Fahrgäste auf der U-Bahn-Linie 6 können aufatmen. Die abendlichen Pendelverkehre sind bald Vergangenheit. Ab 29. September fahren die Züge auch zu später Stunde durch - und haben zwei Waggons mehr."Wir sind guter Dinge, daß wir alles bis zum Fahrplanwechsel schaffen", sagt Hartmut Kleinert, Chef der U-Bahn-Bauabteilung bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Fast vier Jahre waren Bautrupps am Werk, um die acht Stationen des Abschnitts Kochstraße-Reinickendorfer Straße zu erweitern und zu sanieren. Die Bahnsteige mußten von 80 auf rund 110 Meter verlängert werden, damit Sechs-Wagen-Züge für 1 000 Fahrgäste dort halten können. Die Sparwut der Bahnbauer hatte der BVG das 155 Millionen Mark teure Projekt eingebrockt. Kürzere Bahnsteige kosten weniger Geld - so kalkulierte die private Gesellschaft, die das Vorhaben 1914 in Angriff nahm. Dafür wurden Wagen eingesetzt, die besonders viele Fahrgäste aufnehmen konnten. Doch die Fünf-Wagen-Züge hatten nach dem Zweiten Weltkrieg ausgedient, berichtet U-Bahn-Historiker Jan Gympel. Die neuen Waggons waren länger, so konnten nur noch Vierer-Züge rollen. Während der sechziger und siebziger Jahre wurden die U-6-Bahnsteige südlich der Kochstraße und nördlich der Reinickendorfer Straße verlängert - anderswo blieb alles beim alten. 1992 beschloß der Senat, das zu ändern. Mit dem Abbruch trennender Tunnelwände war es nicht getan. Weil es sich um tragende Mauern handelte, mußten große Teile der unterirdischen Konstruktionen neu errichtet werden. Die Stationen erhielten ihre Kennfarben zurück. So leuchten die Stahlträger auf dem Bahnhof Zinnowitzer Straße in einem intensiven Gelborange, in Stadtmitte prangen die Rahmen der Stationsschilder in edlem Dunkelrot.Neue Ausgänge wurden eröffnet. An den Bahnsteig-Enden sind nun Spiegel montiert, damit die Fahrer wie geplant ihre Züge selbst abfertigen können. Kleinert: "Außerdem haben alle Bahnhöfe Aufzüge bekommen" - nur die Station Französische Straße nicht. Wenn in ferner Zukunft weiter nördlich die U 5 verkehrt, entsteht dort ein neuer Bahnhof. Die Französische Straße bleibt ein Provisorium mit einer Besonderheit: Die Verschalungen für den Guß der Decke wurden aus alten Getränkekartons gefertigt. +++