Aufzughersteller gibt Betrieb in Pankow auf / 220 Mitarbeiter betroffen / Elektrokonzern strukturiert Anlagenbau neu: Verlust für Berlin: Otis schließt Werk, Siemens gliedert aus

Berlin. Der drastische Abbau von industriellen Arbeitsplätzen am Standort Berlin kommt nicht zum Stillstand: Aufzughersteller Otis kündigte gestern die Schließung seines Werks in Berlin-Pankow an. Siemens strukturiert seinen Bereich Anlagenbau neu. Dadurch sieht die IG Metall fast 700 Arbeitsplätze in der Hauptstadt gefährdet.Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Otis teilte gestern mit, daß er aufgrund eines "rückläufigen Aufzugsmarktes mit einem stark verschärften Wettbewerb und sinkenden Preisen" seine Produktionsstätten konzentrieren müsse. Die notwendigen Kosteneinsparungen seien mit einer Parallelfertigung an zwei Standorten nicht zu realisieren. Deshalb werde die Produktion aus dem Berliner Werk in Pankow zum Jahresende ins westfälische Hallenberg verlagert. Für diesen Standort würden die Arbeitskosten sprechen, die "deutlich unter denen des Werkes in Berlin liegen". Über die Folgen für die 220 Mitarbeiter in Pankow werde mit dem Betriebsrat gesprochen. Zum Teil sollen Ersatzarbeitsplätze in Hallenberg und am Standort Berlin-Borsigwalde angeboten werden. Darüber hinaus bemühe man sich bei befreundeten Unternehmen um eine Übernahme von Otis-Beschäftigten. Mit dem Betriebsrat solle eine Vereinbarung über die soziale Abfederung des Personalabbaus getroffen werden. Die Produktionskonzentration bedeute keine Aufgabe des Standorts Berlin. Allerdings müßten in allen verbleibenden Unternehmensbereichen "weiterhin große Anstrengungen zur Kostensenkung" gemacht werden. "Insbesondere im Montagebereich müssen bis Ende 1997 noch Kapazitätsanpassungen vorgenommen werden", erklärte Otis. In den Berliner Otis-Werken waren im März 1 800 Beschäftigte tätig. Wachsender Preisdruck Der Siemens-Bereich Anlagentechnik will die Werkstattfertigungen für Schaltanlagen und Mechanik ausgliedern. Die an 15 inländischen Standorten - darunter Berlin - betriebenen Werkstattfertigungen sollten im Laufe der nächsten Monate in rechtlich selbständige Gesellschaften umgewandelt werden, teilte Siemens gestern in München mit. Die Zahl der Arbeitsplätze werde sich von derzeit rund 1 700 auf über 1 200 reduzieren. Es werde voraussichtlich aber keine Entlassungen geben, erklärte das Unternehmen. Die Stellen sollten unter anderem durch Vorruhestand abgebaut werden. Entsprechende Konzepte sollten mit den Betriebsräten entwickelt werden. Siemens-Sprecherin Ilona Thede sagte in Berlin, wachsender Preis- und Wettbewerbsdruck habe trotz Rationalisierungen zu einem anhaltenden Ergebnisverfall in dem Geschäftssegment geführt. Die IG Metall sieht durch die Neugliederung Arbeitsplätze massiv gefährdet. Nach Angaben der IG-Metall-Verwaltungsstelle Berlin seien in der Hauptstadt insgesamt 692 Stellen in den Bereichen Anlagentechnik, Installationscenter sowie Gebäudeinstallation und -sicherheit betroffen. Stellenabbau Nicht zum ersten Mal würden bei Siemens uneffektive Bereiche ausgegliedert, um so Entlassungen zu umgehen, erklärte Klaus Wosilowski von der IG Metall. Die IG Metall erklärte, daß die Siemens AG seit 1992 in Berlin insgesamt über 6 000 Stellen abgebaut habe. 1996 solle die Mitarbeiterzahl in Berlin um weitere 1 200 Stellen verringert werden - die 692 noch nicht eingerechnet. +++