Kleiner könnte der Stand in der Messehalle 5 wirklich nicht sein: Anderthalb Meter im Quadrat, längs stehen zwei Kunstledercouchs, darüber Metallregale, auf denen an die fünfzig Exemplare zweier Broschüren stehen. Einsilbig beantwortet der Standbetreuer Fragen nach dem Programm des Verlages, dann vertieft er sich wieder in sein Notebook.Viel Werbung für sein Angebot will der Aussteller, das Duisburger Unternehmen "Verlag und Agentur Werner Symanek" (VAWS), offensichtlich nicht betreiben. Aber für die Firma zählt auch weniger, wie sie sich präsentiert, als vielmehr die Tatsache, dass es überhaupt auf der Buchmesse einen Stand haben darf: Immerhin zählt VAWS laut Verfassungsschutz zu den wichtigsten rechtsextremistischen Verlagen und Vertrieben in Nordrhein-Westfalen.Vor sieben Jahren sorgte erstmals ein Messeauftritt des rechten Unternehmens auf der Düsseldorfer Popkomm für Schlagzeilen. Symaneks Firma, die auch Platten von rechten Rockbands verlegt, bekommt seitdem keinen Stand mehr auf der Musikmesse. Auch 2002 provozierte Symanek Proteste, als er mit Gesinnungsfreunden in der Münchner Hochschule für Musik und Theater undercover den 100. Geburtstag von Leni Riefenstahl feierte.In Leipzig dagegen braucht Symanek keine falsche Identität. "Wir kennen die Probleme, die es um die Firma gibt, aber wir haben keine rechtliche Handhabe, sie von der Messe auszuschließen", sagt Susanne Häusler, Sprecherin des Messemanagements, der Berliner Zeitung. Selbstverständlich habe man vorab den Justiziar eingeschaltet und auch das Gespräch mit dem sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz gesucht. "Dort bestätigte man uns zwar den rechtsextremistischen Hintergrund des Unternehmens, stellte aber auch klar, dass keine Verbotsverfügung vorliege", sagt die Sprecherin. Daher seien der Messeleitung die Hände gebunden. Nun schicke man in regelmäßigen Abständen eine Praktikantin am Stand vorbei, die ein Auge darauf haben solle, dass keine verbotene Literatur den Besitzer wechsele. "Wir sind extrem sensibilisiert", sagt Frau Häusler noch.Zwei Bücher stellt der Verlag VAWS auf der Messe vor: "SPD - Eine kriminelle Organisation?" heißt das eine, "SED/PDS, DKP und Grüne - Kriminelle Organisationen?" das andere. Die acht Euro teuren Bücher entpuppen sich als billig gemachte Kompilationen von Zeitungsartikeln aus den letzten fünf Jahrzehnten über mehr oder weniger kriminelle Verfehlungen von Mitgliedern der jeweiligen Parteien. Ein ähnliches Buch über die CDU sei in Vorbereitung, erfährt man am Stand, auch an einem "Schwarzbuch Deutscher Bundestag" werde gearbeitet.Im Internet findet man mehr aus dem Verlagsprogramm. Die VAWS verlegt Bücher von und über Joseph Goebbels und über Künstler des Dritten Reiches, die laut Eigenwerbung des Verlages "im Völkischen Beobachter hochgelobt wurden". Auch die Tipps des Deutschen Rechtsbüros für die rechtsradikale Szene sowie die Neonazi-Postille "Unabhängige Nachrichten" hat Symanek herausgegeben.Noch ein zweiter rechter Verlag ist auf der Leipziger Messe präsent - die Edition Antaios. Anders als der VAWS ist der Verlag aus Sachsen-Anhalt allerdings eher dem Spektrum der mehr intellektuell geprägten Neuen Rechten zuzurechnen. An seinem Stand in der Messehalle 2 kann man in der Zeitschrift "Sezession" blättern, in der sich Essays und Aufsätze von wichtigen Vertretern der Neuen Rechten finden, die auch in der "Jungen Freiheit" schreiben. Es finden sich daneben Bücher über "Deutschlands Untergang" und den "Zusammenbruch" 1945 sowie der Band "Jüdischer Bolschewismus". Dieses umstrittene Buch des Historikers Johannes Rogalla von Bieberstein interpretiert den Rassenwahn der Nazis als rationale Reaktion auf die "jüdische Unterstützung" der kommunistischen Oktoberrevolution in Russland.