LICHTERFELDE. Nach dem Flughafen Tempelhof sind die ehemaligen McNair-Barracks an der Goerzallee das zweitgrößte Denkmal Berlins: Das Gelände des früheren Telefunken-Werks soll jetzt ausgebaut und zum größten denkmalgeschützten Wohnprojekt in ganz Deutschland werden. 250 noble Wohnungen sollen dort in den kommenden Jahren entstehen. Das planen die S+P Real Estate GmbH und die US-Investmentbank Lehman Brothers, die vor anderthalb Jahren einen Großteil der McNair-Barracks erworben hatten.Etwa 70 Millionen Euro wollen die neuen Besitzer in den Ausbau des 38 000 Quadratmeter großen Areals investieren. Damit wird jetzt auch die letzte Fläche der alten Kaserne neu genutzt, in der bis 1994 die Amerikanischen Alliierten stationiert waren. Auf dem Gelände gibt es bereits Geschäfte und Eigentumswohnungen, zudem soll eine Schule entstehen.Mit dem Slogan "Loftlife Zehlendorf" werben die Besitzer derzeit für ihr Projekt am südlichen Stadtrand. Zwar gehört das Areal zu Steglitz, Zehlendorf klingt aber wahrscheinlich vornehmer. Denn die bis zu drei Meter hohen Loft-Wohnungen werden zwischen 70 und 260 Quadratmeter groß und nach vier verschiedenen Ausstattungslinien gestaltet, die sich am Lebensstil der künftigen Bewohner orientieren sollen.All das hat natürlich seinen Preis: Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 2 460 Euro. Die Investoren werden die Wohnungen aber nicht selbst veräußern. "Wir richten die Wohnungen her und verkaufen sie an Kapitalanleger", sagt Anja Bookhahn, bei der S+P Real Estate zuständig für das Projekt. Geplant sei, entweder ganze Aufgänge oder ganze Häuser zu veräußern.Ein Name für das Vorhaben ist bereits gefunden: Das Areal soll "Monroe-Park" heißen - nach der US-amerikanischen Schauspielerin Marilyn Monroe. Als Grund für die Namensgebung nennt Anja Bookhahn die Entscheidung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, die Mittelpromenade der früheren Kaserne nach dem Regisseur Billy Wilder zu benennen. "Da lag der Name Monroe nahe", so Bookhahn.In zwei Jahren, so die Pläne der Investoren, soll der Monroe-Park samt Tiefgarage unter dem Ehrenhof fertiggestellt sein. Auch der 30 Meter hohe Uhrenturm, der inzwischen Monroe-Turm genannt wird, soll bis dahin saniert werden. Wie er später genutzt wird, steht allerdings noch nicht fest.Beim Bezirk ist man froh über das Engagement der Investoren. Das Areal sei schon mehrfach verkauft worden, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD), insofern sei es gut, dass sich nun tatsächlich etwas tue. "Wenn die Gebäude hergerichtet sind, kann das Gelände zu einem attraktiven Wohnstandort werden", so der Baustadtrat. Auch der Bezirk habe ein Kasernengebäude gekauft - das Haus wird demnächst zum neuen Standort für die asbestbelastete Kopernikus-Schule ausgebaut.Mit dem Ausbau der McNair-Barracks wird auch darüber diskutiert, ob der Platz des 4. Juli neu gestaltet werden soll, der sich vor der Kaserne befindet. Die 400 Meter lange und 70 Meter breite Asphalt-Fläche ist eigentlich kein Platz, sondern ein kurzes Stück achtspurige Straße. Sie war 1937 von den Nationalsozialisten unter dem Namen "4. Ring" errichtet worden - als Teilstück einer von vier Ringstraßen, die die von den Nazis geplante "Welthauptstadt Germania" erschließen sollten. Erst 1976 wurde der "4. Ring" in Platz des 4. Juli umbenannt - nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitstag. Nur ein schmaler Streifen des Platzes wird als Straße genutzt, der überwiegende Teil von Fahrschulen als Übungsfläche sowie von einem Flohmarkt."Je nach Interessenslage gibt es verschiedene Wünsche für den Platz", sagt Stäglin. So wolle die Kopernikusschule dort gern eine Sportfläche errichten. Der Platz könne auch Alternativstandort für das Deutsch-Amerikanische Volksfest sein, das sein angestammtes Areal an der Trumanplaza aufgeben muss. "Wir reden mit den Anliegern, welche Vorstellung sie von der Platznutzung haben", sagt Stäglin.------------------------------Als Werk gebautDer 60 000 Quadratmeter große Komplex zwischen Goerzallee, Platz des 4. Juli und Osteweg am Stadtrand wurde 1937 bis 1940 nach Plänen des Architekten Hans Hertlein als Fabrikanlage gebaut.Inhaber des Areals war zunächst die Firma Telefunken, die dort unter anderem Elektroröhren herstellte, während des Zweiten Weltkrieges aber auch Funktechnik.Die amerikanischen Alliierten richteten nach 1945 auf dem Gelände ihr Hauptquartier ein und nannten es "McNair-Barracks" - nach dem amerikanischen Generalleutnant Lesley J. McNair. In den Gebäuden waren bis zu 2 300 US-Soldaten stationiert.1994 verließen die amerikanischen Truppen Berlin. 1995 wurde das leer stehende McNair-Areal unter Denkmalschutz gestellt.Die Mittelallee des Komplexes erhält am 28. September den Namen Billy-Wilder-Promenade.------------------------------Grafik: Das frühere Telefunken-Gelände liegt fast am Berliner Stadtrand.------------------------------Foto: Der 30 Meter hohe Uhrenturm gehört zum Monroe-Park. Im Erdgeschoss entsteht eine Lounge.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.