Die Berliner S-Bahn holt nach, was bei der Berliner U-Bahn seit langem üblich ist. In Zukunft sollen alle Fahrerinnen und Fahrer ihre Züge selbst auf die Reise schicken. Dadurch werden die Aufsichten, die heute noch auf den meisten S-Bahnhöfen die Abfahraufträge erteilen, überflüssig. "Sie können dann mit anderen Aufgaben im Unternehmen betraut werden", sagte Ernst-Otto Constantin, Arbeitsdirektor der S-Bahn, am Sonntag der "Berliner Zeitung". "Bis dahin wird es jedoch noch Jahre dauern." Wie berichtet, testet das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn bereits auf mehreren Bahnhöfen der S 1 (Wannsee-Oranienburg) die "Triebfahrzeugführer-Selbstabfertigung". Seitdem geben sich die Fahrerinnen und Fahrer einiger Züge selbst das Signal zum Abfahren. Rund 40 personalfreie Bahnsteige Hintergrund: Das S-Bahn-Netz wird mit der Schließung des Rings 2002 und der Eröffnung der Strecke nach Teltow 2003 weiter wachsen - doch mehr Arbeitsplätze soll es nicht geben. "Die Zeiten sind härter geworden", sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Um mit dem vorhandenen Personal auszukommen, hat das Unternehmen schon von vielen Bahnsteigen die Aufsichten abgezogen. Dort werden die Züge jetzt von benachbarten Bahnsteigen, Fahrkartenausgaben, anderen Bahnhöfen oder Stellwerken aus abgefertigt. Dies gilt für rund ein Viertel der 163 S-Bahn-Stationen. Wenn das Fahrpersonal künftig überall die Züge selbst abfertigt, können alle Aufsichten anderweitig eingesetzt werden. "Sie werden sich dann um die Fahrgäste kümmern", sagte der S-Bahn-Sprecher. Die Service-Mitarbeiter würden vor allem auf stark frequentierten Bahnsteigen, zum Beispiel auf der Stadtbahn und auf Umsteigebahnhöfen, eingesetzt. Priegnitz: "Die Fahrgäste werden auf den meisten S-Bahnhöfen Ansprechpartner haben." Auch in den Werkstätten fallen Stellen weg. Die neuen Züge müssten nur alle 1,2 Millionen Kilometer zur Hauptuntersuchung, sagte Constantin. Dennoch seien weiterhin keine betriebsbedingten Kündigungen geplant. Stattdessen hole die S-Bahn die Reinigung und andere an Firmen vergebene Leistungen wieder zurück. So könnten 300 bis 400 Stellen gesichert werden. Constantin: "In den vergangenen zwei Jahren haben wir rund 800 Arbeitsplätze mit neuen Aufgaben versehen." Die früheren Inhaber dieser Stellen arbeiteten nun woanders - zum Beispiel im Fahrkartenverkauf.Neue Aufgaben // 4 268 Mitarbeiter hat die S-Bahn Berlin. Mehr sollen es nicht werden, obwohl das Netz (heute 324 Kilometer mit 163 Bahnhöfen) wächst. Darum sollen Aufgaben neu verteilt werden: Die Fahrer fertigen ihre Züge künftig selbst ab, die Aufsichten werden Service-Mitarbeiter.Bei der BVG gibt es bereits keine Zugabfertiger auf den Bahnhöfen mehr. Als letzte Station war vor einem Jahr Mendelssohn-Bartholdy-Park (U 2) auf Selbstabfertigung umgestellt worden. 350 "Präsenzkräf- te" sollen sich auf den U-Bahnhöfen um die Fahrgäste kümmern.