Herr Püttjer, beim Vorstellungsgespräch in einem großen Konzern wurde der Kandidat aufgefordert: Bitte halten Sie einen kurzen Vortrag -auf Englisch. Der Bewerber war überrumpelt. Muss man inzwischen damit rechnen, seine Fremdsprachenkenntnisse bereits beim Job-Interview unter Beweis stellen zu müssen?Ja -und es gibt Hinweise, wie wahrscheinlich das ist. Getestet werden die Fremdsprachenkenntnisse zum Beispiel, wenn in der Stellenanzeige sehr gute, fließende oder verhandlungssichere Englischkenntnisse gewünscht werden. Steht im Inserat jedoch, Englisch sei wünschenswert, bleibt einem das Umschalten auf einen fremdsprachigen Interviewteil in der Regel erspart.Wer verlangt solche Sprachprüfungen?Das sind hauptsächlich die international aufgestellten Konzerne, deutsche Tochterfirmen amerikanischer Unternehmen oder Betriebe mit Sitz im Ausland. Doch auch bei deutschen Firmen werden Sprachtests eingesetzt, weil es manchmal zu den Aufgaben der Arbeitnehmer gehört, Englisch zu sprechen -zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber einen internationalen Kundenstamm oder Auslandstöchter hat.Auf welche Fragen muss man englische Antworten parat haben?Abgefragt wird meistens der eigene Werdegang. Seinen Lebenslauf sollte man sich also auf jeden Fall ins Englische übersetzen. Dann hat man die Vokabeln parat, die man benötigt, um seine Aufgaben beschreiben zu können. Das ist ganz wichtig. Denn oft hapert es an den Ausdrücken -das geht beispielsweise beim Schulabschluss los: Wie heißt Abitur auf Englisch? Da müssen viele bereits passen. Der Begriff "general qualification for university entrance", also allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, sollte einem jedoch bekannt sein. Es empfiehlt sich also, Vokabeln zu lernen. Findet das Vorstellungsgespräch zu größeren Teilen oder ganz auf Englisch statt, muss man außerdem auf die klassischen Fragen -Warum haben Sie sich bei uns beworben?, Was sind Ihre beruflichen Ziele?, Welche Stärken bringen Sie mit? - Antwort geben können. In fachorientierten Unternehmen, zum Beispiel in der Forschung und Entwicklung, wird man oft sogar aufgefordert, einen Kurzvortrag zu halten -so wie es dem Jobkandidat in der Einstiegsfrage widerfahren ist.Um berufliche Sachverhalte in einer Fremdsprache sicher rüberzubringen, benötigt man ein spezielles Karriere-Englisch. Wie lernt man es?Man benötigt ein Grundvokabular. Will man zum Beispiel erklären, dass man im Vertriebsbereich arbeitet, sollte man lieber nicht vom sales resort sprechen und damit einem false friend, einem falschen Freund, aufsitzen, sondern sich korrekt im sales department verorten. Ich muss also wissen, wie meine Abteilung heißt und wie meine Aufgaben oder bestimmte Projektarbeiten benannt werden. Das ist Übersetzungs- und damit Fleißarbeit. Außerdem benötigt man eine Liste von Tätigkeitsvokabeln: Es macht sich schlecht, wenn man nur "I did" sagt. Man benötigt also action verbs wie to set up, to supervise, to act as, to create oder to develop sowie to establish. Die muss ich parat haben, damit es abwechslungsreicher klingt. Damit das Lernen Spaß macht und sich die Vokabeln leichter verankern, lohnt es sich, in englischsprachigen Journalen und Fachzeitschriften zu schmökern.Reicht es aus, sich für das Job-Interview ein Standardrepertoire bestimmter Redewendungen einzubläuen? Schließlich muss man vor allem im Berufsalltag bestehen ...Allerdings. Im Geschäftsleben wird schnell auf Englisch umgeschaltet, wenn verschiedene Nationalitäten zusammenkommen, zum Beispiel auf Meetings, Messen und Kongressen. Englisch ist außerdem wichtig für aktives Netzwerken auf internationaler Ebene. Für solche Gelegenheiten sollte man auf jeden Fall seine akustische Visitenkarte auf Englisch abgeben können. Außerdem muss man wissen, dass der Small Talk im angloamerikanischen Raum eine größere Bedeutung hat. Man sollte also auch fähig sein, vorab fünf bis zehn Minuten locker über das aktuelle Tagesgeschehen oder wichtige Sportereignisse zu plaudern -das überrascht viele Deutsche, die relativ schnell zur Sache kommen wollen.Muss man beim Selbstmarketing in Englisch inhaltlich andere Schwerpunkte setzen?Es kommt auf das Unternehmen an. Bei einem deutschen Betrieb, der nur meine Fremdsprachenkenntnisse testen möchte, antworte ich, wie ich es auch in der Muttersprache tun würde. Auf Englisch sollte man sich aber grundsätzlich etwas knapper, präziser und prägnanter ausdrücken. In angloamerikanischen Unternehmen benötigt man zudem einen hohen Tätigkeitsbezug. Fragen nach den soft skills, beispielsweise nach dem Umgang mit Kritik, sollte man immer mit einem realistischen Beispiel belegen. Außerdem empfiehlt es sich, mit Zahlen zu argumentieren: Es reicht nicht zu sagen, man habe die Abteilung erfolgreich geleitet. Besser ist es anzugeben, um wie viel Prozent man den Umsatz gesteigert oder die Kundenzufriedenheit erhöht hat.Interview: Andrea Frey------------------------------Zur PersonChristian Püttjer ist Karrierecoach. Er hilft seinen Klienten bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Assessment-Center, bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen, in Zeugnisfragen und in Sachen Rhetorik. Das Wissen, das er und sein Kollege Uwe Schnierda in jahrelanger Praxis erworben haben, geben sie in Ratgebern an ihre Leser weiter. Zum Beispiel in "Das überzeugende Vorstellungsgespräch auf Englisch", Campus Verlag, Frankfurt am Main (2011), 196 Seiten, 22,90 Euro.www.karriereakademie.de------------------------------Foto: Das Wörterbuch ist zur Vorbereitung auf ein englisches Interview ein wichtiges Werkzeug.