Nach einer Serie von verheerenden Wahlniederlagen muß sich die FDPFührung auf dem Sonderparteitag In Gera der massiven Kritik der Basis steilen.Auf dem am Sonntag beginnenden zweitägigen Kongreß will die Partei versuchen, durch die Einleitung einer programmatischen Erneuerung Wege aus der Krise zu finden, in die die Liberalen seit Klaus Kinkeis Amtsantritt mit dem Ausscheiden aus zehn Parlamenten geraten sind.Im Mittelpunkt des außerordentlichen Parteitages werde eine ungeschminkte Bestandsaufnahme aller Fehler und Versäumnisse stehen, kündigte ein Vorstandssprecher an. Kinkel werde die eigene Person von Kritik nicht ausnehmen. Dem Vorsitzenden werfen zahlreiche Liberale autoritären Führungsstil vor.Verlorenes Profil"Wir brauchen erst mal eine schonungslose Analyse, weshalb die FDP Profil, Eigenständigkeit und Existenzberechtigung verloren hat", sagte die Alt-Liberale Hildegard Hamm-Brücher. Nach ihrer Meinung war es falsch, mit Rücksicht auf die CDU Positionen zu räumen, die früher einmal liberale Gütesiegel getragen hätten. Etwa in der Rechts-, Asylund Bildungspolltik.Auseinandersetzungen werden darüber erwartet, wie der vom Rostocker Parteitag gefaßte Beschluß über eine Trennung von Amt und Mandat umgesetzt werden soli. Die Jungliberalen sowie Freidemokraten aus Ostdeutschland wollen verlangen, daß sich die Führung an das Parteitagsvotum hält. Spätestens im Sommer nächsten Jahres solle Kinkel als FDP-Chef zurücktreten, sagte der Brandenburger Landesvorsitzende Detlev Paepke. "Wir brauchen einen Bundesvorsitzenden, der genügend Zeit hat, um die Partei wieder auf Vordermann zu bringen."Demgegenüber will Kinkel darum werben, daß die FDP-Minister nicht schlechter gestellt sein dürfen als die Regierungsmitglieder von der Union. Eine Kompromißlösung könnte darin bestehen, daß die Parteispitze den Trennungsbeschluß im Grundsatz akzeptiert, aber zunächst versuchen will, über eine Verfassungs-Diskussion eine verbindliche Regelung für alle Parteien zu erreichen. Mit Spannung wird die dreistündige Aussprache zur Grundsatzrede des Vorsitzenden erwartet. Über die Frage, wie die FDP für Wähler wieder attraktiv werden soll, gehen die Meinungen weit auseinander.Neuer "General"Sie reichen von der Empfehlung, die FDP solle sich nach dem Vorbild des österreichischen Parteiführers Jörg Haider rechts von der Union ansiedeln, bis zum Plädoyer des linksliberalen Flügels, die Freiburger Thesen fortruschreiben.Nachwahlen zum Bundesvorstand stehen erst Montag auf dem Programm. Als Nachfolger des zurückgetretenen Generalsekretärs Werner Hoyer will Kinkel den früheren Juli-Vorsitzenden Guido Westerwelle vorschlagen. Wer zur Wahl für das Amt eines stellvertretenden Parteivorsitzenden antritt, war vor dem Parteitag noch offen. Genannt wurden unter anderen die ehemalige Bundestagsabgeordnete Uta Würfel die Parlamentarierin Ina Albowitz und der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Rainer Brüderle. Der Vizeposten war durch den Verzicht von Ex-Bauministerin Irmgard Schwaetzer frei geworden. Der Wahlparteitag, bei dem sich Kinkels Zukunft als Parteichef entscheidet, findet im Juni nächsten Jahres statt. Wohin steuert FDP-Chef Kinkei sein Schiff?