POTSDAM. 14 Jahre lang stand Potsdams vielfach belächeltes Theaterprovisorium aus glänzendem Leichtmetall auf dem Alten Markt. Seit 1992. Eigentlich sollte die Blechbüchse, wie sie liebevoll genannt wurde, höchstens fünf Jahre dort stehen - bis dahin wollte sich Potsdam nämlich ein neues Theatergebäude gebaut haben. Doch erst im September 2006 wurde nach vielem Hin und Her der spektakuläre Theaterbau am neuen Kulturstandort Schiffbauergasse eröffnet. Viel länger als gewünscht hatten es die Potsdamer in der Blechbüchse ausgehalten: Sie hatten bei Theatervorstellungen kaum etwas verstanden, wenn gerade der Regen auf das Wellblech-Dach prasselte, draußen die Vögel zwitscherten oder ein Löschzug der Feuerwehr vorbeilärmte.Nun hat die Stadt das weltweit einzigartige Provisorium des Potsdamer Hans-Otto-Theaters an die kroatische Hauptstadt Zagreb verkauft. Dort soll es in der Trabantenstadt Novi Zagreb wieder aufgebaut und in der Hochhaussiedlung ebenfalls als Theater genutzt werden. "Investitionen in Kultur zahlen sich aus", sagte Milan Bandic am Freitag. Der Bürgermeister der 800 000-Einwohner-Stadt Zagreb in Ex-Jugoslawien war ausgerechnet an diesem Freitag, dem 13., an die Havel gereist, um den Kaufvertrag gemeinsam mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu unterschreiben. "Unser Provisorium soll dort zumindest 13 Jahre überdauern", sagte Bandic. Bis August werde die lang gestreckte "Blechbüchse" nun in ihre Einzelteile zerlegt und dann mit dem Lkw nach Kroatien transportiert werden, so der Bürgermeister.Die kroatische Hauptstadt hat sich in einer Ausschreibung gegen sieben andere Bewerber durchgesetzt. Darunter waren auch mehrere Altmetall-Unternehmer, die die Blechbüchse am liebsten verschrottet und das Metall dann weiterverkauft hätten."Zagreb hat nicht nur den höchsten Preis geboten, sondern auch gleichzeitig ein sinnvolles Nachnutzungskonzept mitgeliefert", sagte Potsdams OB Jakobs. Den genauen Kaufpreis wollte er aber nicht nennen. Dem Vernehmen nach soll Potsdam schon sehr dankbar sein, dass die Kroaten die Abbauarbeiten und die Transportkosten übernehmen. "Dann sind wir das Ding endlich los", hieß es am Freitag in der Stadtverwaltung. Ursprünglich hatte sich auch die rumänische Stadt Sibiu (Hermannstadt) für das Alu-Objekt interessiert. Sibiu, europäische Kulturhauptstadt 2007, wollte die "Blechbüchse" als Veranstaltungszentrum nutzen, doch dann verwarf man den Plan wieder. Auch die Kleinmachnower Waldorf-Schule soll sich zunächst für den Leichtmetall-Bau interessiert haben. Der Metallkasten war seinerzeit von der österreichischen Firma Neversal & Partner als "Container mit variabler Innenarchitektur" entwickelt worden und 1992 vom damaligen Theaterintendanten Guido Hounder nach Potsdam geholt worden. Die Baukosten betrugen gut neun Millionen D-Mark.Dass dieses Theaterprovisorium damals überhaupt auf den Alten Markt kam, hatte viel mit DDR-Staatschef Erich Honecker und der politischen Wende zu tun. Denn Honecker selbst hatte sich in den 80er-Jahren einen Theaterneubau auf dem Alten Markt gewünscht. Dort, wo die SED seinerzeit das kriegsbeschädigte alte Potsdamer Stadtschloss hatte abtragen lassen, entstand ab 1989 ein gewaltiger Bau. 1991 war der Rohbau fertig. Doch nun erschien dieser den Stadtverordneten als zu groß, zu hässlich und auch politisch vorbelastet. Auf ihren Beschluss hin wurde der Betonkoloss wieder abgerissen - und die Blechbüchse kam.Der Bonner Bühnenbildner Hans-Georg Schäfer, der seit 30 Jahren auch in Kroatien arbeitet, hatte die Zagreber auf die Potsdamer Verkaufspläne aufmerksam gemacht. Er hatte davon vor zwei Jahren erfahren und sofort die Stadtbehörden informiert.Ab August soll in Potsdam das Betonfundament der Blechbüchse abgerissen werden. Und irgendwann soll die exponierte Fläche an der Havel hochwertig bebaut werden. Nebenan soll der Landtag in den Umrissen des alten Stadtschlosses wiedererstehen.------------------------------Provisorien - 60 Jahre langZerstörung: Die Potsdamer "Kanaloper" wird im Zweiten Weltkrieg genauso zerstört wie das Theater im Stadtschloss. Die einstige Tanzgaststätte "Zum Alten Fritz" wird 1949 zu einem Theater umfunktioniert. Schon 1960 beschließt die SED-Führung einen Neubau für das Hans-Otto-Theater auf dem Alten Markt.Wiederaufbau: Doch erst ab 1989 entsteht auf dem Alten Markt ein gewaltiger Theaterbau. Nach der Wende als Rohbau fertig, wird er ab 1991 wieder abgerissen. Als Behelfslösung wird 1992 die Blechbüchse installiert. Dann streitet Potsdam lange über den Theaterstandort. Erst 2006 eröffnet der Neubau von Gottfried Böhm am Tiefen See.------------------------------Karte : Exponierte Lage: Die ungeliebte Blechbüchse steht am Alten Markt.------------------------------Foto : Das Potsdamer Theaterprovisorium: ein Leichtmetall-Kasten aus Aluminium, gekrönt von einem Wellblech-Dach.