Mit ihren 60 Tonnen Gewicht sind die beiden Dieselloks wahrlich keine Spielzeuge. Dennoch sind sie und ein Zugwaggon vom Außengelände des Deutschen Technikmuseums an der Monumentenstraße in Schöneberg verschwunden. Möglicherweise wurden sie gestohlen, möglicherweise aber auch nicht. Klar ist derzeit nur: Das schwere Zuggerät ist weg. Die Polizei ermittelt.Die Loks und der Waggon gehören zur Röbel/Müritz Eisenbahn GmbH. Das Unternehmen hatte seine Fahrzeuge Ende September beim Technikmuseum zeitweise untergestellt, wie Rainer Zache vom Verein "Hei Na Ganzlin", aus dem die GmbH entstand, der Berliner Zeitung gestern sagte. Eine der vereinseigenen Loks sei auch ein Museumsstück, das normalerweise in Bernau stationiert sei. Die andere Lok, eine sogenannte V100, werde vom Unternehmen unter anderem als Zugmaschine für Bauzüge eingesetzt."Wir hatten unsere beiden Loks sowie zwei historische Loks aus dem Technikmuseum Anfang September nach Hennigsdorf transportiert, zum 100-jährigen Firmenjubiläum von Bombardier", so Zache. "Seine" historischen Loks seien einst vom Bombardier-Vorgänger AEG produziert worden. Auf der Rückfahrt von der gut einwöchigen Feier habe er dann bemerkt, dass bei der V100 ein Zylinderkopf undicht war. "Wir konnten so natürlich nicht weiterfahren und haben beim Technikmuseum in Berlin nachgefragt, ob wir die Maschinen dort mal unterstellen können." Das Asyl wurde gewährt. Die Fahrt, bei der die Diesellok V100 die historischen Loks sowie den Waggon zog, ging über den Bahnhof Südkreuz, von wo aus ein Gleis auch zum Depot des Technikmuseums an der Monumentenstraße führt.Was dann geschah, wird leicht unscharf, um nicht zu sagen für Außenstehende ziemlich unverständlich. Laut Zache habe er mehrfach versucht, von Röbel an der Müritz aus jemanden vom Museum zu erreichen, um die Reparatur des Zylinderkopfs abzusprechen. "Aber es ging nie jemand ans Telefon." Deshalb sei er vergangene Woche selbst nach Berlin gekommen, mit einer weiteren Lok. "Da wurde mir plötzlich vom Museum erklärt, dass unsere zwei Loks und der Waggon abgeholt worden sind." Zache erstattete sofort Anzeige gegen das Museum und gegen Mitglieder seines Vereins, die er des Diebstahls bezichtigte. Wo die Fahrzeuge jetzt sind, wusste er gestern noch nicht.War das Verschwinden der tonnenschweren Loks also eine Schlamperei von Museumsmitarbeitern, die Fremden wertvolles Gut ausgehändigt haben, wie Zache behauptete? Nein, natürlich nicht, heißt es aus dem Museum. Dort ist man sicher, dass es sich nicht um Diebstahl handelt, sondern dass die Fahrzeuge beim rechtmäßigen Besitzer sind, wie Museumssprecherin Tiziana Zugaro sagte: "Nach unseren Informationen sind sie ordnungsgemäß abgeholt worden, und zwar vom Eigentümer selbst."Denn das sei Rainer Zache gar nicht, behauptet jedenfalls Marco Mittelsdorf vom Vorstand des Vereins "Hei Na Ganzlin". "Der Verkäufer der V100, die vor fünf Jahren gekauft wurde, ist vom Geschäft zurückgetreten, weil die Rechnung nicht bezahlt wurde." Es ist dann noch viel von Streitigkeiten innerhalb des Vereins die Rede und davon, dass Zache die Loks unrechtmäßig beim Museum untergestellt habe und dass er als Vorstandsmitglied des Vereins abgewählt worden sei. Jetzt habe er, so Mittelsdorf, die V100 gekauft. Wie viel Geld er bezahlt hat, wollte er nicht sagen, nur so viel: "So eine Lok kriegt man nicht unter hunderttausend Euro."Das Knäuel von Behauptungen und Aussagen muss nun die Bundespolizei entwirren. Die Behörde wird immer dann eingeschaltet, wenn es um Angelegenheiten der Bahn geht. Wo sich die Loks jetzt befinden, ist da noch das geringste Problem. Marco Mittelsdorf: "Sie stehen südlich von Berlin bei einem guten Freund von mir."------------------------------Alte Fahrzeuge en grosIm Depot des Deutschen Technikmuseums Berlin an der Monumentenstraße sind 150 Jahre öffentlicher Nahverkehr zu bestaunen.In den beiden Hallen gibt es u. a. historische Fahrzeuge der BVG und der Feuerwehr zu sehen, auch alte Straßenbahnen und sogenannte Schnauzenbusse aus den 1930er-Jahren.Zu den Ausstellungsstücken, die mehrmals im Jahr bei Sonderöffnungszeiten gezeigt werden, gehören auch ein Ford-Holzvergaser-Lkw, Erich Honeckers Jagdwagen sowie historische Eisenbahnloks und Waggons.Ein Gleis führt vom Depot aus übers Gleisdreieck zum Technikmuseum an der Trebbiner Straße. Gleise führen aber auch zum allgemeinen Bahnnetz, zum Beispiel in Richtung Südbahnhof.Die Röbel/Müritz Eisenbahn GmbH wurde 1997 gegründet. Zunächst führte sie für den Verein "Ha Na Ganzlin" Sonderfahrten durch, jetzt bietet das Unternehmen auch Leistungen mit eigenen Loks und Lokführern an, wie das Fahren von Bauzügen.------------------------------Karte: Berlin. Weg der Loks