WEDDING Vor drei Jahren gründete der Kirchenkreis Wedding den Ökomarkt Leopoldplatz. Seitdem erfreut er sich wachsender Beliebtheit.Preisfrage: Wie sieht ein typischer Ökokonsument aus? Etwa so wie der junge Mann, dem auf einem Werbeplakat zu seinem Entsetzen eine Zigarette angeboten wird? Langhaarig, bärtig, schafswollbestrickt und birkenstockbeschuht? Auf diesem Ökomarkt müßte man lange suchen, ehe man jemanden findet, der diesem Klischee entspricht. Statt dessen schlendern ganz "normale" Anwohner über ihren Markt zwischen dem Karstadt-Kaufhaus und der kleinen Schinkel-Kirche. Genau das habe man mit dem Markt auch erreichen wollen, so Marktleiter Klaus Dörr. Viele Menschen, die vielleicht erst mal eine gewisse Schwellenangst beim Betreten eines Bioladens hätten, könnten sich hier auf dem Markt ganz zwanglos umschauen. Deshalb versteht sich der Markt auch nicht als Konkurrenz zu den Bioläden. Frisch aus dem UmlandViele Besucher haben inzwischen "ihren" Bauern, bei dem sie immer wieder einkaufen. Ingrid Fenske schwört auf die Wurst der Genossenschaft "Märkische Heide". "Mir ist das einfach wichtig, daß ich weiß, die Tiere haben sich nicht ihr Leben lang gequält." Tanja Pollatschek hat Gemüse, Milch und Käse im Netz des Kinderwagens. Sie bedauert, daß das Portemonnaie entscheidet, wie oft sie hier einkaufen kann. Jürgen Hille ist ein eher skeptischer Liebhaber des Ökomarktes. "Manchmal stehe ich vor so einem leckeren Brot und sage: wenn ich dich esse, werd' ich kerngesund. Das ist natürlich Quatsch, man will sich gern verwöhnen, aber auch täuschen lassen. Die Äpfel da schmecken mir schon rein optisch nicht." Jürgen Hille deutet auf schrumpelige, gräuliche Kugeln für 3,50 Mark das Kilo. "Aber immer noch besser als genverseuchte Erdbeeren im Februar."Der Markt wurde im Oktober 1991 mit dem Ziel gegründet, den biologischen Landbau in Brandenburg zu fördern. Bei dem breiten Angebot wird auf Frische und Regionalität Wert gelegt. Alle Bauern, die hier ihre Produkte anbieten, werden doppelt geprüft: durch einen der drei Anbauverbände, dem sie angehören müssen und nach den EG-Bio-Richtlinien. Obst und Gemüse sind durch den Direktverkauf preisgünstiger; bei Backwaren, Milch- und Fleischprodukten, Honig, Eiern, Tees, Naturtextilien oder Spielzeug entsprechen die Preise denen im Bioladen. Eier von 20 bis 55 Pfennig Die Biobauern erfüllen die Klischees genausowenig wie die Kundschaft und stehen schon mal mit dem Handy vor ihren Waren. Gedränge gibt es am Brotstand der DEMETER-Vertragsbäckerei "Märkisches Landbrot" aus Neukölln. "Das Biogetreide wird frisch gemahlen und am selben Tag ohne Zusätze gebacken. Die Renner sind Sonnenblumenbrot und das Brot der Woche, das immer etwas billiger ist", erklärt Mitarbeiterin Susanne Eckelmann. Am Stand daneben gibt es Eier von freilaufenden Hühnern aus dem Integrationsdorf Heidehof, einem Behindertenprojekt. Je nach Gewichtsklasse kosten sie 20 bis 55 Pfennig das Stück. +++