Diplomatie. "Unser Produkt soll für Stimmung sorgen", sagt er. "Niemand soll zu Schaden kommen." Das Produkt, von dem er spricht, ist die Vuvuzela, eine Plastiktröte, die so lang ist wie ein Unterarm. Kulturgut in Südafrika, Kritikobjekt in Europa. Seit 2001 lässt van Schalkwyk Vuvuzelas in seinem Unternehmen Masincedane Sport herstellen. Im ersten Jahr verkaufte er 1 000 - allein in den vergangenen zwölf Monaten waren es 800 000. Neil van Schalkwyk hat sich auf Mäkeleien aus der Fremde vorbereitet, wie absurd sie auch sein mögen. Er kontert mit Fakten und guter Laune.Ein Beispiel kommt aus Deutschland, wo das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen eine Empfehlung ausgesprochen hat, Vuvuzelas bei WM-Festen zu verbieten. Die Tröten können eine Lautstärke von 120 Dezibel erreichen, sie würden sogar eine Kettensäge übertreffen, wie die Bild-Zeitung herausfand. Unter anderem wollen Köln, Dortmund und Leverkusen der Empfehlung folgen. Trompetern droht dort ein Verwarngeld. Diese Debatte erinnert an das Jahr 2009: Während des Confederations Cup echauffierten sich Spieler, Trainer, Journalisten über das Tröten-Orchester, das einen Schwarm aufgebrachter Hornissen bei weitem übertrifft. Die Schlagzeilen von damals: "Furzgeräusche aus der Hölle", "Tröten-Terror", "Enten auf Drogen".Die Vuvuzela wurde zum Symbol des Eurozentrismus im Fußball. Neil van Schalkwyk, 37, würde nie auf die Idee kommen, sich aus der Ferne über deutsche Fanszenen zu erheben, über deren Zünden von Feuerwerkskörpern oder über das aggressive Niederbrüllen von Gegnern. Er wünscht sich, dass die Europäer sich auf die afrikanische Kultur einlassen, und verweist auf das neue, Lautstärke hemmende Aussehen der Vuvuzela: leichteres Gewicht, kleineres Mundstück, weicherer Kunststoff, dazu ein Aufkleber mit einer durchgestrichenen Ohrmuschel als Hinweis für den Sicherheitsabstand. "Wir gehen auf jeden Hinweis ein", sagt van Schalkwyk. "Aber es wird dabei bleiben: Entweder man liebt unsere Vuvuzela oder man hasst sie. In jedem Fall ist sie Tradition geworden, darauf sind wir stolz."Fast drei Millionen hat er verkauftAls Fan hatte er die Tröten erstmals Ende der Siebziger bei seinem Verein Santos FC wahrgenommen, damals waren es Hörner von Kudu-Antilopen, mit denen einige Stämme schon vor Jahrhunderten ihre Treffen eingeleitet hatten. Vor allem während der Derbys in Soweto zwischen den Orlando Pirates und den Kaizer Chiefs bestimmten die Tröten den Ton. Auch Nelson Mandela wollte nicht auf die Vuvuzela verzichten, als er für die WM in Südafrika warb. "Die Vuvuzela symbolisiert Einigkeit, alle verstehen sie", erzählt van Schalkwyk. Ein Plastikrohr liefert den sportlichen Sound einer Nation mit elf Amtssprachen. Der Zulu-Begriff Vuvuzela bedeutet so viel wie: in Musik duschen.Neil van Schalkwyk hat diese Dusche in ein Masseninstrument verwandelt, fast drei Millionen hat er verkauft. Siebzig Mitarbeiter beschäftigt er im Norden von Kapstadt. Pausenlos formen sie mit Maschinen aus einem 220 Grad heißen Brei die schmalen Trichter, der Vorgang dauert wenige Sekunden. Exportiert werden die Vuvuzelas in alle Teile der Welt, mit Geschäftspartnern in Düsseldorf und anderen Ländern Europas. Van Schalkwyk hat ein Netzwerk geknüpft, sein Unternehmen unterstützt soziale Initiativen. Und er muss sich gegen Plagiatsversuche aus Fernost wehren, hauptsächlich aus China: "Wir können mit ihren günstigen Preisen nicht mithalten, doch am Ende fallen die Qualitätsmängel der Kopien auf uns zurück." Van Schalkwyk wird diese Sätze in den kommenden vier Wochen öfter wiederholen müssen, als ihm lieb ist.------------------------------Foto: Schön wäre, wenn nur er das dürfte und nicht ein ganzes Stadion: Franz Beckenbauer probiert sich an der Vuvuzela.Foto: Süß: ein Trötenkind in Pretoria.Foto: Vorsicht: Riesentröte in Kapstadt.