Wenn es um Fontane geht, kann er ein glänzender Unterhalter sein. Wirkt das Publikum, dem sich Gotthard Erler bei einer Veranstaltung gegenüber sieht, interessiert, dann plaudert er mit einer Begeisterung, purzeln die passenden Zitate ihm nur so aus dem Gedächtnis, daß der Abend endlos so weitergehen könnte. Ihn packt die Idee, Menschen vom Lesen zu begeistern, ihnen vorzuführen, wie unterhaltend das sein kann, was gemeinhin nicht als "Unterhaltungsliteratur" gilt. Nun kann ihm das bei Fontane allein deshalb nicht schwerfallen, weil er sich mit diesem Autor schon so lange beschäftigt, wie er mit dem Aufbau-Verlag zu tun hat. Dies begann im Jahre 1956 (da war er 23) mit einer festen freien Mitarbeit, führte 1964 zu einer Festanstellung und seit 1975 leitete er das Klassik-Lektorat, beschäftigte sich dabei auch mit Goethe und Heine, Heyse und Hauptmann, gab eine mehrbändige Anthologie deutscher Reiseberichte heraus. Das Ende der DDR brachte für den Verlag zwar auch das Ende der Gängelei durch die Zensurbehörde, doch gleichzeitig den Zwang, marktwirtschaftlich zu handeln. Ein eigenes Klassik-Lektorat konnte sich Aufbau nicht mehr leisten, die Zahl der Mitarbeiter wurde auf ein Viertel reduziert, Erler wechselte 1990 in die Funktion des Cheflektors und wurde 1992 einer der Geschäftsführer. In beiden Funktionen half er mit, das Editionshaus durch die schwierigsten Zeiten zu retten, als die Menschen im einstigen "Leseland" plötzlich andere Sorgen als die Jagd nach Neuerscheinungen hatten, als Lizenzen verlorengingen und andere erstritten werden mußten. Erler, der bisher nur mit längst verstorbenen Autoren zu tun hatte, wurde Lektor für Erwin Strittmatter und wie in dessen postum erschienenem Band "Vor der Verwandlung" nachzulesen ist auch sein Freund.Fontane ist er treugeblieben; der Spitzname "Fonty", den bei Grass ein Theo Wuttke trägt, könnte auf Erler genauso passen. Seit 1994 gibt er die "Große Brandenburger Fontane-Ausgabe" heraus, er arbeitete zusammen mit Edda Ziegler an einer Biographie, suchte gemeinsam mit Luise Berg-Ehlers aus Reiseberichten, Tagebüchern und den Romanen allerlei über "Essen und Trinken mit Fontane" zusammen und gibt jetzt den Fontaneschen Ehebriefwechsel heraus. Der Umstand, daß Gotthard Erler am Sonnabend 65 wird, läßt die Herausgabe von noch vielen Fontane-Büchern erwarten. Erler scheidet aus seiner offiziellen Funktion beim Verlag aus, wird ihm aber als Herausgeber und Gutachter treubleiben mit mehr Zeit.