CHARLOTTENBURG. Wo einst Soldaten und Polizisten Angriff und Verteidigung trainierten, ist jetzt Platz für Jogger, Radfahrer und Spaziergänger: Erstmals seit fast 150 Jahren militärischer Nutzung ist das Gelände rund um den Murellenberg nahe der Waldbühne wieder öffentlich zugänglich. Heute wird der Ruhlebener Schanzenwald mit Murellenberg offiziell eröffnet. Das 38 Hektar große Gelände wurde seit 2005 für insgesamt 1,6 Millionen Euro renaturiert. Wanderwege und ein Pausenplatz mit Spielgeräten wurden angelegt und der Wald ausgelichtet.Bereits 1840 wurde der Schanzenwald nördlich der Murellenschlucht vom preußischen Militär als Übungsgelände und als Schießplatz genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahmen die britischen Alliierten die Fläche. Nach deren Abzug ging das Gelände 1994 an die Berliner Polizei. Seitdem gab es jedoch Wünsche des Bezirks, das Areal für Freizeit und Erholung zu nutzen. Landschaftspläne wurden erarbeitet, das Gebiet im Flächennutzungsplan als Wald ausgewiesen.Polizei trainiert Häuserkampf"Doch die Polizei wollte es lange nicht aufgeben", erinnert sich Charlottenburg-Wilmersdorfs Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne). Ende 2004 gab es dann eine Einigung zwischen den Senatsverwaltungen für Inneres und Stadtentwicklung, die Fläche an die Berliner Forsten zu übertragen. Lediglich ein kleiner Teil im Norden - ein Munitionsdepot und die sogenannte Fighting City, wo die Polizisten Häuserkampf trainieren - blieb Sperrgebiet."Wir haben seitdem ein schönes Erholungsgelände gestaltet", sagt Schmiedhofer. Das schließt sich an das Gebiet der Murellenschlucht an, wo ein Denkmal an die dort in den Jahren 1944/45 erschossenen 232 Wehrmachts-Deserteure erinnert. Seit 1993 steht das Areal unter Naturschutz.Fast zwei Jahre lang hat es gedauert, bis das ehemalige Militärgebiet zu einem innerstädtischen Wald umgestaltet war. Die Pläne dafür erarbeitete das Umweltamt des Bezirks. "8 300 Quadratmeter Gelände mussten entsiegelt werden", sagt Umweltamtsleiter Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar. Auf dem früheren Schießplatz, immerhin 4,5 Hektar groß, wurden Kugelfänge und Wälle aus Beton abgebaut, alte Baracken, Wege und Straßen mussten weichen. "Mehr als 27 000 Tonnen Abfall wurden abgefahren, darunter etwa ein Fünftel gefährliche Abfälle, die auf Sondermülldeponien kamen", sagt von Lynar.Die Beseitigung der Altlasten sei das Teuerste an dem Projekt gewesen, sagt der Amtsleiter. Die Mittel dafür, fast 800 000 Euro, kamen aus dem Umweltentlastungsprogramm des Landes. Auch der Bezirk steuerte 57 000 Euro bei. Das Geld für die Gestaltung der Grünanlagen - 830 000 Euro - zahlte die Deutsche Bahn als Ersatz für weggefallenes Grün beim Ausbau der Schnellbahnstrecke Hannover-Berlin.Umweltstadträtin Schmiedhofer hofft, dass das Areal künftig noch erweitert wird: "Wir wollen auch noch die Fläche der Fighting City und das Munitionsdepot einbeziehen", sagt sie. Doch bislang lehne das die Innenverwaltung noch ab.------------------------------Karte: Schanzenwald wurde das eiszeitlich geprägte Gelände um den Murellenberg wegen seiner militärischen Nutzung genannt: Seit 1840 gab es Kasernen und Schießstände.Eine Erinnerung an erschossene Wehrmachts-Deserteure bietet seit 2001 der Denkzeichenweg nahe der Waldbühne - die Künstlerin Patricia Pisani stellte 104 mit Inschriften versehene, rot umrahmte Spiegeltafeln auf.