Auf dem Friedhof Heerstraße sind viele Prominente begraben. Auffallend ist auch der Grabschmuck: Der letzte Koffer

Um im Urlaub etwas zu erleben, muss man nicht weit fahren. Berlin bietet jenseits der Touristenpfade viele spannende Orte. Unsere Ferienserie stellt in zwölf Teilen idyllische Plätze vor, wenig bekannte Attraktionen und Führungen zu Orten, an die man normalerweise nicht kommt. Heute: der Friedhof Heerstraße in Charlottenburg.------------------------------Je näher man zum See kommt, desto mehr prominente Namen stehen auf den Gräbern. Klausjürgen Wussow ist vielleicht der bekannteste, der Schauspieler wurde im vergangenen Jahr auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt. Er ruht unter fleißigen Lieschen direkt am Sausuhlensee. Das Gewässer hat seinen Namen bekommen, weil der 15 Hektar große Friedhof sehr zum Leidwesen von Friedhofsleiter Helmut Krauß auch für Wildschweine ein beliebtes Ausflugsziel ist.Was den Tieren gefällt, ist auch für Menschen ein schöner Ort. Eine idyllische Waldlandschaft mit steil zur 20 Meter höher gelegenen Straße ansteigenden Hängen, an denen sich die Gräber in Terrassen aneinanderreihen. Am See, der in einer tiefen Mulde liegt, kann man einen Fischreiher beim Fischfang beobachten. Hier findet man auch an heißen Tagen ein schattiges Plätzchen und viel Ruhe. Da der Friedhof als städtische Einrichtung allen Konfessionen offensteht, sind die Gräber nicht nur mit Engelsköpfen und Kreuzen sondern auch mit Buddhastatuen verziert. Außerdem gehört der Friedhof zu den Berliner Begräbnisstätten, an denen die meisten Prominenten begraben sind. 51 Ehrengräber befinden sich hier, nur der Waldfriedhof Zehlendorf hat ein paar mehr.Dass Wussow seine letzte Ruhe direkt am See gefunden hat, war Zufall. "Da war gerade eine Grabstelle ausgelaufen, wir halten für Prominente nämlich nichts frei", sagt Krauß. Auch der Schauspieler Horst Buchholz liegt in der Nähe, seinen Grabstein ziert ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Film "Eins, Zwei, Drei". Bildhauer Georg Kolbe gestaltete sein Grab noch zu Lebzeiten selbst: Mit drei sehr schmalen Säulen. Dem Grafiker Christian Chruxin, der im Künstlerhaus Bethanien arbeitete, haben seine Angehörigen einen steinernen Aktenkoffer aufs Grab gestellt. Auch Tilla Durieux, George Grosz, Joachim Ringelnatz und Helene Lange sind auf dem Friedhof begraben, meist in Ehrengräbern, die Azubis der Friedhofsgärtnerei pflegen.Man merkt, dass hier ein gut situiertes Publikum verkehrt, es gibt kaum Vandalismus. Und wenn, dann fällt er nicht als solcher auf: Ein Graffitikünstler hat den Elektrokasten der Wasserwerke auf dem Gelände zum Grabstein umgestaltet - er fügt sich damit besser in die Landschaft als der unbemalte nebenan.Der Name des Friedhofs führt allerdings in die Irre. Die Anlage befindet sich nämlich nicht an der Heerstraße, sondern zwischen Trakehner Allee und S-Bahn-Trasse und heißt so, weil sie einst für die Einwohner der Villenkolonie Heerstraße vorgesehen war. Entstanden ist der Friedhof in den 1920er-Jahren, gestaltet wurde er vermutlich von Erwin Barth, einem der angesagtesten Gartenarchitekten seiner Zeit, der auch den Lietzenseepark und den Volkspark Jungfernheide plante. 1921 bis 1923 wurde auch eine Kapelle errichtet, aus Backstein, aber in expressionistischen Formen. Auf dem Friedhof wurden auch viele Juden beigesetzt. Daran und an der eigenwilligen Architektur störte sich Adolf Hitler, weil direkt daneben 1936 die Olympischen Spiele stattfinden sollten. Er ließ das orientalisch anmutende Spitzdach der Kapelle abtragen und Säulenpappeln an der Trakehner Allee anpflanzen, damit der Friedhof nicht so auffiel. Die Kapelle wird zurzeit restauriert, sie soll ab dem 21. September wieder zugänglich sein - zum Tag des Friedhofs.------------------------------Ein Ort der RuheDer Friedhof Heerstraße ist rund um die Uhr geöffnet. Es gibt drei Eingänge: Einer liegt an der Trakehner Allee 1, der andere an der Olympischen Straße 34, der dritte am Ende der Insterburgallee.Die meisten Prominenten-Gräber befinden sich zwischen Trakehner Allee und dem See. Über ihre Lage und Besonderheiten informiert das Büchlein "Waldfriedhof Heerstraße" von Hans-Jürgen Mende. Es ist für fünf Euro erhältlich in der Friedhofsgärtnerei Haase, Trakehner Allee 1.Anfahrt: S 9, S 75 Olympiastadion, U2 Olympiastadion.------------------------------Grünfaktor: *****Aktivfaktor: ***Kulturfaktor: ***Familienfaktor: **Allwetterfaktor: **------------------------------Karte: Mit See: der Friedhof Heerstraße in Charlottenburg.------------------------------Foto: (3) Was vom Leben bleibt: Auf dem Friedhof Heerstraße ist Horst Buchholz begraben - auf dem Grabstein ein Szenenfoto aus dem Film "Eins, Zwei,Drei". Dem Künstler Christian Chruxin haben seine Angehörigen einen Koffer auf das Grab stellen lassen.