CHARLOTTENBURG. Der Breitscheidplatz ist berühmt. Für seine Kirche, seinen Brunnen, für die vielen Leute, die ihn sommers wie winters bevölkern - und für seinen Geruch. An manchen Tagen stinkt es dort zum Himmel. Wer die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche umrundet und dabei zu nah an die Mauer herankommt, kann ihn riechen, den Urin. Tausende Männer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten an der Kirchenmauer erleichtert. Das prägt. Doch mit der wilden Pinkelei soll nun ein für alle Mal Schluss sein. Gleich hinter dem Neubau der Kirche an der Kreuzung Kantstraße/Ecke Breitscheidplatz steht seit gestern Walls City-Pissoir. Ein Designertraum aus Sicherheitsglas und Edelstahl auf höchstem technischen Niveau. Mit Sensortasten am Wasserhahn und Bewegungsmeldern in der Spülung. Das Örtchen ist vergleichsweise klein. 2,5 Quadratmeter für die Befriedigung eines männliches Bedürfnisses. Dafür kann es gratis und zu jeder Tages- und Nachtzeit besucht werden. Ein Novum für Berlin. Ob es wirklich dazu beiträgt, dass der Breitscheidplatz irgendwann mal zur urinfreien Zone wird, bleibt abzuwarten. Sylvia von Kekulè zeigt sich verhalten optimistisch. Seit Jahren klagt die Pfarrerin der Gedächtniskirche darüber, dass Fremde an ihr Gotteshaus pinkeln. Doch sie weiß auch, dass Betrunkene "nicht mal zwei Meter gehen", um sich zu erleichtern. Das City-Pissoir, sagt sie, sei aber ein Anfang. Das meint auch der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU). "Wir schauen jetzt, wie das hier angenommen wird." Vielleicht könnten weitere Standorte folgen. Natürlich, sagt Gröhler, werde das Gratisklo jetzt erst mal eine politische Diskussion auslösen - nämlich um die Frage, warum denn Frauen, die in Fragen Erleichterung viel ordentlicher seien und deshalb weniger Schaden an Gebäuden anrichten, gar nicht bedacht wurden. Das fragt auch eine ältere Spandauerin, die stehen bleibt, um einen Blick auf das silbern glänzende Häuschen zu werfen. "Eigentlich ist es ungerecht, dass das Klo nur für Männer ist", sagt sie. "Frauen sind ohnehin benachteiligt. Auch beim - na ja, Sie wissen schon. Männer können immer irgendwohin machen. Aber wir Frauen?" Einer profitiert schon jetzt von dem neuen Pissoir: Der spanische Maler David Miro hat seit drei Monaten seinen Stand am Breitscheidplatz. Mehrmals täglich wurde er von Touristen gefragt, wo denn hier eine Toilette sei. Die Frage erübrigt sich jetzt und Miro hat wieder mehr Muße zum Malen. Allerdings fordert er auch ein Klo für Frauen. "Da bin ich für Gleichberechtigung", sagt er. In seinen Bildern von der City-West, verkündet er mutig, werde er das gleich berücksichtigen. "Wenn ich das neue Pissoir male, mal ich auch gleich eins für Frauen daneben.""Eigentlich ist es ungerecht, dass das Klo nur für Männer ist. " Eine Passantin.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Weg von der Kirchenmauer! Auf dem Breitscheidplatz gibt s ein Gratis-Klo.

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