Der erste Friedhof für Buddhisten in Berlin entsteht in Ruhleben. Bis September wird auf ehemaligem Wiesenland des Städtischen Friedhofs ein 1 800 Quadratmeter großes Areal vorbereitet. Wege werden in Stand gesetzt, Grün gepflanzt und 700 Grabstätten, die nach Osten weisen, angelegt. In der Mitte des Gräberfeldes thront eine Plastik Buddhas, des Erleuchteten, wie der Ehrenname des Religionsstifters Siddhartha lautet.Weltanschaulich neutralDen Wunsch nach einem eigenen Friedhof für ihre Konfession hatte die Buddhistische Vietnamesische Gemeinde bereits vor mehr als einem Jahr an die Behörden des früheren Bezirks Charlottenburg herangetragen. Doch erst mit der Bildung des neuen Großbezirks wurde das Projekt in Angriff genommen. Die Gemeinde dringt darauf, dass die Begräbnisstätte so schnell wie möglich eingeweiht wird. Denn es stehen bereits zwei Urnen bei der Friedhofsverwaltung. "Wir haben ein ganz schlechtes Gewissen vor den Verwandten der Verstorbenen, die auf die Trauerfeier warten", sagt die Nonne Tan Vinh.Außer der Buddhaplastik und der Ostausrichtung der Gräber unterscheide die Anlage nichts von anderen städtischen Friedhöfen, sagt Baustadtrat Alexander Straßmeir (CDU). Die gesetzlich vorgeschriebene weltanschauliche Neutralität bleibe gewahrt. "Die Statue wird nicht sehr groß sein. Von anderen Teilen des Friedhofs ist sie nicht einsehbar", sagt er. Auf dem Gelände könnten nicht nur Buddhisten, sondern auch Menschen anderer Religionszugehörigkeit oder Konfessionslose bestattet werden. Straßmeir glaubt, dass der buddhistische Friedhof dem Bezirk zusätzliche Bekanntheit bringt. Vielleicht sogar zusätzliche Einnahmen für den Haushalt - "falls er Buddhisten auch von außerhalb anzieht". Bisher nämlich befindet sich die nächstgelegene buddhistische Ruhestätte in Hamburg. Berliner Buddhisten wurden wie andere Einwohner auch auf den städtischen Friedhöfen bestattet.Hoffnung auf das Nirwana"Der Buddhismus ist eine einheitliche Religion", sagt Wolfgang Wulf vom Buddhistischen Kulturverein in der Ackerstraße. Allerdings hätten alle Volksgruppen ihre nationale Kultur mitgebracht. Dadurch unterschieden sich auch die Grabrituale. So sei die Ausrichtung der Gräber nach Osten, wie in Ruhleben geplant, vor allem für China typisch. Das Einäschern praktizierten dagegen alle Buddhisten. Die Trauerfeiern fänden in Asien auch in den Wohnungen oder in einer Kapelle statt, in Deutschland dagegen stets am Grab. Mit dem Tod, sagt Wulf, verbänden die Buddhisten die Hoffnung, in den erleuchteten Zustand des Nirwana zu gelangen. Diese Chance habe derjenige, der sein Karma, die Energien schlechter und guter Handlungen und Neigungen, überwinde - die Hauptaufgabe jedes gläubigen Buddhisten.Platz für 700 Tote // Die Buddhisten sind vor allem in Gemeinden nach ihren Herkunftsländern organisiert. In der Statistik werden sie nicht erfasst. Schätzungen gehen von 3 000 bis 65 000 Buddhisten in Berlin aus.Die sri-lankischen Buddhisten haben ihren Sitz am Frohnauer Edelhofdamm, die thailändischen in der Steinkirchener Straße in Wittenau. Die chinesische Fo-Guam-Chang-Gemeinde befindet sich an der Ackerstraße (Wedding), die vietnamesische am Pinneberger Weg in Spandau.Das Grabfeld in Ruhleben umfasst 700 Plätze, darunter 400 Urnenreihenstellen.