Frau Achterhold, etwa 100 Tage nach Antritt eines neuen Jobs wird gewöhnlich Bilanz gezogen. Die ersten Monate gelten als Bewährungsprobe. Was sollte man in dieser Phase unbedingt beachten?Es geht darum, dem neuen Arbeitgeber zu vermitteln, dass man mit seinen Fähigkeiten ein Gewinn für die Abteilung ist. Aufzudrehen, um zu zeigen, was man alles kann, wirkt allerdings eher abschreckend. Genauso aufmerksam wie die fachlichen Leistungen wird daneben übrigens auch registriert, wie sich Neulinge ins Team einfügen. Das heißt: Sie müssen nicht nur Ihren Chef, sondern auch die Kollegen von sich überzeugen.Wie findet man als Neuling seinen Platz im Team der alteingesessenen Arbeitnehmer?Auch wenn es am Anfang Überwindung kostet: Von Jobeinsteigern wird erwartet, dass sie von selbst aktiv werden. Auch dann, wenn der Empfang womöglich ein wenig spröde ausfällt. Es kann erhellend sein, die Perspektive zu wechseln und sich in die Rolle der anderen zu versetzen. Denn die haben auch keine Ahnung, mit wem sie es jetzt zu tun haben. Wird ihnen ein Besserwisser vor die Nase gesetzt oder jemand, dem sie alles dreimal erklären müssen? Ältere Mitarbeiter haben vielleicht sogar Angst um ihre Stellung.Was ist also am Anfang ein absolutes Tabu?Wer neu in eine Firma kommt, kennt die Spielregeln nicht. Er weiß nicht, wer mit wem gut kann, wen welche Interessen leiten oder wo intrigiert wird. Gerade wenn man sich noch fremd und unsicher fühlt, lässt man sich jedoch schnell vereinnahmen. So gut es sich anfühlen mag, beim Kantinenplausch mal mittendrin zu sein -sich auf Klatschgeschichten einzulassen, ist brandgefährlich. Das gilt übrigens nicht nur für die Anfangszeit.Wie lerne ich möglichst schnell, worauf es beim neuen Arbeitgeber ankommt?Vieles lässt sich über Beobachtung leicht erfassen, zum Beispiel, ob ich angemessen gekleidet bin oder wie es sich mit dem Duzen und Siezen verhält. Aber was sonst alles üblich ist, von der Kaffeekasse bis zum gemeinsamen Mittagessen, da holt man sich am besten Tipps von einem erfahrenen und sympathischen Kollegen. Und zwar gezielt. Bei jeder Gelegenheit drauflos zu fragen, nervt selbst den hilfsbereitesten Menschen.Sie raten, bereits den ersten Tag nicht dem Zufall zu überlassen. Wie bereitet man sich vor, damit man beim Arbeitsantritt einen guten Eindruck macht?Je konkreter die Vorstellung davon ist, wie die neue Firma organisiert ist und was die neue Stelle an Aufgaben bringt, desto besser. Nicht nur Geschäftsfelder, Standorte oder Mitarbeiterzahlen sind interessant, auch aktuelle wirtschaftliche oder politische Entwicklungen, die Einfluss auf die Branche haben, sind nicht zu unterschätzen. Websites, Broschüren oder Medienberichte bieten einen guten Überblick.Wenn zu Anfang ein Fehler vorkommt, droht dann unweigerlich das Aus?Führungskräfte sind in Umfragen überwiegend der Meinung, das persönliche und kommunikative Potenzial ihrer Mitarbeiter oft erst durch ihr Verhalten in einer Krisensituation beurteilen zu können. Klar, kein Teamleiter freut sich, wenn einer seiner Mitarbeiter einen Bock schießt. Ob dessen Ansehen darunter nachhaltig leidet, hängt jedoch davon ab, wie er die Kuh wieder vom Eis bringt.Wenn die Probezeit zu Ende geht, bitte ich den Chef dann um ein Gespräch, um mir Feedback für die kommenden, hoffentlich mehr als 100 Tage zu holen?Eigentlich ist es Sache des Vorgesetzten, sich um seine Schäfchen zu kümmern. In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus. Warum abwarten, bis sich etwas ergibt? Gerade wenn Unklarheiten oder Fragen auftauchen, gehören die auf den Tisch. Mit einem lässigen Lob sollte man sich allerdings ebenso wenig zufriedengeben wie mit Pauschalkritik. Mitarbeitergespräche bieten die seltene Gelegenheit, sich eine ehrliche Rückmeldung einzuholen. Das bringt weiter und eröffnet neue Perspektiven.Interview: Andrea Frey------------------------------Buchtipp: "Im neuen Job. Überlebenstipps für die ersten 100 Tage", Sanssouci Verlag, München (2009), 144 Seiten, 12,90 Euro.------------------------------Niemand erwartet, dass man sich die Namen aller neuen Kollegen von Anfang an merkt.------------------------------Foto: Gunda Achterhold ist Journalistin, Coach und Autorin. Sie schreibt Bücher zum Thema Jobeinstieg.