Aufruf zur Gewalt: Bethanien: Die Besetzer verweigern sich

KREUZBERG. Im Bethanien herrscht weiter Rechtlosigkeit. Die Besetzer des Künstlerhauses haben am Freitag die vom Bezirksamt vorgelegte Duldungsvereinbarung erneut abgelehnt. Zur Unterzeichnung erschien niemand von den Besetzern, die Absage kam telefonisch. In der Vereinbarung hatte der Bezirk aufgeschrieben, unter welchen Bedingungen er die widerrechtliche Besetzungsaktion tolerieren kann. Als Frist, zu der die rund 60 meist jungen Leute das Haus wieder verlassen haben sollen, war der 31. März 2006 benannt.Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS) ist frustriert. "Wir sind ihnen so weit entgegen gekommen wie nur irgend möglich", sagt sie. Ab April 2006 werde der besetzte Seitenflügel des Bethanien gebraucht, weil dort 230 Jugendliche wohnen sollen, die zur Streetfußball-Weltmeisterschaft auf dem Mariannenplatz nach Berlin kommen.Bis Ende März, also in acht Monaten, wäre laut Bezirk auch genügend Zeit, um sich aus den Angeboten des Liegenschaftsfonds etwas Passendes für ein alternatives Wohnprojekt auszusuchen. Jetzt muss sich das Bezirksamt mit der neuen Situation beschäftigen. Theoretisch wäre es möglich, dass am Dienstag beschlossen wird, das Bethanien zu räumen. Denn die Bürgermeisterin und der Baustadtrat als Befürworter der Duldung sind im Urlaub, bei den verbliebenen drei Stadträten gäbe es eine Mehrheit für Räumung. Doch Vizebürgermeister Lorenz Postler (SPD) ist zuversichtlich, dass es doch noch zu einer Vereinbarung kommt.Ob die Besetzer daran noch Interesse haben, wird sich zeigen. Denn im Internet kursiert ein Aufruf zur "Wiederbesetzung der Yorckstraße 59": "Wir holen uns das zurück, was uns gehört. Und das mit Gewalt", heißt es dort. Der Eigentümer der Yorckstraße 59 hatte das Haus Anfang Juni räumen lassen, weil die Bewohner Sanierung und Mieterhöhung ablehnten. Wenig später drangen sie in den leer stehenden Seitenflügel des Bethanien ein.