Rom - Stolze 45 Minuten unter vier Augen – die des Übersetzers nicht eingerechnet – und das nun schon zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren. Angela Merkels Bilanz, was Privataudienzen beim Papst betrifft, kann sich sehen lassen. 20 Minuten plant das Vatikan-Protokoll sonst ein, wenn Politiker oder Monarchen kommen. Nur dem US-Präsidenten Obama widmete sich Franziskus noch einige Minuten länger als der Kanzlerin.

Auch die protestantische Pfarrerstochter aus Ostdeutschland schätzt den Austausch mit dem obersten Katholiken aus Argentinien offenbar außerordentlich. Obwohl sie zuletzt als Krisenmanagerin im Ukraine-Konflikt fast 30.000 Kilometer durch die Welt gejettet ist, fand Merkel Zeit für den erneuten Abstecher in den Vatikan. Seit Franziskus’ Amtsantritt im März 2013 war es gar schon das dritte Mal. Den Deutschen Benedikt XVI. hatte sie in acht Jahren nur ein einziges Mal besucht, das Verhältnis war kühl.

Mit Franziskus dagegen läuft es bestens. „Ein bereicherndes Gespräch, wie nicht anders zu erwarten“, sagte Merkel nach der Audienz am Samstag im Apostolischen Palast und wirkte trotz ernster Themen entspannt. Sie habe Franziskus die Agenda der deutschen G7-Präsidentschaft vorgestellt, da gebe es viele Überschneidungen mit den Herzensanliegen des Papstes: Armutsbekämpfung etwa, die Stärkung von Frauen in Entwicklungsländern, Klimaschutz. „Er macht uns Mut, diese Dinge umzusetzen.“ Natürlich ging es auch um die Ukraine und Flüchtlinge, Details wurden aber wie üblich nicht bekannt.

Spende für päpstliches Hilfswerk

Zum Abschied schüttelten Merkel und Franziskus lange lächelnd Hände. Die Kanzlerin überreichte als Gastgeschenke Johann Sebastian Bachs Gesamtwerk auf CD, ein Buch über die weltweite Impfallianz Gavi und eine Spende an ein päpstliches Hilfswerk für syrische Flüchtlingskinder. Franziskus dankte auf Deutsch und revanchierte sich mit einer Medaille des Heiligen Martin, der seinen Mantel zerschnitt und mit einem Bettler teilte. Die verschenke er oft an Regierungschefs, denn: „Auch sie müssen das Volk mit ihrem Mantel bedecken“. Merkels Kommentar: „Wir geben uns Mühe“.

Dass die Kanzlerin so gern nach Rom reist, liegt nicht nur am Papst. Annette Schavan, die deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl und frühere Bundesbildungsministerin, die wegen einer Plagiatsaffäre zurücktreten musste, ist eine enge Vertraute von ihr. Schavan begleitete Merkel in den Vatikan, in ihren schwarzen Hosenanzügen sahen beide sehr schwesterlich aus.

Das nächste Treffen mit Franziskus ist nun schon wieder angepeilt, allerdings mal nicht in Rom. Die Kanzlerin hat den Papst eingeladen, nach Deutschland zu kommen. Einen Termin gibt es noch nicht.